Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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1880 eine Reihe von Verfügungen. Gegen
wärtig bestehen in Kraft das Gesetz vom
29. Februar 1880 und die Durchführungs
verordnungen vom 12. April 1880 gegen die
Rinderpest, Maul- und Klauenseuche, den
Milzbrand, die Pocken, die Lungenseuche,
den Rotz und Wurm, die Beschälseuche, die
Wuth und Räude und das Gesetz vom
19. Juli 1879 nnd die Vollzugsvorschrift vom
7. August 1879, betreffend die Verpflichtung
zur Desinfection bei Viehtransporten auf
Eisenbahnen und Schiffen.
Im Deutschen Reich gelten: Das
Gesetz vom 7. April 1869 gegen die Rinder
pest und die revidirte Instruction zu dem
selben vom 9. Juli 1873, das Gesetz vom
28. Februar 1876, betreffend die Beseitigung
von Ansteckungsstoffen bei Viehbeförderungen
auf Eisenbahnen, die Ausführungsverordnung
vom 6. Mai 1876 und die Verordnung des
Reichskanzlers vom Jahre 1886 und das Ge
setz, betreffend die Abwehr und Unter
drückung von Viehseuchen vom 23. Juni
1880, mit den Instructionen des Bundes
rathes vom 24. Februar 1881, die seit dem
I. April 1881 in Kraft bestehen und gegen
die Rinderpest, Maul- und Klauenseuche,
Lungenseuche, Milzbrand,Rotz, Beschälseuche,
Wuth und Räude gerichtet sind.
In Frankreich wurden am 18. December
1848, am 15. Februar und 3. April 1849 und am
3. Mai 1881 Verordnungen gegen Seuchen
erlassen. Gegenwärtig besteht in Frankreich
in Kraft das Gesetz vom 21. Juli 1881, be
treffend die Rinderpest, Lungenseuche, Maul
seuche. Schafpocken, Räude, Rotz und Wurm,
Beschälseuche, Hundswuth, Milzbrand, den
Import und Export von Thieren, die Vieh
märkte, Schlachthäuser, Abdeckereien etc.
In der Schweiz gilt das Gesetz vom
8. Februar 1872. betreffend die Rinderpest,
Lungenseuche, Maul- und Klauenseuche, den
Rotz und die Wuth und den Viehverkehr.
In Grossbritannien und Irland regelt
das Gesetz vom 16. August 1878 die Mass
regeln gegen die Rinderpest, Maul- und
Klauenseuche und andere Thierseuchen, das
Gesetz vom 1. September 1890 die Tilgung
der Lungenseuche.
In Holland gelten die Gesetze vom
20. Juli 1870 und die kgl. Verordnung vom
8. und 17. August 1878.
In Belgien wurden Verordnungen am
31. December 1867 gegen die Rinderpest,
Lungenseuche, Maul- und Klauenseuche, die
bösartige Klauenseuche der Schafe, die
Wuth, den Milzbrand, Rotz und Wurm und
besondere Massregeln gegen die Rinderpest
am 7. Februar 1866 und 24. Februar 1877
erlassen.
In Russland wurden Verordnungen
gegen die Seuchen erlassen am 30. Mai,
17. und 30. December 1876, am 9. März
1879, am 3. Juni 1879, am 8. December
1881, am 14. Mai 1882, am 28. Februar,
II. Mai und 9. December 1882, am 28. Jänner,

8. October und 16. November 1884, am
1. Jänner und 15. October 1886.
Literatur: Laubender, Ideen zur Organisation
einer selbständigen Veterinärpolizei, Würzburg 1805. —
Ts che ul in, Thierärztliche Polizei, Karlsruhe 1821. —
Delafond, Handbuch der Veterinärsanitätspolizei. —
Adam, Die Veterinärpolizei, München 1862. — Er dt,
Veterinärpolizei, Sorau 1865. — Heussinger, Recher-
ches de Pathologie coraparee, Cassel 1847. — äaubner,
Handbuch der Veterinärpolizei, Dresden 1869. —Reynal,
Traitö de la police sanitaire, Paris 1873. — Röll, Die
Thierseuchen, Wien 1881. — Pütz, Die Seuchen und
Heerdekrankheiten, Stuttgart 1882. — Reglement d’ad-
ministration publique sur la police sanitaire des animaux.
Recueil und Journal de m6d. vdtör., 1882. — Sch mule
witsch, Veterinärkalender, Petersburg 1887. Scmmcr.
Thierspital, s. Klinik.
Thierstaaten, s. Geselliges Leben der
Thiere.
Thierzucht. Unter Thierzucht oder künst
licher Zucht versteht man im Gegensatze
zur natürlichen oder wilden Zucht das Be
streben des Menschen, sich aller jener durch
Jahrtausende gesammelten züchterischen Er
fahrungen zu bedienen, um rasch vorzügliche
Thiere zu erzielen. Es handelt sich nämlich,
eine Nachkommenschaft zu erzeugen, die ge
wissen im voraus bestimmten Zwecken ent
sprechen und den Menschen den allevgrössten
Nutzen gewähren würde. Sie ist auf Ver
erbungsgesetze, Zuchtmethoden, Auswahl der
Zuchtthiere und Anpassung derselben, sowie
auf Aufzucht, Haltung und Pflege basirt. Die
künstliche Zucht berücksichtigt hauptsächlich
Leistungen und Körperformen der Eltern-
thiere, sowie deren Vererbungskraft. In
Bezug auf die graduellen Unterschiede in der
Zucht kann man auch die antike Thierzucht
von der modernen unterscheiden.
Geschichte und Entwicklung der
Thierzucht. Von einer Thierzucht kann
erst seit der Zeit die Rede sein, als die
Hausthiere gezähmt wurden, was wohl vor
wenigstens zehn Jahrtausenden stattfand. Sie
war Jahrtausende lang nach diesem grossen
Culturfortschritt eine sog. halbwilde Zucht.
Die Bestrebungen der damaligen Züchter
waren nämlich nicht weit entfernt von jenen
im wilden Zustande lebender Thiere. Sie
bildete sich sodann zur sog. zahmen Zucht
aus, nachdem der Mensch durch besonderen
Fleiss die Thiere völlig an sich gebunden
und ihnen besonders nützliche Eigenschaften
angezüchtet hat. Etwa zwei Jahrtausende
vor Chr. Geb. sieht man in Asien bereits
den Fortschritt, dass die Zucht der Pferde,
Schafe und Hunde in eine edle und gemeine
Zucht geschieden wurde. Aus den Bruch
stücken der bildlichen Darstellungen Alt
egyptens, der Bibel und den homerischen
Gesängen geht mit Gewissheit hervor, dass
man selbst im grauesten Alterthum über
Vererbungsgesetze und deren Ausnahmen,
wie über die Constanzlehre, Atavismus und
Versehen der Mütter wohl unterrichtet war.
Etwa zur Zeit Chr. Geb. mehren sich, laut
Angaben römischer Schriftsteller, auffallend
die Beobachtungen über künstliche Zucht.
Diese sprechen von Reinzucht, Kreuzung,
Verwandtschaftszucht, Veredlungszucht, Blut-
auffrischung, Zuchtwahl und Anpassung, wie

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