Titel:
Grundriss der Geschichte der Thierheilkunde
Personen:
Eichbaum, Friedrich Wikipedia
PURL:
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Frankreich.
Ausser dem erwähnten anatomischen Werke von Heroard liegen
aus dem 16. Jahrhundert keine literarischen Erzeugnisse vor. Im
17. Jahrhundert waren es auch hier Stallmeister, die ihre Ausbildung
in Italien genossen hatten, zum Theil auch ausgewanderte italienische
Stallmeister, welche hier die sog. Marechalleries verfassten. Die Bear
beitungsweise dieser Werke, sowie ihr wissenschaftlicher Werth ist im
Allgemeinen derselbe, wie bei den italienischen Schriften. Eine rühm
liche Ausnahme macht hiervon Solley sei, der Jahrzehnte hindurch
gewissermassen als internationale Autorität respectirt wurde, und dessen
Werk »le parfait marechal« von einer nüchternen Beobachtung zeugt,
und die abergläubischen Angaben, die sich in den übrigen Schriften
vorfinden, vermissen lässt. Das Buch, welches in fast alle europäischen
Sprachen übersetzt ist, zeichnet sich namentlich durch eine bessere
Unterscheidung der Krankheiten aus, ist andererseits jedoch nur wenig
wissenschaftlich bearbeitet. Die Errungenschaften Ruini’s auf dem
Gebiete der Pferdeanatomie scheinen ihm garnicht bekannt zu sein;
ebenso fehlte ihm vollkommen die Kenntniss der Physiologie. Das
Gehirn betrachtet er als den Helm einer Destillirblase, in dem sich alle
feinen, aus den Nieren, der Milz und der Leber aufsteigenden Dünste
vermittelst der »Veine coeliaque« concentriren. Auch über die Arznei
wirkungen besitzt er eigenthümliche Vorstellungen: Er behauptet bei
spielsweise, dass die Anwendung der kühlenden Mittel beim Pferde,
selbst wenn es an Entzündungskrankheiten leidet, unzweckmässig ist,
dass aber die erhitzenden Mittel dem Temperament dieses Thieres ver
wandt und deshalb demselben vorzüglich heilsam sind. Zu jeder Krank
heit werden ein Dutzend Heilmittel angegeben, die jedoch nach dem
Sitze der Krankheit verschieden sind. Die Angaben zur Bereitung der
Arzeneien beweisen seine Unkenntniss der Eigenschaften der Medica-
mente. Ausser seinen eigenen Compositionen werden noch Recepte
angegeben, die ihm von Stallmeistern oder Hufschmieden mitgetheilt
sind, z. B. der Balsam der Madame Feuillet, die Salbe des Meisters
Sicard, Curty u. a., das sympathetische Pulver u. s. w. Neue Medi-
camente, welche durch die Entdeckungen Glauber’s, Glaser’s, Le
rne ry’s u. A. auf dem Gebiete der Chemie und Pharmacie gefunden
waren, wusste Solleysel ebenfalls in seinen Arzneischatz hineinzuziehen,
von welchem einzelne Recepte bei Schmieden und Pfuschern häufig
gegenwärtig noch im Gebrauche sind.
Nichts destoweniger machen die guten Beschreibungen, die er von
den Krankheiten gibt, die vielen Beobachtungen, mit denen er die
Wissenschaft bereichert, sein Werk schätzbar, und sein Name nimmt
sicher in der Geschichte der Thierheilkunde einen ehrenvollen Platz ein.
Bedeutender sind die Arbeiten von Lafosse im 18. Jahrhundert,
der im Verein mit Bourgelat den Uebergang zur wissenschaftlichen
Bearbeitung der Thierheilkunde macht. Seine Leistungen sollen unten
genauer besprochen werden.

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