Titel:
Handbuch für angehende Pferdeärzte
Personen:
Ammon, Karl Wilhelm WikipediaSind, Johann B. Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN717286223/389/
378 Zweite Abtheilung. Vierter Abschnitt.

merkliche Narben zurücklassen, die sich bald ganz verwischen, indessen in der
Nabe neue chankröse Blattern wieder aufschießen. Dabei findet man die
Nasenhaut blaß und entfärbt, bald wieder widernatürlich gerathet, hier und
da mit weißen Flecken und Streifen versehen, auch zu Zeiten wie mit Nadel-
punkten schwarz tatuirt. Nicht allemal erscheinen diese chankrösen Geschwüre
sogleich auf der Flache der Nascnschleimhaut, die man beim Hineinsehen in
das Nasenloch übersehen kann; oft haben sie ihren Sitz weiter oben und
man wird von ihrem Dasein weiter nichts gewahr, als daß von Zeit zu Zeit
solche Schuppen, Blasen oder Pusteln, wie sic die chankrösen Geschwüre be-
decken, mit der aus dem Nasenloche fließenden Jauche ausgespült werden,
worauf man sehr zu achten hat, um sich von ihrem Dasein in Kenntniß zu
setzen; denn nur diese drei vereinigt eingetretenen Zeichen, als
nämlich: der jauche »artige Ausfluß aus einem oder beiden Nasen-
löchern; die Anschwellung der lvmphatischcn Drüsen kno-
ten im Kehlgange und die chankrösen Geschwüre auf der
Nasenschleimhaut, geben das eigentliche charakteristische Zeichen des
wirklichen Rotzes ab und müssen bei gerichtlichen Aussprüchen jedesmal alle
drei zugegen sein, wenn das Pferd als völlig rotzig zu erkennen sein soll.
Indeß kann allerdings das Thier schon an einem hohen Grade dieser Krank-
heit leiden, ohne daß gerade alle drei dieser angegebenen charakteristischen
Zeichen vorhanden sind; denn zu manchen Zeiten laßt der Ausfluß nach, vor-
züglich wenn das Pferd wenig bewegt wird und stellt sich zu andern Zeiten
wieder vermehrt ein, und dieß zwar mit aus folgender Ursache:

Hat sich nämlich die Jauche in einer der vielen Höhlen der Nase gesackt,
sich in die dütcnförmigen Beine versenkt !c., so wird man nicht eher wieder
etwas von dem Ausflusse gewahr, als bis diese Zelle mit der sich dahin ver-
senkten Materie bis zum Ucbcrlaufcn angefüllt ist, wo alsdann der Ausfluß
wieder eintritt und nur noch vermehrter wird, da er durch die neu angegan-
genen Parthiccn gleichsam noch mehr Nahrung erhalten hat.

Eben so findet man, daß zu Zeiten der Druscnknoten im Kehlgange bei-
nahe ganz verschwunden ist, und nur erst nach einiger Zeit wieder eintritt,
so daß ich viele ganz rotzige Pferde fand, bei welchen zu der Zeit, als ich sie
untersuchte, keine anderen Zeichen des Rotzes, als nur die chankrösen Ge-
schwüre auf der Nasenschleimhaut zugegen waren, #) und so können auch
wieder diese fehlen, oder nur, unserem Äuge verborgen, in den oberen Thei-
len der Nase zugegen sein, indeß der Ausfluß und die Anschwellung der
Drüscnknoten Statt finden.

Große Fortschritte des Rotzes zeigen folgende Erscheinungen an, als:

u) Blutstrcifcn, die mit der Jauche aus der Nase fließen und als ein Be-
weis dienen, daß die Materie größere oder kleinere Blutgefäße zerfressen hat.

I,) Anschwellung und ödemaröse Auftreibungen der Nasenknochcn, da

*) Dieser Fall tritt wirklich nicht allzu selten ein, daß nämlich bei wirklich rotzi-
gen Pferden der Ausfluß eben sowohl auf einige Zeit ganz aussetzt, als wie die
Drusenknoten im Kehlgange, ganz in der Mitte gelagert, beweglich und nur
sehr unbedeutend, hier und da nur wie eine Erbse groß, angeschwollen sind,
die Nasenschleimhaut aber voller chankröser Geschwüre ist, ein Umstand, der bei
allen Untersuchungen der Pferde sehr beachtet werden muß, wo man niemals
vergessen darf, außer nach den Drusenknoten zu fühlen und nach dem Ausfluß
zu sehen, auch noch die Nasenschleimhaut zu betrachten.

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