Titel:
Grundriss der Geschichte der Thierheilkunde
Personen:
Eichbaum, Friedrich Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN618743537/12/
aufgefunden seien, ist ferner bekannt. Jedenfalls war die Behandlung,
welche man im Alterthum kranken Thieren zu Theil werden liess, eine
durch Zufall erworbene Empirie, die durch Tradition von Geschlecht
auf Geschlecht vererbt wurde, um später nach Erfindung der Schrift
niedergeschrieben zu werden.
Ursprünglich scheint die 'Ausübung der Menschen- und Thier
heilkunde in einer Hand gelegen zu haben. Der Centaure Chiron (ca. 1350
bis 1270 a. Chr.), der Lehrer des Aesculap, der den Gebrauch des Pferdes
zuerst eingeführt, und schon eine bedeutende Kenntniss in der Behandlung
von Krankheiten, namentlich von Wunden besessen haben soll, hat sich
auch mit Thierkrankheiten beschäftigt. Vegetius führt ein paar Heilmittel
von ihm an, die zwar äusserst abergläubischer Natur sind, und von
denen das eine (Veget. Lib. I, 17) gegen alle Thierkrankheiten helfen
soll, und der Hauptsache nach aus einem jungen Hunde besteht, der
lebend in heisses Wasser geworfen und gekocht wird, das andere (IV, 8),
welches den Husten beseitigen soll und ähnlicher Natur ist. Auch
Democritus von Abdera, Hippocrates, Aristoteles haben sich
noch mit Thierheilkunde beschäftigt. In späterer Zeit, als die Aerzte sich
ausschliesslich der Ausbildung der Menschenheilkunde widmeten, mögen
wohl Hirten die Hauptvertreter unseres Faches gewesen sein, welches
dann in die Hände der Landwirthe überging. Erst um die Zeit von
Christi Geburt finden wir Leute, die sich ex professo mit der Behand
lung von Thierkrankheiten beschäftigten und die weitere Ausbildung
des Faches in die Hand nahmen.
Es darf daher auch nicht auffallen, wenn wir die Quellen der Ge
schichte der Thierheilkunde im Alterthum in den verschiedensten Schriften
suchen müssen. Neben vereinzelten Aufzeichnungen bei Historikern
und Dichtern — von letzteren führe ich hier nur Virgils Georgica
an —, finden wir Schilderungen von Thierkrankheiten in medicinischen
und landwirtschaftlichen Werken und erst gegen Ende der in Rede
stehenden Zeitperiode finden wir tierärztliche Schriftsteller, die das,
was vorher gefunden und beschrieben worden, gesammelt und mit ihren
Erfahrungen verschmolzen haben. Leider ist ein grosser Theil dieser
Schriften verloren gegangen; wir kennen dieselben nur aus den Titeln,
.die uns von anderen Autoren überliefert sind. —
Die ältesten Aufzeichnungen finden wir bei den Indern in dem
XII. Theile der Zenda-Vesta; das Boun-Dehesch behandelt die Krank
heiten der Thiere, wie der Menschen, und ebenso ist uns in diesem
Werke eine Taxe für tierärztliche Verrichtungen, die gewöhnlich von den
Brahmanen ausgeführt wurden, überliefert. Nach den Angaben von Dietz
hat ferner der berühmte indische Arzt Charaka ein Werk über Veterinair-
Medicin hinterlassen. Dietz giebt ferner den Titel eines Manuscriptes:
Asvänan auschada, über die Arzneien der Pferde, von einem anonymen
Verfasser an. Ainslie, die Titel zweier anderen Werke: Tohfeh kani-
IIäj und Resaleh Tibbi Aspän. Von den alten Egyptern wissen wir
noch weniger. Rosellini und Wilkinson haben uns Copien alter

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