Titel:
Untersuchungen über die Erkenntniß, Ursachen, Behandlung der Entzündung und ihrer Uebergänge bey den nutzbaren Haussäugethieren
Personen:
Hayne, Anton Wikipedia
PURL:
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ziehung ist, liegt offenbar in den Grundstoffen, die das bewegende Ge
bilde zusammensetzen. Ein gehöriges Verhältniß zwischen dem Zünd-
und Brennstoff als Grundbestandtheile der Muskelsieber wird eine gleich
weite Bewegung begründen, sobald aber die Menge des einen oder des
andern vorwaltet, wird auch die Bewegung ungleich werden. Forscht
man den Umständen nach, unter denen kranke Bewegungen erfolgen,
so wird man finden, daß sie durch die Nahrungsmittel, Lebensbedin
gungen, Verwendung, Abstammung u. s. f. begründet werden. Durch
diese Einflüsse wird die Muskelsieber bald ärmer bald reicher an Brenn
oder Zündstoff. Ein Uebermaß des erstem wird allezeit eine Bildung
hervorbringen, wodurch die Bewegung in der Zusammenziehung über
wiegend wird, dagegen Uebermaß an Zündstoff gerade das Entgegenge
setzte zu erzeugen pflegt. Nicht selten werden wir auch wahrnehmen,
daß die Bewegungen sowohl in denen der Willkühr untergeordneten! Ge
bilden, so wie auch in jenen, deren Bewegungen unwillkührlich erfolgen,
viel langsamer als im gesunden Zustande Statt finden. Die Umstände
aber, warum willkührlich beweglichereGebilde sich langsamer oder gar nicht
bewegen, sind entweder Schmerz, fehlerhafte Bildung oder Empfin
dungslosigkeit. Die Ursache aber, warum die Kreislaufs- und Athmungs-
wcrkzeuge sich langsamer bewegen, dürften auch zuweilen in den oben
angeführten kranken Verhältnissen liegen. Doch wird man in den aller
meisten Fällen sehen, daß sich dabey die Thiere in einem Zustande be
finden, bey welchem es die bildende Thätigkeit nickt nothwendig findet,
einer so geschwinden Bewegung zu bedürfen, wie im gesunden Zustande,
indem des geringeren Ablebens wegen, kein so häufiger Wiederersatz noth
wendig ist. Die Thiere, die sich im Schlafe, im Winterschlafe, befinden,
so wie die betäubten kollerischen Pferde scheinen, die letztern versteht sich
außer ihren tobenden Anfällen, kaum zu athmen, ihre Pulse sind un
merklich, und viel langsamer als im gesunden Zustande. Wir sehen
aus diesem und dem bereits oben Angeführten, daß sich die Bewegung
ganz nach dem Bedürfnisse der Ernährung richtet, und demnach bald
durch ihre Beschleunigung das Blut rascher im Kreise zur Vertheilung
herumtreibt, ein andermahl aber selbst dessen normale Strömung
mäßigt.
§. 21. Nachdem wir nun gesehen haben, wo der Sitz der Bewe
gung in den organischen Erundgebilden ist, nachdem auch gezeigt wurde,
welches die Umstände sind, wodurch die Bewegung krank und warum
sie bald beschleunigt, bald verzögert wird, gehen wir zur Untersuchung
der Empfindung, als der dritten Lebensseite über. Durch die Empfin
dung werden sowohl alle an- so wie unangenehmen Eindrücke, die
von außen oder von innen auf den Organism erfolgen, oder auf die
Thiere einwirken, mehr oder weniger lebhaft wahrgenommen, wodurch
in dem einen Falle Lust und Wohlseyn, in dem andern Falle aber Un
lust oder Schmerz hervorgebracht wird, und wodurch die Thiere be-

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