Titel:
Die Bein- und Hufleiden der Pferde
Personen:
Spohr, Peter Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN640114504/128/
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Wenngleich bei einigermaßen aufmerksamer Behandlung solche Wuche-
mngen gar nicht vorkommen können, so sind mir doch in Folge miß-
verstandener Behandlung und Nachlässigkeit der Wärter schon sehr be-
deutende dgl. vorgekommen, die sich aber stets durch bloße Wasserbehandlung
auch wieder zurückbilden, weßhalb es niemals eines Aetzmittels bedarf.
(S. unten Cap. 5 Beispiel 6.)

Behandelt man die Wunde zu kühl (naturkaltes Wasser rc.), erneuert
die Umschläge zu oft, so hält man die Heilung auf, die Wunde behält
ein frisch-rohes Aussehen, ähnlich, wie wenn sie mit verdünnter Karbol-
säure behandelt würde, die Heilung geht viel langsamer von Statten, ja
unter Umständen kommt es zu Blutungen aus der Wundfläche. Eine
mildere Behandlung (16—18° R.) mit länger liegenden Compresien bringt
die Sache sofort wieder in die richtigen Wege.

Mit dieser milden Behandlung wird fortgefahren, bis die Wunde sich
zu schließen beginnt. Da dieses Schließen bei eitemden Wunden, gleich-
viel ob die Eiterfläche groß oder klein ist, stets durch Neubildung (Granu-
lation) geschehen muß, so ist nur eine etwas größere Aufmerksamkeit
erforderlich, um die oben berührten beiden Fehler, wildes Fleisch (zu
üppige Granulation) Und zu geringe Neubildung (rohfleischiges Aussehen
oder gar Bluten der Wunde) zu vermeiden. Dies geschieht, indem man
von den bisher verwendeten beruhigenden Umschlägen zu den aus-
ziehenden (s. Abschnitt 6, 2. ßß) übergeht und diese etwas kühler (15—
14° R.) nimmt. Hierbei verbleibt man bis zum völligen Schluß der
Wunde. —

Die Mittel, Pferde, deren Benutzung auch bei offener Druckwunde
erfolgen muß, vor weiteren Schädigungen zu bewahren, bestehen zunächst
im Fernhalten jedes Druckes von der wunden Stelle, indem z. B. Kummet
oder Sattel so mit Stroh ausgepolstert werden, daß die wunde Stelle
und ein etwa zollbreiter Rand um dieselbe frei bleibt. Ueber diese Stelle
selbst kommt dann ein an die Umgebung des Geschirres bezw. Sattels an-
gehefteter, gefetteter Lappen zu liegen. Am besten ist es allerdings,
wenn solche wunde Thiere lediglich unter Decke mit gefettetem Lappen
resp. bei Kummetdrücken frei von Kummet gehen können. Muß Sattel
oder Kummet aufgelegt werden, so ist für eine unverrückbare Lage der-
selben größte Sorge zu ttagen. Zum Fetten des die Wunde bedeckenden
Lappens empfiehlt sich ganz frische ungesalzene Butter resp. süßer
Rahm als bestes Fett, im Nothfalle gewöhnlicher Talg. — Es versteht
sich von selbst, daß nach dem Gebrauch des Pferdes in den Ruhepausen
diese Fettlappen abgenommen werden und die oben angegebene Behandlung
mittelst temperirten Wassers in ihr Recht tritt.

c) Ueber Abhärtung von geheilte« Druckstelle« vor nnb beim Gebrauch

der Thiere.

Ist die Heilung von Druck rc. durch Fremdstoffe, Salben rc. be-
wirkt worden, so bilden solche Stellen eine starke Veranlassung zu neuen
Schäden, da der Organismus die eingeheilten reizend wirkenden Fremd-
stoffe bei jeder Gelegenheit auszustoßen trachtet. Daher die oft wieder-
kehrenden Ausschläge, Schorfe, Hitze, Schwellung u. s. w.

Dies ist nun zwar bei naturgemäß geheilten Schwellungen und Dmck-

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