Titel:
Handbuch der speziellen Pathologie und Therapie für Thierärzte und Landwirte
Personen:
Dieterichs, Joachim Friedrich Christian Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN685363546/640/
— 622 —
Drittes Kapitel.
Von der Hundswuth (Rabies canina).
Wuth, Tollwuth der Hunde, fälschlich Wasserscheu
[Hy drophobia] genannt.)
§. 62. Es ist dieß eine bei dem Hundegeschlechte sich
selbst entwickelnde-Krankheit, welche in Störung des Bewußt
seins und des Instinkts, mit Neigung zum Beißen besteht,
in Krämpfen, Wuth und Lähmung übergeht und dann bald (in
5 bis 8 Tagen) mit dem Tode endet. Sie wird durch den
Biß für Menschen und Hausthiere ansteckend und gefährlich und
selbst die von wüthenden Thieren er- und secernirten Stoffe
können andern Thieren gefährlich werden.
§. 63. Die Hundswuth kann zu jeder Jahreszeit vor
kommen, erscheint indessen am häufigsten zu den Brunstzeiten
der Hunde im beginnenden Früjahre und im Spätsommer; in
dessen kann ein toller herumlaufender Hund viele Wuthkranke
zu einer andern Jahreszeit hervorbringen; denn jeder Hund,
welchen Geschlechtes er auch sei, selbst kastrirte Hunde, können
durch den Biß von wüthigen Hunden angesteckt werden.
Die gewöhnlichen Kennzeichen, welche man annimmt, daß
sie die Hundswuth bezeichnen, sind nicht sicher; denn man glaubt,
ein toller Hund scheue das Wasser; dem ist nicht so, er geht
vielmehr durch und leckt Wasser; das geradeaus Laufen der
Hunde ist eben so wenig, als das Klemmen des Schwanzes
zwischen den Beinen; eben so wenig, als das Schäumen des
Maules, ein sicheres Kennzeichen dieser gefährlichen Krankheit;
denn tolle Hunde nehmen auch krumme Wege, ja sie fürchten
sich sogar und weichen aus, gejagte Hunde und herrenlose klem
men den Schwanz ebenfalls, und staupige Hunde schäumen viel
mehr, als tolle Hunde aus dem Maule.
§. 64. Auffallender sind folgende Kennzeichen der soge
nannten rasenden Wuth (indem man noch eine stille Wuth
unterscheidet).
Hunde ändern ihr gewöhnliches Benehmen, lustige Hunde
pflegen stiller zu werden, oder sie werden zornig, etwas heim
tückisch und beißen sogar, oder fahren auf Jemand zu, ohne zu
vor zu bellen und schnappen nach ihm, was sie sonst ftüher nie
thaten. Andere werden sehr träge und traurig und schlafen fast
den ganzen Tag, sind dabei sehr mürrisch. Andere haben sehr

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