Titel:
Die Pferdezucht Rußlands
Personen:
Meyendorff, Alexandre Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN627022944/9/
Was endlich den Einwand betrifft, daß die Konkurrenz des Staa
tes der Privatzucht zu großen Nachtheil zufüge, so läßt sich auf den
selben Folgendes erwidem: die Produkte der Staatsgestüte bilden nur
einen kleinen Theil der gesammten Produktion, die Staatsgestüte be
schränken sich darauf, ein Bild dessen hinzustellen, was man zu erreichen
wünscht und was man erreichen kann, und einen Theil desjenigen Ma
terials zu liefern, welches zur Produktion eines jenem Vorbilde ähn
lichen Pferdes nothwendig ist; sie überlassen somit der Privatzucht noch
-ein weites Feld der Thätigkeit und mehr als genügende Absatzwege.
Hat sich übrigens England immer nur auf die Thätigkeit der
Privatzucht beschränkt? Die Geschichte zeigt im Gegentheil, daß unter
den Maßregeln, welche dazu beigetragen haben, ihm seine vorzüglichen
Pferde zu verschaffen, mehrere sehr gewaltsamer Art waren. So gebot
z. B. eine Verordnung Heinrich's Till. auf das Strengste die Ka-
ftrirung aller mangelhaften Hengste und zwang zugleich alle Personen
von einer gewissen Stellung eine bestimmte Anzahl von Pferden zu
halten, deren Beschaffenheit ebenfalls vorgeschrieben war. — Hatte
nicht die in England so populär gewordene Vollblutzucht ihren Aus
schwung hauptsächlich durch die Passion Karl's H. für die Rennen
gewonnen und durch feine direkte Einwirkung in die Begründung der
Vollblut-Race mittelst jener vorzüglichen Pferde, welche er aus dem
Orient kommen ließ? Fast alle Vollblutpferde lassen ihre Abstam
mung auf jene Arabischen Stuten zurückführen, die unter dem Namen
Royal-mares bekannt sind.
Dies sind die Betrachtungen, welche uns zur Unterstützung der
Ansicht bestimmen müssen, daß eine Einmischung der Regierung in
die Pferdezucht-Angelegenheiten des Landes nothwendig sei. Wenn
hierauf erwidert wird, daß mehrere Züchter ohne die geringste Bei
hülfe der Regiemng glänzende Erfolge in der Verbesserung gewisser
Pferderacen errungen haben und noch jetzt erringen, so muß ich be
merken, daß diese Fälle, von denen ich später noch zu sprechen Gele
genheit nehmen werde, nur den Charakter des Ausnahmsweisen tragen
und tragen können; überdies verlangen ähnliche Erfolge, wie schon
bemerkt, eine Disposition über Geldmittel, deren sich nur Wenige
erfreuen. Aus welchem Gesichtspunkte man die Sache also auch an
sehen möge, immer gelangt man zu dem Schlüsse, daß zur allgemei-
1*

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