Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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Bei ausschliesslicher Maisfütterung
nimmt aber Fleisch und Speck eine nicht
beliebte gelbliche Färbung an, trieft auch
leicht, so dass mit dem Speck von Schweinen,
welche vorherrschend mit Mais gefüttert
wurden, keine sehr schöne Cervelatwurst
fabricirt werden kann.
Die meisten Schweine finden sich in den
11 sächsischen Kreisen, in welchen auf 1000
Einwohner 276 und auf eine Quadratmeile
716 Stück entfallen. Die höchste Ziffer haben
die sächsischen Kreise Grossschenk und
Schässburg, doch soll gerade hier die Haltung
des Borstenviehes nicht immer eine zweck
mässige sein.
Die Geflügelzucht des Landes wird
an manchen Orten ebenso umfangreich wie
sorgfältig betrieben; in anderen Gegenden
hat sie hingegen noch keinen hohen Grad
der Entwicklung erreicht. Die klimatischen
Verhältnisse sind für die Aufzucht der meisten
Hausgeflügelarten ohne Frage ganz günstig,
und es wird derselben daher auch ebenso
wohl auf den Bauernhöfen, wie in den Wirth
schaften der Grossgrundbesitzer viel Beachtung
geschenkt.
Siebenbürgen ist im Besitz einer eigen
thümlichen Hühnerrasse, die unter dem Namen
„Nackthälse“ erst seit 1876 im westlichen
Europa bekannt geworden ist. Sie ge
hört zu den grössten Europas und zeichnet
sich durch einen vollkommen federfreien,
dunkelroth gefärbten Hals aus; beim Hahn
ist auch die Brust frei von Federn und
diese gleichfalls dunkelroth gefärbt.
Die Eierproduction der Nackthälse soll
eine sehr gute sein; sie brüten 3—4mal im
Jahre, und es entwickeln sich ihre Jungen sehr
rasch und kräftig. Gänse, Enten und Tauben
gibt es überall in grosser Menge, auch Perl
hühner, Bisamenten und Fasanen kommen
vor; vor allen anderen Geflügelarten spielt
jedoch das Truthuhn (Pulyka) eine grosse
Rolle, dessen Braten darf auf der Tafel der
Wohlhabenden niemals fehlen. Freytag.
Ungeborene Thiere. Früchte sterben
häufig aus irgend einer Ursache im Uterus ab.
Erzeugt die Todesursache zugleich stärkere
Uteruscontractionen, so wird, wofern kein
Hinderniss vorhanden ist, die Frucht einzig
durch die mütterlichen Kräfte ausgestossen,
sonst aber auf künstlichem Wege herausbe
fördert. Reife oder fast reife abgestorbene
Früchte bleiben bisweilen zurück und gehen
bei Zutritt von aussen eindringenden Fäul
nisserregern in Fäulniss oder in einen Mace-
rationszustand über.
Sterben unreife Früchte ab, findet kein
Luftzutritt zu denselben oder zu den Eihül
len statt und bleiben Wehen aus, so mumifi-
ciren sich die Früchte. Die Mumification der
Früchte stellt sich namentlich bei echten
Bauchschwangerschaften, bei Verwachsung
des Gebärmutterhalses oder bei Verdrehungen
des Uterus bei Kühen ein, wenn die Verdre
hung annähernd in die Mitte der Tragzeit fällt.
Die mumificirten Früchte können bis
weilen sehr lange im Mutterleibe verweilen,

ohne bei den Mutterthieren auffallende Ge
sundheitsstörungen zu verursachen (s. Stein
frucht). Strebei.
Ungehörntes Rind, s. Angus-ßind.
Ungeniessbar wird das Fleisch, sobald
sein Genuss Krankheiten nach sich zieht und
dadurch das Leben der Menschen und Thiere
gefährdet. Der Ausdruck „ungeniessbar“ ist
bezüglich des Fleisches mithin nur ein rela
tiver Begriff, denn absolut ungeniessbares
Fleisch gibt es nicht; alles Fleisch, es mag
beschaffen sein, wie es will, lässt sich noch
gemessen.
Im Sinne der Gesetzgebung ist das
Fleisch ungeniessbar von Thieren, die an
Krankheiten gelitten haben, welche auf
Menschen übergehen, wie an Tollwuth, Milz
brand, Pferderotz, Perlsucht, Tuberculose,
dann von Thieren, die hochgradig längere
Zeit fieberhaft erkrankt gewesen, abgemagert
und erst beim Eintritt des Todes geschlachtet
worden sind, so dass das Fleisch blass,
wässerig durchtränkt oder dunkelroth und
blutreich, von blutigen und sulzigen Ergies-
sungen durchsetzt erscheint und nur einen
sehr geringen Nährwerth hat, unansehnlich,
fettlos, missfarbig, teigig und schmierig er
scheint und einen üblen Geruch und Geschmack
besitzt. Ungeniessbar ist ferner das Fleisch
von gehetzten und umgestandenen oder ver
gifteten Thieren, ebenso solches, das von
Trichinen und stark von Finnen (Blasen
würmern) durchsetzt und bereits in Fäulniss
übergegangen ist, also grünlich, missfarbig
und schmierig erscheint und einen stinkenden
Geruch verbreitet, ebenso das Fleisch von
Thieren, die mit Nabelgeschwüren, Ver
eiterungen und Verjauchungen, mit Lähme,
jauchiger und brandiger Gebärmutterentzün
dung behaftet gewesen sind.
Das Fleisch abgehetzter Thiere hat eine
dunkelrothe oder schmutzigrothe Farbe, nach
dem Hängen in der Luft wird es buntfarbig
(roth, blau, gelb und grün), es lässt aus ge
machten Einschnitten Blut abtröpfeln, die
angeschnittenen Blutgefässe enthalten öfter
Blutgerinnsel, auch geht es schnell in Fäul
niss über. Verbreitet das Fleisch einen be
sonderen Geruch, wie dies nach Anwendung
von Aether, Salmiakgeist, Stinkasant, Ter
pentinöl, Kampher, Absynth etc. in den
Krankheiten der Thiere der Fall sein kann,
oder wie er bei Ebern mit in der Bauchhöhle
zurückgebliebenen Hoden öfter vorgefunden
wird (hier zuweilen erst beim Kochen oder
Braten des Fleisches), ebenso bei Thieren,
welche an Harnverhaltung, besonders aber an
Blasenzerreissung laborirt haben, so wird es
gleichfalls dadurch ungeniessbar.
Die Entscheidung, ob das Fleisch ge-
niessbar sei oder nicht, ist nicht immer leicht,
sie ist Sache des Thierarztes. Das für unge
niessbar erklärte Fleisch muss dem Genusse
dadurch entzogen werden, dass man es nach
gemachten Einschnitten mit Carbolsäure,
Petroleum oder Chlorkalklösung überschüttet,
verbrennt oder zu technischen Zwecken ver
wenden lässt. Um den Genuss des Fleisches

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