Titel:
Die Bein- und Hufleiden der Pferde
Personen:
Spohr, Peter Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN640114504/143/
6. Rückbildung von wildem Fleisch, unvollkommener Ersatz der
Haut in Folge Anwendung von Medikamenten.
Im Herbst 1865 bei einer zufälligen Anwesenheit in I. zog mich
mein früherer Abtheilungs-Commandeur, Major T., wegen einer durch
Sturz über einen Haufen Chausseesteine erzeugten großen Kniewunde eines
seiner Reitpferde, einer Fuchsstute englischer Abkunft, zu Rathe. Die
Wunde war bei glühender Augustsonne mit gestandenem, jedenfalls hoch-
temperirtem Wasser unter zu dicker Wollumwickelung und zu langem Liegen
lassen der einzelnen Umschläge schon etwa 8—10 Tage behandelt worden.
In Folge dessen hatte sich eine Menge sog. wildes Fleisch gebildet, welches
bei meiner Besichtigung die Stärke einer dicken Mannesfaust erlangt
hatte. Während meiner 5 tägigen ferneren Anwesenheit in I. wurde das
Pferd nunmehr mit brunnenfrischen Bespritzungen und kühleren oft
gewechselten Umschlägen behandelt, wodurch sich die Wucherung in dieser
kurzen Zeit bis auf etwa 1 cm Dicke zurückbildete. Nach meiner
Abreise wurden indeß doch Aetzmittel angewendet, die Wunde allerdings
zur Heilung gebracht, jedoch blieb ein kahler Narbenfleck (wenn auch weit
kleiner, als die ursprüngliche Wunde) zurück.
Ich bemerke ausdrücklich, daß dies bei der lediglich mit Wasser
nach Cap. 2, 1 und 2 zur Heilung gebrachten Vorderkniewunde nicht der
Fall gewesen wäre, da in solchen Fällen, wo die Lederhaut nur stark mit
verletzt wird, nicht die leiseste Marke verbleibt. So sind zur Zeit hier in
G. noch2 so geheilte Reitpferde zu sehen, die der minutiösesten Untersuchung
völlig intakt erscheinen.
7. Heilung eines Anochenfplitterbruches im Fußwurzelgelenk unter
Steifheilung des Gelenks in Folge Tueckstlberbehandlung.
Im Herbst 1863 bei der Schießübung ließ mich eines Abends mein
damaliger Regimentskommandeur, Oberst v. N., rufen, um mich bezüglich
eines seiner Reitpferde zu Rathe zu ziehen, welches schon etwa 14 Tage
lahm stand. Der linke Vorderfuß des schon älteren Thieres war vom
Fußwurzelgelenk (dies einschl.) abwärts außerordentlich stark geschwollen
und sichtlich über und über mit grauer Salbe eingerieben. Das Thier
war durch einen Roßarzt des Regiments behandelt worden, welcher das
Uebel als Sehnenscheidenentzündung erklärt und seit etwa 8 Tagen täglich
mehrmals tüchtig mit grauer Salbe hatte einreiben lassen. Das Thier
lahmte stark, bog das Fußwurzelgelenk fast gar nicht und fieberte. Eine
genaue Diagnose zu stellen war vorläufig unmöglich. Ich schlug einst
weilen eine, aus der Diagnose des Roßarztes fußende Wasserbehandlung
nach II B vor, jedoch unter Miteinwicklung des Knies. Obgleich diese
Behandlung consequent fast 8 Wochen hindurch fortgesetzt wurde, kam es
dennoch weder zur Eiterung noch zu Ausschlag oder irgend welchen kritischen
Ausscheidungen. Freilich blieb auch die mit dem Fette der angewendeten
Salben völlig durchtränkte Haut, trotz täglich etwa 2—3 mal angewendeten
gründlichen Waschungen mit warmem Wasser und Seife bis zuletzt so
verfettet, daß das Wasser stets an ihr ablief und eine Einwirkung des
Wasserdunstes auf die Poren der Haut rc. nicht erreicht werden konnte.
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