Titel:
Die Physiologie als Erfahrungswissenschaft ; Erster Band
Personen:
Burdach, Karl Friedrich Wikipedia
PURL:
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erlischt nicht ans brr Erde ; sie wandert im Reiche rer Pflanzen und
Thiere, indem sie bald diesen, bald jenen Organismus ergreift, und
während sie in dieser Hemisphäre mehr zurücktritt, gleichsam nur
einige Repräsentanten zurücklassend, in der entgegengesetzten mit
voller Kraft herrscht. Der Mensch aber zeigt sich hier als ein Mi
krokosmus, der, was dort vereinzelt ist, in sich vereint, das Mate
rielle zu seinem ideellen Ursprünge zurückführt, und das Vergängliche
in ein Beharrliches verwandelt, da die Liebe in seiner Brust zu kei
ner Jahreszeit erstirbt, sondern stetig wirkt und schafft, g) Die Be
gattungszeit steht in Verbindung mit der Dauer der Brütung in
einem Verhältnisse zu den Bedürfnissen des künftigen Individuums,
wie wir späterhin nachweisen werden; die Bedürfnisse des Zeugenden
und des Erzeugten sind also harmonisch verknüpft; die Wirklichkeit
des Individuums steht in Uebereinstimmung mit der Tendenz der
Gattung, kr) Die Gefangenschaft wirkt nach der Natur des Thieres
verschieden. Die, bei welchen die Sensibilität rege, und die Plasti
cität ursprünglich überwiegend ist, oder unter befördernden Umständen
überwiegend wird, werden dadurch fruchtbarer. So sind bei den
Hausthieren, bei den gezähmten Kaninchen und Meerschweinchen rc.
die Zeitpuncte der Brunst weniger bestimmt, da die reichlichere Füt
terung, die größere Wärme und das nähere Beisammenseyn das na
türliche Verhältniß ändert und den Geschlechtstrieb mehr hervorruft.
So ist der Alexishirsch in Deutschland, wo er nur in der Gefangen
schaft vorkommt, zu allen Jahreszeiten zur Zeugung geschickt; so
bemerkt man oft, daß im Stalle gefütterte oder mit dem Stiere
immer in Gemeinschaft weidende Kühe sich zu jeder Jahreszeit be
gatten. Thiere, deren Element die Freiheit ist und welche der
Zähmung durch höhere Individualität widerstehen, werden unfrucht
bar; gefangene Raubvögel begatten sich fast nie, und Raubsauge-
thiere auch in dem besten Thiergarten nur selten. Nur das dem
Menschen befreundet gewordene und an das Leben bei ihm gewöhnte
Thier, z. B. der Elephant, sucht seine Gattung in der Gefangen
schaft zu erhalten, i) Das weibliche Schwein wird einige Tage
früher brünstig, als das männliche. Bei den meisten übrigen Thie
ren findet das entgegengesetzte Verhältniß Statt, so daß dies der
androgynischen Dichogamie der Pflanzen zu vergleichen ist. Das

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