Titel:
Die Thierärztliche Hochschule zu Berlin 1790 - 1890
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gen in der Entwickelung bei Thieren und ihre Entstehung zu studiren.
Ich habe aus Pietät für Gurlt die von ihm gewählte Nomenklatur für
die Missgeburten beibehalten und letztere ganz im Sinne seines Systems
aufgestellt. Auch habe ich mich nicht ohne Erfolg bemüht, die Ueber-
gangsformen zwischen den verschiedenen Arten der Missbildungen zu
sammeln, also die Sammlung zu vervollständigen.
Eine geringere Bedeutung im Vergleich zu den Missgeburten hat
der übrige Theil der Sammlung. Es ist dies ein Beweis, dass Gurlt
als Anatom und Physiolog eine Specialneigung für Missgeburten hatte
und die Bedürfnisse des Klinikers weniger beachtete. Diese Neigung
theilte er mit den Anatomen, welche zu seiner Zeit an den Univer
sitäten lehrten. Daher kam es auch, dass sich zwischen der patho
logischen Anatomie und der klinischen Medicin eine tiefe Kluft
gebildet hatte, dass namentlich die praktischen Aerzte und Thierärzte
wenig Interesse an der pathologischen Anatomie fanden.
Man versteht es, dass Gurlt die Obduktionen der verstorbenen
Thiere den Studirenden überliess und dass die Kadaver an einem
dicht neben dem Anatomie-Gebäude gelegenen Platze, an dem man
gegen Wind und Wetter nicht geschützt war, secirt wurden. Hierdurch
entstanden selbstredend manche Uebelstände. Man beeilte sich, mit
dem Geschäfte möglichst schnell fertig zu werden und überliess den
grössten Theil desselben dem Anatomiediener. Gurlt sah es nicht gern,
wenn man ein Thier in den Räumen seines Instituts secirte. War die
Obduktion nach der Ansicht der Studirenden beendigt, so nahm Gurlt
von dem Ergebnisse derselben Kenntniss. Er hielt sich nur kurze
Zeit bei dem secirten Kadaver auf und machte über die ermittelten
Veränderungen in der Regel nur kurze Bemerkungen, die für die Aus
bildung der Studirenden ohne Bedeutung waren. Ich erinnere mich,
dass er auf die Beschaffenheit des Blutes ein besonderes Gewicht
legte und aus derselben auf gewisse Todesarten schloss. Er hielt
also keine pathologisch-anatomischen Demonstrationen und keine
Sektionsübungen ab, sondern überliess dies den Klinikern. Die Folge
davon war, dass sich die Thierärzte nur eine geringe Menge patho
logisch-anatomischer Kenntnisse erwarben, die für ihre praktische
Thätigkeit nicht ausreichte, und dass sie die Methode einer geord
neten pathologisch-anatomischen Untersuchung überhaupt nicht kennen
lernten. Dies waren grosse Fehler in der Ausbildung der Thierärzte,
die auch bis zum Abgänge von Gurlt sich erhielten, obwohl auf den

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