Titel:
Grundriss der Geschichte der Thierheilkunde
Personen:
Eichbaum, Friedrich Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN618743537/11/
I. Periode.

Die Thierheilkunde im Alterthum.
(o—476 nach Chr.)
Oie Anfänge der Thierheilkunde lassen sich bis in das graue Alter
thum verfolgen. So lange sich der Mensch im Besitz von Thieren be
findet, die er zu seinen Zwecken ausnützt, so lange besteht zweifellos
das Bestreben, die in ihrer Gesundheit beschädigten Thiere wiederher
zustellen. Dies Bestreben ist -so alt, wie der Trieb der Selbsterhaltung,
da in der ältesten Zeit die Existenz des Menschen zu innig mit der
des Thieres verknüpft war. Thier- und Menschenmedicin sind offenbar
gleich, altrige» Ursprunges; beide haben dieselbe Wiege gehabt und die
ältesten Aufzeichnungen, die wir über Heilkunde besitzen, betreffen
Menschen und Thiere gemeinschaftlich. Während indess schon im Laufe
des Alterthums der Menschenheilkunde eine grössere Pflege von Seiten
der hervorragendsten Aerzte und Philosophen jener Zeitperiode gewidmet
wurde, blieb die Thierheilkunde in ihrer Entwickelung zurück. In der
weitaus grösseren Hälfte des Alterthums vorzugsweise von abergläubischen
Hirten ausgeübt, konnte von einem wissenschaftlichen Ausbau derselben
keine Rede sein, und nur der Umstand, dass das Studium der Anatomie
fast ausschliesslich an Thieren getrieben werden musste, war die Ursache,
dass wenigstens eine Disciplin, die Zootomie, in entsprechender Weise
sich entwickelte. —
Die ersten Spuren thierärztlicher Kenntnisse finden wir daher bei
den Ackerbau oder Viehzucht treibenden*Völkern des Alterthums. Wie
der Mensch in den Besitz derselben gekommen ist, darüber lassen sich
freilich nur Vermuthungen aufstellen. Ob er die ersten Heilmittel ver
möge seiner geistigen Kräfte auffand, oder ob er durch die an seinem
eigenen Körper gemachten Erfahrungen, oder durch die Beobachtung
von kranken Thieren, die instinktiv gewisse Pflanzen aufsuchten oder
sich der Nahrung enthielten, darauf geführt wurde, dürfte schwer fest
zustellen sein. Letzteres erscheint jedoch am wahrscheinlichsten. Virgil
(Georg. III, 550) erzählt, dass der Argiver Melampus zuerst bemerkt
habe, dass Ziegen, die vom Schwindel befallen waren, durch den Genuss
von Helleborus purgirt und wiederhergestellt wurden. Melampus soll
dieses Mittel später bei Menschen, insbesondere bei den wahnsinnigen
Töchtern des Königs Pro tu s gebraucht und dieselben geheilt haben.
— Die sich an viele Heilquellen knüpfende Sage, dass sie durch Thiere

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