Titel:
Ueber die Geschichte und die verschiedenene Formen der Reitkunst
Personen:
Oettingen, Burchard Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN634185861/22/
2. Abschnitt.
De la Gusriniere als Reformator der Reitkunst.
Der Reformator der alten Reitkunst war Francois Robichon de la
Gudriniere, Stallmeister des Königs Ludwig XV. Im Gegensatz zu den Reit
büchern von Pluvinel und Newcastle enthält das im Jahre 1733 von
Gudriniere geschriebene Buch: Ecole de Cavalerie bereits so moderne Auf
fassungen, daß man es ohne die Schwierigkeiten lesen kann, die einem sonst bei der
Lektüre alter Bücher so störend sind. Daher haben auch viele neuere Schriftsteller
Gudrinieres Werk bis zur wörtlichen Kopie benutzt bezw. seitenlange Citate aus
demselben entlehnt. Daß Gudriniere ein wirklicher Reformator war, geht daraus
hervor, daß er die Grundlage jeder Reiterei, nämlich den Sitz des Reiters, total
veränderte. Die von ihm vorgenommene Veränderung desselben hat sich bis in
unsere Zeit erhalten. An Stelle des von Lenophon an geltenden Spaltsitzes
wurde der später auch in unsere Reitinstruktion aufgenommene Sitz, halb Spalt,
halb Gesäß, proklamirt (Fig. IV.). Diese Veränderung war durchgreifend für das
Ganze, zumal sich daran ein System anschloß, welches auf langjähriger praktischer
Erfahrung und auf einer, mit Berücksichtigung der Geschichte der Reitkunst klar
durchdachten, aus der Natur hergeleiteten Theorie basirte. Durch Guöriniere
bekam die Reitkunst eine wissenschaftliche Grundlage, ein Fundament, auf dem weiter
gebaut werden konnte, und das vorher, trotz aller Meister der alten Zeit, nicht
vorhanden war. Auf demselben Fundament bauen wir noch heutzutage weiter,
wenn wir auch in mehreren Details anderer Ansicht sind als Gudriniere.
Schon aus der Vorrede zu der Ecole de Cavalerie ist ersichtlich, daß
Gudriniere ein großer Mann war mit bescheidenem Selbstbewußtsein und dank
barer Erkenntlichkeit gegen seinen berühmten Lehrer de Vendeuil. Me der Land
wirth immer auf das Wetter schimpft und die Ernte immer miserabel findet, so
wird auch nicht nur heutzutage auf die Vernachlässigung der Schulreiterei geschimpft,
denn Gudriniere sagt bereits in seiner Vorrede: „Endlich habe ich alles an
gewendet, um den alten, nunmehr verloschenen Eifer wieder rege zu machen, der in
jener glänzenden Periode der Reitkunst herrschend war Zu unserer
Schande muß man es gestehen, daß die Liebe zu dem wahren Schönen in dieser
Kunst in unsern Tagen gar sehr abgenommen hat."
Betreffs des Pferdematerials lobt Gudriniere am meisten die spanischen
Pferde für Reitbahnzwecke. Den vom Herzog von Newcastle hervorgehobenen
Fehler, daß die spanischen Pferde eigentlich ein zu starkes Gedächtniß hätten, hält
er mehr für eine Tugend. Die türkischen Pferde sollen die besten Läufer sein, den
deutschen Pferden wird Mangel an Athem vorgeworfen, und von den englischen
heißt es: „Die englischen Pferde sind in Ansehung ihres Athems, ihrer Kräfte, ihrer

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