Titel:
Untersuchungen über die Erkenntniß, Ursachen, Behandlung der Entzündung und ihrer Uebergänge bey den nutzbaren Haussäugethieren
Personen:
Hayne, Anton Wikipedia
PURL:
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§. 81. Die Arzneystoffe aber bestehen nicht wie die Nahrungsmit
tel aus einem gleichförmigen Gemenge obiger Grundstoffe, sondern es
ist immer der eine oder der andere davon in einer größeren Menge zu
gegen, auch ist die Bindung untereinander nicht so innig, folglich wird
schon Manches im Organismus aufgenommen und vertheilt, bevor
als es noch in den Magen gekommen ist: dasjenige aber, was wirk
lich in den Magen gelangt, bedarf jener kräftigen Verdauungsthälig-
feit nicht, sondern es ist früher geeignet, in das Innere des Organis
mus aufgenommen zu werden, weil der mangelnde Stoff durch das
Heilmittel nicht nur in einer bedeutenden Menge, sondern auch leicht
trennbar und somit bald verwendbar zugeführt wird.
Die Gifte dagegen werddn größtentheils ihre Hauptwirkung dort
äußern, wo sie zunächst, in die Berührung kommen, und wo sie sich
am längsten verweilen. Am auffallendsten sehen wir diese Erscheinung
bey den sogenannten ätzenden Giften, in welchen ein oder der andere
Bestandtheil sich auf einmahl mit Ungestüm dem organischen Gebilde
ausbringt, oder etwas aus dessen Verbindung gewaltsam reißt, wo
durch dieses nicht mehr bestehen kann» indem das Aufgedrungene, so
wie das Losgerissene das Verhältniß der Bestandtheile so gestört hat,
daß dadurch das Leben in jenem erlöschen muß. Es gibt noch soge
nannte betäubende Gifte, die ungeachtet in dem Magen die nächste Be
rührung Statt findet, denn doch die Wirkungen an mehr entfernten
Gebilden beobachtet werden; allein hier gelangt der wirksame Stoff auf
andern nähern Wegen zu den Gebilden, die er in ihren Verrichtungen
stört: deßwegen dürfen wir sie aber auch nicht dieses Umstandes wegen
als rein dynamisch wirkende Gifte nennen, denn dort, wo betäubende
Gifte den Tod hervorbringen, dort wird auch häufig der Magen als der
mit dem Gifte in der innigsten Berührung gestandene Theil, durch
Entzündung und Brand seinen Einfluß verrathen.
§. 82. Wir sehen nun, daß die Wirkungen sowohl der Nahrungs
mittel, so wie der Arzneyen und Gifte durch ihre Grundstoffe hervorge
bracht werden, und daß die Wirkungen im Bezug auf Zeit und Ort,
so wie auch Stärke, die Unterschiede begründen, die wir nach ihrer An
wendung wahrnehmen. Am allerlängsten braucht das Nahrungsmittel,
um seine Wirkungen zu äußern, es macht dab'ey den längsten Weg im
Organismus, und der Erfolg ist in derselben Zeit und von derselben
Menge der geringste. DasArzneymittel wirkt geschwinder, gelangt auf
viel kürzeren Wegen an den Ort seiner Bestimmung, und bat auch,
wenn wir dabey den kranken Organismus berücksichtigen, wo Alles trä
ger vor sich geht, im Vergleiche zu den Nahrungsmitteln einen geschwin
deren Erfolg. Die Wirkung des Giftes erfolgt am schnellsten, dieses macht
den kürzesten Weg, dort wo es hinfällt, dort äußert es auch seine
Kraft viel stärker, als das Nahrungs- und Heilmittel.
Es darf wohl kaum erinnert werden, daß man keine bestimmte
Gränze angeben kann, in welchem Körper und von welchem Stoffe jenes

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