Titel:
Die Königliche Thierarzneischule zu Hannover in den ersten Hundert Jahren ihres Bestehens
Personen:
Günther, Karl Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN612822060/113/
suchen konnten. War nach dem bei der Anmeldung der Kranken
erstattenen Bericht anzunehmen, dass Aussergewöhnliches nicht vorlag,
so wurde ein älterer Eleve hingesandt. Der verschiedene Grad der
Zuverlässigkeit der Praktikanten bedingte die Wahl für den besonderen
Fall. Blieb nach dessen Berichte Zweifel über den vorliegenden
Patienten, so trat eine Nachuntersuchung seitens des Lehrers ein.
Schien die Krankheit bedenklich, so wurde gleich der erste Besuch
vom Lehrer mitgemacht. Die ausgesandten Praktikanten mussten
über ihre Erhebungen und ihr Untersuchungsresultat genauen Bericht
abstatten, ihre Diagnose und ihren Heilplan begründen, sie wurden
dabei zurechtgewiesen, auf Mängel bei der Untersuchung aufmerksam
gemacht, aber bei ungenügender Untersuchung sofort zur Wieder
holung derselben veranlasst.
Dieser Weg der Ausbildung hatte ja gewiss seine grossen
Schattenseiten, er hatte aber auch Vortheile, welche nicht zu unter
schätzen waren: die Eleven erlangten trotz kurzer Studienzeit und
trotzdem keine Hospitalklinik vorhanden war, ein gewisses Maass
praktischer Tüchtigkeit und Selbstständigkeit. Dadurck dass sie
auf sich selber angewiesen waren, lernten sie durch eigene Auf
merksamkeit die Krankheitsbilder, welche ihnen in den Vorträgen
gegeben waren, am Thiere zusammensuchen, die Controle der Lehrer
zwang sie zu sorgfältigem Nachdenken über jeden einzelnen Kranken;
wenn sie rapportirten, mussten sie den Fall gerade so gut nach allen
Richtungen hin analysirt haben, wie das in der Spitalklinik verlangt
werden muss. Sie waren nie sicher, ob nicht der Lehrer ohne ihr
Wissen ihre Patienten besucht hatte.
Für diejenigen, welche die Erfolge dieses mühsamen Weges der
praktischen Ausbildung, welcher die Studirenden zwang, ihre Patienten
täglich, selbst auf 1 bis 2 Stunden Entfernung von der Schule auf
zusuchen, nicht an sich selber kennen lernten, muss es mehr wie
zweifelhaft scheinen, dass auf solche Weise überhaupt eine irgend
brauchbare oder nutzbringende Unterrichtung möglich war, und doch
beweisen die gewonnenen Resultate, dass trotz fehlenden Spitals in
Hannover mindestens ebenso brauchbare praktische Thierärzte ge
bildet wurden, als an allen anderen Schulen.
Ich habe in Hannover während meiner Studienzeit keine andere
klinische Ausbildung genossen und hatte Gelegenheit, sofort nach
beendigtem hiesigen Studium in Berlin und an anderen Schulen die
Resultate der Unterrichtung im Spital mit den unsrigen zu vergleichen,
musste mich aber überzeugen, dass unsere Eleven eine Concurrenz
sehr wohl bestehen konnten.

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