Titel:
Grundriss der Geschichte der Thierheilkunde
Personen:
Eichbaum, Friedrich Wikipedia
PURL:
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Besonders waren es der Milzbrand, die Schafpocken, die Influenza unter
den Pferden, vor allem aber die Rinderpest, die den Viehstand Europas
zeitweise fast vollständig vernichteten. In vielen Fällen traten die Vieh
seuchen gleichzeitig oder im Gefolge von epidemischen Krankheiten,
so namentlich der Menschenpest, genannt »der schwarze Tod«, auf; in
anderen Fällen nach Missernten, die Hungersnoth veranlassten. Sicher
waren es ferner auch hier die vielen Kriege, so namentlich der dreissig
jährige Krieg, der spanische Erbfolgekrieg, der siebenjährige Krieg,
welche die umfangreiche Verbreitung der Seuchen begünstigten, beson
ders bei dem gänzlichen Mangel an veterinair-polizeilichen Massregeln,
von welchen die ältesten erst im Beginn des 18. Jahrhunderts in einigen
Ländern erlassen wurden.
Die Beschreibung der einzelnen Seuchen, welche, wie bereits er
wähnt, von Aerzten studirt wurden, nach ihren Erscheinungen und ihrem
Verlaufe ist gewöhnlich eine bessere und vollständigere, so dass wir in
den meisten Fällen zu beurtheilen in der Lage sind, um welche Seuchen
es sich bei den einzelnen Epizootien gehandelt hat. —
Gleich am Anfange des 16. Jahrhunderts, im Jahre 1514, herrschte
in Italien eine Seuche unter dem Rindvieh, über welche uns Fracas-
toro Aufzeichnungen hinterlassen hat. Die Krankheit wurde anfänglich
in Friaul beobachtet und verbreitete sich dann in das Venetianische
und Veronesische Gebiet, schliesslich auch nach Frankreich und
England. Die Krankheitserscheinungen bestanden in Verlust des
Appetites und Erkrankungen der Maulhöhle, deren Schleimhaut mit
kleinen Blattern vollständig bedeckt war; später trat ein Ausschlag an
den Schultern und Gliedmassen auf. Thiere, bei denen letzteres ge
schah, genasen meist; im entgegengesetzten Falle gingen sie zu Grunde.
— Einige Autoren, wie Dupuy haben diese Epizootie für Pocken, an
dere (Lorinser) für Rinderpest gehalten. Nach Heusinger handelte
es sich um eine Stomatitis aphthosa maligna.
Im folgenden Jahre (1515) herrschte in Frankreich eine sehr ver
heerende Seuche unter den Schafen, »Tac« genannt. Eine Beschreibung
der Krankheit fehlt; ebenso ist es unbekannt, woher das Wort »Tac«
stammt. Belon, ein Arzt des 16. Jahrhunderts, gibt an, dass die Krank
heit nach dem Taköl (ein empyreumatisches, aus dem Wacholder ge
zogenes Oel, heut zu Tage in Languedoc Oli de Cade genannt), welches
man gegen dieselbe verwandte, bezeichnet worden ist. Paulet glaubt,
dass die Krankheit deswegen so genannt wurde, weil sie sich leicht
durch die Berührung oder Tact fortpflanzte. Vielleicht ist es die im
Jahre vorher unter dem Rindvieh herrschende Seuche gewesen.
1552 brach in Lucca unter dem Rindvieh eine Seuche aus, welche
die daran erkrankten Thiere in kurzer Zeit hinraffte. Thomas Wierus
erzählt, dass die Landleute die erkrankten Thiere getödtet und dass
das hierbei auf menschliche Körpertheile gespritzte Blut Karbunkeln er
zeugt hätte. Es war jedenfalls Milzbrand.
1568 erwähnt Joubert in seinem Werke über die Test zum ersten

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