Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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statt der letzteren auch Glycerin verwendet
werden, wie dies besonders bei den franzö
sischen Thierärzten üblich ist (Goudron
glycerinfi). Der Theer der Ph. G. ist der aus
Fichtenholz gewonnene (Pix liquida picea),
der der Ph. A. der Buchenholztheer (Pix
liquida fagea). In Frankreich wird das
Ladeöl aus dem Holze von Juniperus oxy-
cedrus vorgezogen (Oleum Juniperi empyreu-
maticum, Oleum cadinum), in Russland und
Skandinavien der Birkenholztheer (Oleum
b etulinum, Oleum Rusci). In neuerer Zeit
wird vielfach das den Theer bei Behandlung
von Dermatosen ersetzende Naphthol ver
wendet (1 : 10 Fett oder Sapo viridis), doch,
dürfen grössere Flächen mit letzterem Mittel
nicht behandelt werden. Gerne wird, um das
Einreiben und Eindringen der genannten
Theerseife zu erleichtern, Spiritus zugesetzt,
bezw. statt der Kaliseife genommen oder
lässt man beide zusetzen und fügt, wie
namentlich bei der Milbenräude, Schwefel
blüthe bei, wie folgende Verbindungen
zeigen (s. auch Pix liquida): Rp. Picis liqui-
dae 10'0, Glycerin! 50'0. M. D. 8. Theer
glycerin. Rp. Picis sag. 150, Spiritus 150 0.
M. D. 8. Theerspiritus. Rp. Picis liquid.,
Sapon. virid. ana 50 0, Spiritus 25'0. M. D. 8.
Theerseifenliniment. Rp. Picis liquid., Flor.
Sulf. ana 50'0, Sapon. kalin. et Spiritus ana
100'0. M. D. 8. Längst bewährtes Wiener
Theerliniment. Vogel.
Unguentum Plumbi, Bleisalbe, Unguen
tum plumbicum, Unguentum Saturn!. Nach
der früheren Ph. G. bestand die Salbe aus
einer Mischung von 8. Theilen Bleiessig und
92 Theilen Schweinefett, das deutsche Arznei
buch (III.) gibt jetzt die Bereitungsvorschrift
zweckmässiger in der Art an, dass 2 Theile
Bleiessig erst im Wasserbade auf 1 Theil
eingeengt und dann mit 19 Theilen Paraffin
salbe gemischt werden, Bleiessigsalbe,
Unguentum Goulardi. Die Bleisalbe ist hoch
geschätzt als kühlendes Verbandmittel und
Adstringens bei Entzündungen der Haut,
Quetschungen, Decubitus, Excoriationen, bei
Verbrennungen (Brandsalbe), Anätzungen,
Sattel- und Geschirrdrücken, desgleichen bei
nässenden Hautausschlägen, eiterigen Ekze
men als Trockungsmitntel. Bei letzteren Zu
ständen kann sie auch durch Unguentum
Plumbi tannici ersetzt werden; beide sind
bei gereizter Haut zugleich leicht schmerzlin
dernd. Die Verbindung mit Wachs, das Blei-
cerat, Ceratum Saturn! (Bleiessig I, Wachs
3, Provenceröl 9), ist nicht mehr im Ge
brauch, das Präparat ranzt gerne und wird
dann übelriechend, ebenso ist obsolet die
durch Bleizucker bereitete Bleisalbe, das
Unguentum Plumbi acetici, Un
guentum saturninum oder plumbicum, Blei
zuckersalbe, Unguentum Lithargyri. Der
basisch essigsauren Bleiflüssigkeit wird gegen
über dem krystallisirten Bleiacetat aus dem
Grunde der Vorzug gegeben, weil sie einen
ungleich grösseren Bleigehalt, sowie nahezu
neutrale Reaction zeigt.

UnguentumPlumbi carbonici, Blei
weisssalbe, Unguentum Plumbi subcarbo-
nici, Unguentum alb um Simplex. Die
schneeweisse Salbe wurde früher einfach aus
einem Theil fein zerriebenem Blei weiss (Ce-
russa) und zwei Theilen Schweineschmalz zu
sammengesetzt, besteht aber jetzt als offici-
nelles Unguentum Cerussae aus drei
Theilen Bleiweiss und 7 Theilen Paraffinsalbe
(Ph. G. III). Sie hat ähnliche Wirkungen
wie die obgenannte Bleisalbe, ist hauptsäch
lich Trocknungsmittel, indess erheblich schwä
cher, thierärztlich wird ihr daher das aus
dem kräftigeren Bleiessig dargestellte Un
guentum Plumbi oder das Unguentum dia-
chylon vorgezogen. Wird der Bleiweisssalbe
5% Kampher beigegeben, so erhält man das
zugleich reizende, officinelle Unguentum
Cerussaecamphoratum (Unguentum album
camphoratum). Sie passt mehr für Geschwüre
und wird viel bei eiterigen Frostbeulen ver
wendet (Frostsalbe). In das Auge sind
insbesondere bei ulcerösen Vorgängen all die
genannten Bleisalben zu vermeiden, da sie
leicht undurchsichtige Stellen hinterlassen.
Unguentum Plumbi tannici, gerb
saure Bleisalbe, Tanninbleisalbe. Die
selbe war früher keine eigentliche Salbe,
sondern ein breiförmiger Niederschlag, be
reitet durch das Ausfällen einer concentrirten
Eichenrindenabkochung mit Bleiessig — Plum
bum tannicum pultiforme, Kataplasma ad de-
cubitum. Die leicht hartwerdende Breimasse
ist jetzt ausser Gebrauch gekommen und
wird, um das Eintrocknen zu verhüten, dem
Bleitannat Schweinefett beigemischt, d. h.
ein Theil Gerbsäure wird nach Verreibung
mit zwei Theilen Bleiessig durch 17 Theile
Adeps suillus vermischt (Ph. G. III.) und
stets frisch bereitet. Die etwas gelbliche
Salbe wird ähnlich der Bleisalbe oder dem
Unguentum diachylon vornehmlich auf Exco
riationen und nässende Hautausschläge, zum
Verband auf stark secernirende Wunden und
von Decubitus ergriffenen Stellen mit grossem
Vortheil als kühlendes Adstringens und
Exsiccans verwendet. Auf Jute- oder Watte
streifen aufgetragen, dient sie auch zum
Einführen in den Gehörgang, die Scheide
u. s. w. Vogel.
Unguentum Populi, Unguentum popu-
leum, Pappelsalbe, Pappelpomade. Ein
Oelauszug der in den Knospen der Schwarz
pappel (Populus nigra L.) enthaltenen ange
nehm aromatischen, balsamischen Bestand-
theile und Vermischung derselben mit Fett.
Sie stand früher als erweichendes, schmerz
linderndes Mittel in hohem Ansehen, ist aber
entbehrlich. Vogel.
Unguentum Praecipitati albi, flavi und
rubri. Quecksilberoxydsalben, Präcipitatsalben,
s. unter Unguentum ophthalmicum,
Unguentum refrigerandum, Kühlsalbe.
Cold-cream, s. Unguentum leniens.
Unguentum Resinae Pini, gemeine
Harzsalbe. Gelbe Digestivsalbe, früher nach
verschiedenen Angaben bereitet, stimmt aber

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