Titel:
Die Seuchen und Herdekrankheiten unserer Hausthiere
Personen:
Pütz, H. Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN634229885/55/
Die Prognose ist absolut ungünstig. Eine medieinische resp.
arzneiliche Behandlung der Finnenkrankheit ist geradezu Thorheit.
Um so mehr verdient die Vorbeuge unsere Aufmerksamkeit.
Dieselbe wäre bald in wirksamster Weise durchführbar, wenn das
Publikum die Beziehungen zwischen Band- und Blasenwürmern all
gemein kennen und danach sich verhalten würde. Wenn nämlich
Niemand finniges Fleisch verzehrt, oder wenn Jedermann solches
Fleisch vor dem Genusse in kleinere Stücke zerlegt und tüchtig durch
kocht, so dass alle in demselben enthaltenen Finnen getödtet werden,
so müsste die Finnenkrankheit der Schweine bald und sicher aus
gerottet werden. So lange aber die Volksbildung in diesen Dingen
den erforderlichen Grad noch nicht erlangt hat, wird ein es theils die
staatliche Fürsorge, andererseits der Selbstschutz des intelligenten
Viehbesitzers thätig sein müssen.
Die sanitätspolizeilichen Vorschriften müssen sich auf den Men
schen und auf die Schweinehaltung beziehen. Vor allen Dingen dürfen
die Schweineställe nicht unmittelbar mit dem Abtritt in Verbindung
stehen, wie dies noch vor wenig Jahrzehnten in bäuerlichen Wirth
schaften häufig der Fall war. Es liegt die Erklärung nahe, warum
seit der Zeit, wo diese Einrichtung seltener und die Schweinehaltung
überhaupt eine reinlichere geworden ist, auch die Finnenkrankheit
numerisch abgenommen hat. — Wie nun überhaupt im Interesse des
Auslandes und der Reinlichkeit darauf hingewirkt werden sollte, dass
nicht allerorts in der Umgebung der menschlichen Wohnungen, der
Gärten und Felder, der Weiden und Triften etc., sondern so weit als
irgend möglich nur an dem bestimmten, entsprechend eingerichteten
Aborte alle Menschen ihre Excremente absetzen, so muss letzteres
ganz besonders da vermieden werden, wo junge Schweine hin ge
langen und die Abgänge des Menschen aufnehmen können, was von
den sogenannten Koprophagen (Kothfressern), zu denen bekanntlich das
Schwein gehört, mit Vorliebe zu geschehen pflegt, wenn hierzu Ge
legenheit geboten wird.
Der Genuss von finnigem Schweinefleisch muss beschränkt, wenn
auch nicht unter allen Umständen verboten werden. Es dürfte näm
lich nicht gerechtfertigt erscheinen, sonst gutes Fleisch zu vernichten,
weil in demselben Finnen vorhanden sind, die durch Kochen ganz
unschädlich gemacht werden können. Nationalöconomisch richtig er
scheint es mir deshalb, finniges, sonst aber gesundes Schweinefleisch
auf einer sogenannten Freibank veräussern zu dürfen, wobei jedoch
ausdrücklich erklärt werden muss, dass dasselbe nur durch gründliches

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