Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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Turin und Stockholm und 1798 wurden die
Katzen in Italien, Oesterreich, Deutschland,
Holland und Dänemark massenhaft hinweg
gerafft; in Kopenhagen allein fielen über
7000 Katzen. In demselben Jahre war die
Staupe unter den Katzen auch in England
und Amerika verbreitet. In London fielen in
14 Tagen in drei Kirchspielen 500 Katzen,
in New-York 4000, in Philadelphia 5000
Katzen. In den Jahren 1799 und 1800 war
die Staupe nach Chabert wieder stark in
Paris verbreitet.
Nach Pilger trat die Staupe 1802 an
verschiedenen Orten Deutschlands auf und
herrschte nach Veith in Deutschland und
England bis 1805. Im Jahre 1821 trat die
Staupe nach Wrangel sehr bösartig in Sibirien,
besonders an den Ufern der Lena, Jana, In-
digirka auf, wo Hundeposten in Gebrauch
sind und wo fast alle Hunde hinweggerafft
wurden. Im Jahre 1822 herrschte die Staupe
in New-Orleans und richtete 1824 in Calcutta
grosse Verheerungen an, 1826 trat die Staupe
in Wien bösartig auf, 1827 erschien sie in
Dresden. 1831—1833 herrschte sie in Nord
deutschland, 1835 in Pommern, Brandenburg
und Sachsen. Seit der Zeit hat sich die Staupe
in ganz Europa sozusagen eingebürgert und
tritt periodenweise zu allen Zeiten und in
allen Ländern auf, hat aber von ihrer frü
heren Bösartigkeit etwas eingebüsst.
Geographische Verbreitung. Ueber
die Urheimat der Staupe gehen die Meinungen
noch immer weit auseinander. Heusinger ver
legt dieselbe nach Amerika, Spinola nach
Asien; andere Autoren sind der Meinung, die
Staupe könne überall spontan entstehen. Aus
dem in der geschichtlichen Uebersicht Ge
sagten geht hervor, dass die Staupe gegen
wärtig über die ganze Erde verbreitet ist und
keinen Erdtheil verschont.
A e t i o 1 o g i e. Die Anschauungen der
Autoren über die Ursachen, das Wesen und
die Contagiosität oder Nichtcontagiosität der
Staupe gehen von vorneherein weit ausein
ander und sind noch immer nicht ganz end-
giltig entschieden. Barrier und Duhamel halten
die Staupe für ein Gallenfieber, Vix erklärt
sie für ein gastrisch-katarrhalisch nervöses
Fieber, Blak für ein gastrisches Leiden, Wirth
für ein Typhoid, Jaquot für Typhus. Nach
Gleisberg und Krause ist die Staupe ein
Bronchialkatarrh, nach Chabert eine Broncho
pneumonie, nach Pilger eine Entzündung der
Luftwege, nach Rohlwes ein Nasenkatarrh, nach
Hurtrel d’Arboval ein miasmatischer, bösartiger
Nasenkatarrh junger Hunde, nach Wsewolodow
ein bösartiger Schnupfen, nach Ravitsch eine
catarrhaiische Affection sämmtlicher Schleim
häute, nach Michael und Erdelyi eine Entzün
dung sämmtlicher Schleimhäute und der Hirn-
und Rückenmarkshäute, nach Falke und Körber
ein nervöser Katarrh, nach Röll ein mit ner
vösen Zufällen und einem Hautexanthem com-
plicirter Katarrh der Luftwege, nach Zündel,
Gemmeren undMecke eine katarrhalische Affec
tion der Luftwege, nach Hertwig ein katarrha
lisch-gastrisch nervöses Leiden, nach Hering

ein katarrhalisch nervöses Fieber, nach Spinola
ein fieberhaft nervös-entzündlich, katarrha
lisch-lymphatisches Leiden, nach Huzard eine
Nervenkrankheit, nach Roschnow eine zymo-
tische, nach Delabfere-Blaine eine constitu
tioneile Krankheit. — Jenner, Sacco, Flei-
schauer, Gohier, Numan, Hamon vergleichen
die Staupe mit Pocken und empfehlen als
Schutz gegen die Staupe die Vaccination
der jungen Hunde, gegen welche Ansicht
schon Delabere-Blaine, Lafosse und nachher
Chauveau, Horand und Peuch mit Recht auf
treten. Gegen die Contagiosität der Staupe
sprechen sich besonders Barrier, Hurtrel
d’Arboval, Ravitsch, Gleisberg, Benion, Youatt,
Zündel, Röll und Hertwig aus. Dieselben
lassen die Staupe aus ungünstigen Witterungs
und hygienischen Verhältnissen, durch Er
kältungen, Temperaturwechsel, Feuchtigkeit,
schlechte Fütterung etc. entstehen. Nach
Zippelius verdankt die Staupe ihre Entste
hung einem Mangel an Natronsalzen in der
Nahrung der Hunde. Die Mehrzahl der Thier
ärzte spricht sich für die Contagiosität der
Staupe aus. Bereits 1760 erklärte Contenir
die Staupe für eine contagiöse Krankheit und
verglich sie mit der Drüse der Pferde. Ebenso
halten Orraeus 1771 und Jenner zu Ende des
vorigen Jahrhunderts die Staupe für eine an
steckende Krankheit, wie auch Ulloa, Buniva,
Brera, Villalba, Fournier, Brasdor, Chabert,
Darvin, Tüfft, Frenzei u. A.
Im XIX. Jahrhundert treten für die Con
tagiosität der Staupe ein: Busch (1801),
Pilger (1803), W^ldinger (1818), Hofacker
(1823), Valentin, Gohier, Brown, Nnmann,
Laubender, Rohlwes, Merck, Mecke und
Gemmeren (1833), Schräder (1833), Delabere-
Blaine (1834), Spohr (1834), Veith (1840),
Carle (1844), Wirth (1846), Duttenhofer
(1848), Dietrichs, Kreuzer (1847), Weiss,
Hayne (1852), Blak, Niemann, Götz, Lukin,
Bernard, Hering, Horand, Ledebour, Günther,
Ramoser, Baumeister, Langenbacher, Busse,
Hamon, Leblanc, Wagenfeld, Mayer, Bruck
müller, Menard, Gayot, Bassi, Greste, Leutin,
Rückert, Vogel, Falke, Pillwax, Hasselbach,
Spinola, Konhäuser, Funke, Youatt, Semmer,
Anacker, Friedberger u. A.
Die positiven Infectionsversuche von
Renner, Carle, Trastour, Trasbot, Veith,
Venuta, Krajewski und Laurson, denen es
gelang, theils durch Zusammenstellen gesunder
Hunde mit kranken, theils durch Einstellen
in Krankenställe, theils durch directe Im
pfung die Staupe auf junge Hunde und
Katzen zu übertragen, haben allen Zweifel
über die Contagiosität der Staupe beseitigt.
Nach Hayne (1844) entsteht die Staupe
durch miasmatische Einflüsse und verbreitet
sich durch ein aus denselben hervorgehendes
Contagium, und derselben Ansicht ist E. Sem
mer. Das Staupecontagium ist entschieden
flüchtig und haftet an verschiedenen Zwi
schenträgern; es ist aber auch im Blute und
den Secreten und Excreten, besonders im
Augen- und Nasenschleim der kranken Hunde
enthalten und mit diesem verimpfbar. Das

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