Titel:
Die Seuchen und Herdekrankheiten unserer Hausthiere
Personen:
Pütz, H. Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN634229885/686/
Bereits im Jahre 1827 hat v. Baer (und bald darauf v. Siebold)
im Flusskrebse das Distoma cirrigerum (wegen des auffallend grossen
Cirrus so genannt) angetroffen. Dasselbe fand sich in der Gegend
von Königsberg fast in allen Theilen der Krebse und meist in Ge
sellschaft des Distoma isostomum Rudolphi. Seit jener 2eit, also seit
ca. 50 Jahren, schien das Distoma cirrigerum nicht mehr beobachtet
worden zu sein.
Die Krankheitserscheinungen, welche durch diesen Parasiten beim
Krebse verursacht werden, sind nach Harz im Wesentlichen folgende:
Zunächst bemerkt man, dass die in dem Behälter vorhandenen Krebse
auffallend hoch gehen; sie stützen sich beinahe nur auf die Fuss
spitzen. Die Bewegungen sind steif und unbehülflich. Die kranken
Krebse suchen nicht, wie sonst, die Schlupfwinkel und Vertiefungen
auf, sondern halten sich mehr in der Mitte des Bassins, jede unnütze
Bewegung vermeidend. Sogar die Berührung anderer Crustaceen
scheinen sie zu meiden. Wenn sie auf den Rücken gefallen sind,
vermögen sie nicht, sich wieder umzuwenden; sie lassen sich ruhig
vom Strome treiben, ohne den geringsten Widerstand zu leisten.
Häufig gerathen sie mit einander in Streit; sie erfassen sich dann
krampfhaft mit ihren Scheeren, ohne sich nachher loslassen zu können;
ihre Trennung kommt dann nur zu Stande, indem Einer von Beiden
eine Scheere oder einen Fuss verliert. — Der hintere Leibesabschnitt
(den man unrichtig „Schwanz“ nennt), besonders die Aftermündung
fängt an zu schwellen, wird eigenthümlich roth und durchscheinend.
Die kranken Thiere verlieren schliesslich die Empfindung und die Reiz
barkeit der Muskeln (Irritabilität). Man kann dann ihre Augen mit
den Fingern berühren, ohne dass sich die Krebse dem zu entziehen
suchen. Fragliche Organe stehen weit vor, ihre Muskeln scheinen er
schlafft zu sein. Der Hinterleib wird kaum mehr bewegt. Die Scheeren
und Füsse zucken manchmal krampfhaft, bewegen sich unregelmässig
u. s. w. Die kranken Thiere empfinden bei Berührungen offenbar hef
tige Schmerzen. Nimmt man dieselben in die Hand, so entstehen
krampfhafte Bewegungen, aber nicht das bekannte kräftige Schlagen
mit dem sogenannten Schwänze*, welches gesunden, mit ihrer ganzen
Muskelkraft ausgestatteten Krebsen eigen ist. — Die Krankheit nimmt
allmählich immer mehr zu. Die kranken Thiere werden unfähig, sich
auf den Füssen zu erhalten und legen sich, wohl um ihre Schmerzen
zu lindern, auf den Rücken. Zuletzt gewahrt man kaum mehr eine
Bewegung der Beine; nur einzelne derselben zucken zuweilen einmal.
Die Afterfüsse aber werden etwa 62 bis 65 mal in der Minute zögernd

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