Titel:
Der Pferdeliebhaber
Personen:
Oeynhausen, Boerries Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN629726159/13/
6. Grössere Schnelligkeit und Intensität der Bewegungen.
7. Eine grössere Masse von Nerven und Gehirn mit höheren Blüthen
der Organisation, welche alle Organe durchdringend der Quell der Vered
lung der untergeordneten Organe sind, und mit diesem in einer Wechsel
wirkung stehen.
Das längere Erinnerungsvermögen, die grössere Gelehrigkeit, der
Ehrgeiz und Muth, der verständige Blick, längere Lebensdauer sind die
Eigenschaften höherer Organe, deren höchste Potenz dem edelsten Pferde
am meisten eigen ist.
Die hier sehr nahe liegende Frage, ob es denn wohl sehr wünschens-
werth wäre, nur sehr edle Pferde zu züchten, dürfte sich, wie folgt, er
ledigen.
Wenn sich das veredelte und ganz edle Pferd wegen seiner grösse
ren Ausdauer, Schnelligkeit besonders zum Reitdienst und schnellerm Zug
dienst eignet, so ist darum das gemeine Pferd doch nicht nutzlos oder ganz
entbehrlich; denn es gibt im gewöhnlichen Leben vielerlei Leistun
gen, wozu sich das gemeinere Pferd besser eignet, als das sehr ver
edelte oder ganz edle, z. B. der Zugdienst bei allen landwirtschaftlichen
Arbeiten oder der schwere Zugdienst bei grossen Frachtfuhren; derselbe
verlangt eine mehr langsame Ausdauer als schnelle hochgesteigerte Kraft
entwicklung. Das gemeine Pferd mit seinen grösseren Körperformen legt
mehr Gewicht in das Geschirr und wegen seines weniger erregbaren Tem
peramentes , gegründet auf die geringere Nerventätigkeit und die lockere
Beschaffenheit seiner Muskulatur ist ihm eben die in dieser Arbeit so nö
tige langsame Ausdauer eigen und es mattet sich bei der schweren Ar
beit nicht so leicht ab, als es das edle Pferd thun würde.
Darum bleibt es aber doch sehr wünschenswert, der veredelten
Pferdezucht immer mehr Verbreitung zu geben (und es ist wohl kaum zu
befürchten, dass sie sich in ihren ganz guten und vorzüglichen Produkten
allzusehr verbreiten würde). Denn erstens ist das edle Pferd ein besse
rer Handelsartikel, weil sich immer mehr Käufer dazu finden, zweitens
werden die Anforderungen an Schnelligkeit verbunden mit Ausdauer und
Schönheit immer grösser, und drittens kann auch das veredelte Pferd
bei entsprechender Behandlung im landwirtschaftlichen Gebrauche sehr
gute Dienste thun, wogegen das gemeine Pferd niemals geeignet ist, den
jenigen Anforderungen an Schnelligkeit und Ausdauer darin zu genügen,
die man heut zu Tage an Reitpferde aller Art sowohl im Militärge
brauche als im gewöhnlichen Leben, oder au leichte Zugpferde stellt.
Ausser den jetzt besprochenen Unterscheidungsmerkmalen des edlen

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