Titel:
Physik und medizinische Physik für Veterinärmediziner
Personen:
Giese, Werner Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN611177188/51/
4 Verformbarkeit von festen Körpern

4.1 Elastizität, Plastizität und Viskoelastizität

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Feste Körper zeigen trotz des festen Aggre-
gatzustands (Metalle, Diamant, Salz, Eis, fe-
stes CO2, Knochen) eine gewisse Verform-
barkeit. Bei reinen Stoffen liegt oft ein Atom-
gitter (Metalle), Ionengitter (Salze) oder
Molekülgitter (Eis, festes CO2) vor.

Der Knochen besteht aus anorganischen und
organischen Bestandteilen und hat daher auch
eine Mischung unterschiedlicher Gitterformen
(Apatitgitter aus Kalzium und Phosphor und
ein Kollagengerüst aus Aminosäuren).

Unter dem Einfluß angreifender Kräfte zeigen
feste Körper Eigenschaften der Elastizität,
Plastizität oder/und Mischformen aus beiden
(Viskoelastizität).

4.1.1 Elastizität

Elastizität ist die Eigenschaft, einer von außen
wirkenden, schwach deformierenden Kraft
innere Kräfte (Gitterkräfte, Molekularkräfte)
entgegenzusetzen, die den ursprünglichen Zu-
stand wieder herstellen, sobald die Einwir-
kung der äußeren Kraft aufhört.

Beispiel:

Metalle, dünne Eisdecke, Gummi, elastisches
Nackenband, Aortenwand, Augenlinse, Huf-
knorpel.

4.1.2 Plastizität

Plastizität ist die Eigenschaft, unter dem Ein-
fluß einer äußeren Kraft stattgefundene Ver-

formungen nicht rückgängig machen zu kön-
nen, wenn die Krafteinwirkung aufhört.

Oder: Die unter dem Einfluß einer äußeren
Kraft vonstatten gegangene Änderung der La-
ge der Massenpunkte bleibt in plastischen
Körpern nach Wegfall der Kraft weiterhin
bestehen.

Beispiele:

Teig, Wachs, Teer, Plastillin zum Einbetten
von Gewebsproben.

Zustände der reinen Elastizität oder reinen
Plastizität sind als Grenzfalle selten. Meistens
kommen sie als Mischzustände vor.

4.1.3 Viskoelastizität

Wenn die elastische Verformung nicht un-
mittelbar mit der einwirkenden Kraft voll ein-
tritt und bei Wegnahme der Kraft nicht un-
mittelbar danach zurückgeht, spricht man von
Viskoelastizität. Anschaulich wird dieses
Verhalten in Abb. 4-1.

Abb. 4-1: Zeitabhängigkeit der Längenänderung
viskoelastischer Körper nach Kraftän-
derungen

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