Titel:
Die Bein- und Hufleiden der Pferde
Personen:
Spohr, Peter Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN640114504/103/
Zahl aller Mediciner beipflichtet, während die Anhänger der „dyna
mischen" Krankheitstheorieen, wobei die Krankheit als von einer nicht
materiellen unsichtbaren Macht (Afa/uf, Potenz) verursacht gedacht
wird, von Jahr zu Jahr spärlicher werden, und sich überhaupt nur aus
der Zahl derer recrutiren, welche ihrem Charakter nach zu abergläubischen
und mystischen Vorstellungen geneigt sind.
Die Materialität der Krankheitsstoffe aber einmal zugegeben, ist
sofort klar, daß die Heilung d. h. die Zurückführung der normalen
Funktion des Organismus nur auf dem Wege des Stoffwechsels
stattfinden kann, indem der Krankheitsstoff ausgeschieden und neuer,
seine Bestimmung im Organismus richtig erfüllender, an seine
Stelle gesetzt wird.
Bei äußem Verletzungen, Hieb- und Stichwunden u. dgl. z. B.
ist es einfach die Neubildung von Stoff, wodurch die gettennten Theile
wieder zusammenheilen. Der Heilkunst fällt dabei nur die Rolle zu, die
rechtzeitige Neubildung dieses Stoffes am richtigen Ort zu ermög
lichen und die dafür erforderlichen günsttgen Verhältnisse, unter welchen
der Organismus das eigentliche Heilgeschäft, die Neubildung,
selbst besorgt, herbeizuführen.
Die Herbeiführung dieser, das Heilbestreben des Organis
mus fördernden, günstigen Verhältnisse auf möglichst direktem
Wege steht die naturgemäße Heilmethode als ihre eigentliche Aufgabe
an. Ihr Gegensatz zum medikamentlichen Verfahren aber besteht außerdem
noch wesentlich darin, daß sie sich zur Herbeiführung jener Umstände 1) nur
solcher Mittel bedient, welche auch dem gesunden Körper nicht allein
nichts schaden, sondern seine Funkttonen in natürlichster Weise
unterhalten und fördern, also z. B. innerlich nur natürliches Ge
tränk (Wasser) und einfache Nahrungsmittel verwendet, alle Arz
neien, Fremdstoffe rc. aber absolut ausschließt, und 2) daß sie zu
chirurgischen Eingriffen nur im äußersten Falle ihre Zuflucht
nimmt, indem die Erfahrung deren Ueberflüsfigkeit in mindestens
99 Fällen unter 100 gezeigt hat.
Indem die Medicin Heilkunde die Krankheiten meist indirekt bekämpft
und gegen ihre Symptome durch Arzneien d. h. Fremdstoffe zu Felde
zieht, in neuester Zeit vorzugsweise durch sogenannte specifische Mittel
d. h. solche, nach welchen erfahrungsmäßig die Krankheitssymptome zu
verschwinden pflegen, macht sie sich eines doppelten Irrthums
schuldig, sie verwechselt die Krankheitszeichen (Symptome) mtt dem Wesen
der Krankheit und setzt durch Einbringung von Fremdstosfen (Arzneien)
in den Organismus neue Krankheits-Ursache« zu den alte«.
Die auf diesem Wege erzeugten scheinbaren und stets nur vor
übergehend eine verhältnißmäßig kurze Zeit lang vorhaltenden
Heilungen beruhen im Grunde nur auf Unterdrückung des unter
Schmerzen auftretenden Heilbeftrebens des Organismus, der arnte«
Krankheit, und Verwandlung derselben in einen latente« (verborgenen)'
oder chronische« Krankheitsznftand. Betrachten wir z. B. eine acute
Sehnenscheidenentzündung, also einen heftigen Krankheitszustand,
welcher in der Regel durch Zerrung der Beugesehne und dadurch un
brauchbar gemachte Fasern und Zellen organischen Stoffes — die nun
mehr den materiellen Krankheitsstoff darstellen, ausgeschieden und durch

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