Titel:
Die Bein- und Hufleiden der Pferde
Personen:
Spohr, Peter Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN640114504/146/
halb des Sprunggelenks am rechten Hinterfuße hatte, deren um die innere
Seite des Unterschenkelbeins herumgehender Kanal an beiden Ausgängen
in Selbstheilung begriffen und nahezu geschlossen war. Da das Bein
an der Stelle etwas verdickt war und das Thier Schmerz bei Berührung
äußerte, so wurden ausziehende Umschläge angewendet, worauf nach einigen
Tagen der ziemlich oberflächlich unter der Haut verlaufende Schußkanal
in seiner ganzen Länge aufbrach, Eiter entleerte und dann so gut heilte,
daß nur an den ursprünglichen Ausgängen der Schußwunde eine
geringe Narbenbildung zurückblieb.
Ueber sog. desinficirende Wundbehandlung.
Zum Schluffe nur noch einige Worte über die heutigen sogenannten
desinficirenden Wundbehandlungsmethoden. Sie beruhen auf
der Anwendung verdünnter Säuren, namentlich der Karbolsäure und
des Jodoforms. Sie haben stets den Nachtheil, daß die größere oder
geringere Einwirkung dieser Säuren nicht genau regulirt werden kann.
Die Säuren aber zersetzen den Eiter, stören dadurch die Eiterung, sie
halten im besten Falle die Heilung auf und verhindern die vollständige
Neubildung der zerstörten Theile, namentlich die der feinen Nerven, Drüsen
und Haarsäckchen der Lederhaut. Daher die vielen haarlosen Stellen
und Verhärtungen nach derartigen Heilungen. Schon die Erfahrung,
daß bei zu kalter Wasserbehandlung sich Eiterbildung und Heilung
verzögere, ja bei Fortsetzung derselben Entzündung und Blutung der
Wundflächen eintritt, beweist zureichend, daß die reichliche Bildung
flüssigen, weißlichen sogenannten gutartigen Eiters zu einer guten
und schnellen Heilung erforderlich ist. Die nothwendige Des
inficirung bewirkt der temperirte Wasserumschlag stets und aus
nahmslos in völlig ausreichendem Maße. Daß aber Karbolsäure- und
Jodoformverband, trotzdem letzterer unter Umständen sogar tödtliche
Blutvergiftungen bewirkt, eine wirkliche Desinficirung nicht leisten,
haben sowohl der englische Chirurg Dr. Lawson Tait, wie viele deutsche
Aerzte, Dr. Krüwell, Dr. Schüßler und andere schlagend bewiesen. Ich
habe hunderte größerer und kleinerer Wunden nach der hier geschilderten
Methode ausnahmslos auf's vollständigste heilen sehen und nicht
in einem einzigen Falle diese sogenannten desinficirenden
Mittel vermißt. Wohl aber habe ich viele unter Anwendung solcher
Mittel, wie der früher üblichen Salben, schlecht geheilte Wunden und
Schäden nachträglich nach der von mir befürworteten Methode erst zur
völligen Heilung gebracht.
Man bleibe daher stets dem alten, wohlbewährten Spmche getreu:
„Medieus curat, natura sanat,“
lege den Nachdruck auf den zweiten Theil des Satzes und sorge, daß das
curare des Arztes stets ein durchaus einfaches und naturgemäßes sei —
dann wird man sich der besten Resultate zu erfreuen haben.

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