Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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teren Donau (in Bulgarien und Rumänien)
durchaus nicht nachstehen.
Man schätzt in Siebenbürgen den Büffel
nicht nur als kräftiges Zugthier, sondern
auch als werthvolles Milchvieh und ver
schmäht das Fleisch jüngerer Mastochsen
dieser Gattung ganz und gar nicht; der
Moschusgeruch, welcher dem Fleische eigen
ist, scheint die dortigen Consumenten nicht
zu stören.
Der Büffel verträgt besser als das Rind
die halbwilde Weidewirthschaft und er hat
selten durch Krankheiten zu leiden, auch ist
dieses Thier in hohem Grade genügsam und
kommt noch an solchen Plätzen recht gut
fort, wo andere Hausthiere nicht mehr recht
gedeihen wollen. Das schlechteste Heu, selbst
Schilf und saures Heu wird vom Büffel nicht
verschmäht. Die sächsischen Bauern in Neu
stadt (unweit Kronstadt) haben die Beobach
tung gemacht, dass der Büffel für die Sommer
stallfütterung sehr dankbar ist und die Milch-
erträge seiner Kühe dabei oftmals weit höher
sind als die der weissen Steppenkühe. Jeden
falls ist die Qualität ihrer Milch viel reicher
an Fett, und es wird infolge dessen auch
die Büffelmilch in den Städten nahezu doppelt
so hoch bezahlt als die jener Kühe der Species
Bos taurus.
An allen Orten, wo die Büffelzucht mit
einiger Sorgfalt betrieben wird, lässt man den
Bullen „aus der Hand springen“, und die
Leute gehen bei der Auswahl des Zuchtviehes
mindestens ebenso streng zu Werke, wie bei
der jener weissen Steppenrinder.
Ein nicht geringer Theil der von den
Büffelkühen gewonnenen Milch wird zur
Butterfabrication benützt, doch ist der Ge
schmack dieser Butter nicht besonders zu
loben.
Zur Herstellung der bei den Rumänen
besonders beliebten Maismehlspeise — „Mam
maliga“ genannt — verwendet man sehr
gern Büffelmilch.
Die Wohlhabendsten unter den sächsischen
Bauern sind der Büffelhaltung so weit zuge
than, dass man als Zeichen ihres Reichthumes
und der besseren Wirthschaft eine möglichst
umfangreiche Büffelhaltung ansieht. Von ver
schiedenen Seiten wird jedoch behauptet, dass
die Neigung der dortigen Bauern, gern in
träumerischer Langsamkeit und Lässigkeit
beim alten Zustand zu verbleiben, durch die
langsam einherschreitenden Büffel befördert
würde.
Die Schafzucht hat in Siebenbürgen
seit ältester Zeit eine grosse Rolle gespielt,
und es galten schon vor Jahrhunderten die
dortigen Schäfer für die geschicktesten auf
der ganzen Balkanhalbinsel. In der Regel
gehören dieselben dem rumänischen Volks
stamme an und nur ausnahmsweise geben sich
Sachsen oder Szekler zum Schäferdienste her.
Bei der letzen Zählung fanden sich in
Siebenbürgen nahezu zwei Millionen Schafe,
von welchen kaum 30.000 Stück als edle
Merinos bezeichnet werden konnten; alle
Uebrigen waren entweder Turcanas oder

Tigajas. Die 'furcanas gehören zu der in
allen Ländern des Südostens weit verbreiteten
grobwolligen Zackeirasse, wohingegen diese
letzteren eine viel bessere, feinere Wolle
tragen und möglicherweise aus der Kreuzung
mit irgend einer edleren orientalischen Rasse
— vielleicht mit den Merinos — hervorge
gangen sind. Bestimmtes weiss man darüber
leider noch nicht.
Die Merinoschafe finden sich fast aus
schliesslich in den Wirthschaften der Gross
grundbesitzer und sie werden hier auch leidlich
gut gehalten. Die Besitzer von Heerden der an
deren Rassen — meist Rumänen — werden in
der Umgegend von Kronstadt „Mokane“ und
bei Hermannstadt gewöhnlich „Zuzugane“ ge
nannt. Hier wie dort haben sie im Gebirge
in der Nähe ihrer Wohnsitze die Weiden
entweder in Pacht oder als freies Eigen
thum. Die festen Punkte ihrer Schafwirth
schaften heissen Tirlas, und es finden sich
diese grösstentheils in Rumänien, Bulgarien
und der Dobrudscha. Die Mokane bringen
dort mit ihren Gehilfen und Hirten (Ciobanen)
in einer patriarchalischen Geschäftsverbindung
den grössten Theil des Jahres — von ihren
Familien getrennt — zu und führen häu
fig ein ziemlich wildes Leben. Mit Vorliebe
halten diese Heerdenbesitzer Tigajaschafe
von weisser Farbe, da deren Wolle zur Tuch-
fabrication besser geeignet ist und daher auf
den Märkten von Kronstadt stets theurer
bezahlt wird, als die grobe Turkanawolle.
Diese letztere wird hauptsächlich zur Halina-
und Teppichfabrication, aber auch zur Her
stellung der sog. Kotzen benützt. Die Lamm
felle beider Rassen sind überall sehr gesuchte
Handelsartikel, besonders dann, wenn sie von
schwarzer Farbe sind; man fertigt daraus
die dort allgemein beliebten Pelzmützen etc.
Ein grosser Theil der Lammfelle kommt
unter dem Namen „Krimer“ auf die Leip
ziger Messe, und es werden dieselben hier
nahezu so hoch bezahlt wie die echten Lamm
felle aus der Krim und der Gegend von
Astrachan.
Es besteht in Siebenbürgen heute noch —
wie in Rumänien, Bulgarien, Serbien etc. — der
morgenländische Gebrauch, die Mutterschafe
sofort nach dem Absetzen der Lämmer regel
mässig zu melken und aus der Milch Käse
(brinsa und kaschkaval) herzustellen, welcher
eine sehr beliebte Speise der Landleute bildet.
Im Innern Siebenbürgens halten auch
viele Ungarn und Szekler grosse Schaf heerden,
und es scheint hier das gemeine Landschaf
(Turkana) mehr und mehr durch das edlere
Tigajaschaf verdrängt zu werden.
Der Professor Dr. Szentkirälyi in Kolos-
Monostor, ein grosser Verehrer dieser letzt
genannten Rasse, lobt sowohl ihre Genüg
samkeit und Widerstandsfähigkeit gegen rauhe
Winterkälte, wie die Qualität ihrer Wolle;
dieselbe wäre ungleich werth voller als die des
gewöhnlichen Zackeischafes, auch gäben jene
Schafe eine fettreichere Milch, und endlich
würde ihre Mastfähigkeit von den Viehmästern
allgemein anerkannt.

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