Titel:
Die Pferdezucht Rußlands
Personen:
Meyendorff, Alexandre Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN627022944/8/
darauf beschränken, die Privatzucht durch Rennpreise zu unterstützen.
Erwägt man indessen die Frage mit gewissenhafter Unparteilichkeit,
so stellen sich, meiner Ansicht nach, unbestreitbare Beweisgründe für
die Nothwendigkeit einer direkten Einmischung der Regierungen in
die Pferdezuchts-Angelegenheiten heraus.
Zuvörderst würde die Privatzucht niemals nach einem und dem
selben Systeme verfahren. Ihr Hauptaugenmerk ist auf den peku
niären Gewinn gerichtet, sie wird sich deshalb nie völlig von dem
Charakter der Spekulation lossagen können, also, sich selbst überlassen,
ein Sklave der Launen der Mode und Alles dessen werden, was die
meisten Chancen des Gewinnes bietet. Auf diese Weise würden we
sentliche Bedürfnisse des Landes Gefahr laufen, zum Theil oder voll
ständig unbeachtet zu bleiben.
Der heutige Charakter der Englischen Pferdezucht bietet mehr
als einen Stützpunkt für diese Behauptung. Der Englische Züchter
strebt nach dem Gewinne der ansehnlichen Preise, um die in den
Wettrennen gekämpft wird, er konzentrirt dem zu Folge alle seine
Bemühungen auf die Vergrößerung der Schnelligkeit des Pferdes und
opfert diesem Streben Körperform und alle jene anderen Eigenschaften,
welche für jedes gute Pferd, und namentlich für ein gutes Zuchtthier
durchaus unerläßlich find. Auch durch den übertriebenen Training
wird eine sehr bedeutende Anzahl von Pferden ruinirt, welche, nach
dem sie alle Chancen und meist erfolglos durchgemacht haben, zu jeder
nützlichen Verwendung ungeeignet sind und in Folge der erhaltenen
Knochenfehler und zerrütteten Gesundheit sehr verderbliche Werkzeuge
zur Zucht abgeben würden. Ein fernerer Grund, weshalb die Zucht
den Privatleuten allein nicht überlassen werden darf, ist der, daß sie
sich in der Regel nicht im Besitz der nöthigen Geldmittel befinden.
Das zur Zucht nothwendige Material, welches in guter Qualität immer
seltener wird, ist sehr theuer und dadurch dem Privatmann meist un
zugänglich. Kein Züchter wird eine sehr bedeutende Summe opfern
wollen, um erst in einer mehr oder weniger fernen Zeit Nutzen von
diesem Opfer zu haben, und noch weniger, namentlich in größerem
Maaßstabe, Versuche unternehmen wollen, die leicht fehlschlagen kön
nen; und doch kann nur bei einem solchen kostbaren Material mit
einiger Sicherheit auf glückliche Erfolge gerechnet werden.

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66