Titel:
Die Physiologie als Erfahrungswissenschaft ; Erster Band
Personen:
Burdach, Karl Friedrich Wikipedia
PURL:
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eindringt. — Das Zeugungsglied dient sowohl zur Reizung des
Weibchens, als auch zur Leitung des Samens; die letztere Bezie
hung hat es selbst da, wo es keinen Samenleiter enthalt (§. 132),
indem es die weiblichen Theile öffnet und zur Aufnahme des Sa
mens vorbereitet. — Die erste Begattung bietet vermöge der Klappe
am Ende des Vorhofes und vermöge der Enge des Fruchtganges
Schwierigkeiten dar, deren schmerzhafte Ueberwindung die Brunst des
Männchens steigert und die Aufregung des Weibchens erhöht. Der
Hymen zerreißt unter Abgang von Blut bei Eseln und Pferden
(Greve in Nr. 185. VI. S. 53), und verliert sich bei allen Thie
ren, wo er entwickelt ist, durch öfteres Begatten und Gebären (Nr.
111. IV. S. 523). Bei dem Menschen ist er stärker entwickelt,
und sein Daseyn gilt im Ganzen als Zeichen der Jungfräulichkeit,
wiewohl er bisweilen ursprünglich schwach entwickelt seyn, oder durch
andere mechanische Einwirkungen ohne Begattung zerreißen, in an
dern Fallen hingegen durch eine besondere Schlaffheit und Nach
giebigkeit selbst nach dem Gebären sich erhalten kann. Seine Ueber-
reste erscheinen als Kämme oder Läppchen (carunculae myrtiformes),
deren man meist vier zahlt.
§.282. Die Ausstreuung des befruchtenden Stoffes erfolgt a)bci
den Pflanzen zuvörderst dadurch, daß das contractile Gewebe der Anthe-
ren beim Trocknen in der Wärme zusammenschrumpft, berstet und den
Pollen austreibt. Da aber der befruchtende Stoff nicht immer nach
seinem Austritte aus dem Staubbeutel sogleich mit der Narbe in
Berührung kommt, sondern zuvor meist eine unbestimmte Zeit an
der Luft bleibt, so ist er in Bälgen eingeschlossen, welche eben den
Pollen darstellen, und gewissermaßen dem Zeugungsgliede zu verglei
chen sind, welches den Samen leitet. Der Pollen nämlich bleibt
auf der Narbe hängen, wird daselbst glänzend und durchsichtig, wahr
scheinlich, indem er Feuchtigkeit derselben einsaugt; nach und nach
wird er kleiner, undurchsichtig, runzlig, und bleibt als leerer Balg
zurück; die Flüssigkeit ist entweder ausgeschwitzt, oder durch eine
Berstung des Pollens hervorgetreten. Beides kann man unter dem
Mikroscope beobachten. Märklin sah vom Pollen an der Lust
im Sonnenscheine den Saft strahlenförmig ausströmen (Nr. 36. S.
49); eben so strömt diese Feuchtigkeit in Strahlen aus den Haa-

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