Titel:
Die Bein- und Hufleiden der Pferde
Personen:
Spohr, Peter Wikipedia
PURL:
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haften Gelenk gleichnamigen Hand), sei es durch Schwächung des Abschwungs
(dieses namentlich im Trabe) markirt. Bei der naturgemäßen arzneilosen
Behandlung der Piephacke hat man die „akute" (frische) und „chronische"
(dauernd gewordene) Piephacke zu unterscheiden.

A. Behandlung der akute« Piephacke.

Das Sprunggelenk wird mit einer etwa zwei Meter langen, fünfzehn
Centimeter breiten Leinwandbinde, die der Länge nach zur Hälfte in Wasser
von sechszehn Grad Reaumur getaucht und stark ausgerungen ist, in
der Weise umwickelt, daß zuerst das genäßte Ende abwechselnd handbreit
über und unter dem Sprunggelenk u. s. w. so umgeführt wird, daß seine
Ränder sich jedesmal auf der Piephacke um zwei Finger breit decken, worauf
schließlich das trockene Ende der Bandage unter die Wickelung untergesteckt
wird. Darüber wird sodann eine ebenfalls zwei Meter lange, fünfzehn
Centimeter breite Flanell- oder Wollbinde (bei Militär-Pferden am ein-
fachsten Längsstreifen alter ausrangirter Woilachs) ebenso gewickelt in der
Weise, daß die Leinwand-Bandage überall bedeckt und an den Rändern um
zwei Finger überragt wird, sodaß ein ziemlich dicht schließender Verband
entsteht. Ein guter Verband soll dicht anliegen, ohne zu scheuern oder zu
pressen, was allemal schädlich ist, weil es den Blutumlauf behindert. Selbst
ein etwas loser Verband, sofern nur die Wollenbinde den Luftzutritt ab-
hält, ist besser als ein zu fester.

Dieser Verband hat den Zweck, feuchte Wärme zu erzeugen aber
durch Vermittelung und Anregung des thierischen Organismus
selbst. Wenn man ihn mit einem permanenten Dampfbade verglichen hat,
so hinkt dieser Vergleich sehr bedeutend. Ein Dampfbad könnte nur einen
sehr geringen Theil des Zweckes erfüllen, welchen dieser Verband erfüllen
soll und erfüllt. Die anliegende zuerst kühle nasse Leinwand, drängt
zunächst das Blut aus den äußersten Spitzen der in der Haut liegenden
Capillargefäße zurück, worauf dasselbe später aus den großen Blutgefäßen
mit vermehrtem Andränge in dieselben zurückströmt. Diese Blutbewegung
wird noch vermehrt durch die erhöhte Innervation, welche durch die
elektrischen Strömungen bewirkt wird, die dem Kontakte des kalten Wassers
mit der Haut und ihrem weitverzweigten Nervensystem entspringen.
Endlich aber dringt das Wasser in die durch die bald entstehende erhöhte
Wärme weiter geöffneten Poren der Haut selbst ein und wirkt zur Lösung
und Zersetzung von Ausscheidungsstoffen in Dunstform mit.

So wird ein Lösungs- und Ausscheidungsprozeß eingeleitet, der vom
Momente der wieder eingetretenen erhöhten Hautwärme bis zum völligen
Trocknen der Leinwand-Bandage (also drei bis vier Stunden je nach der
äußeren Temperatur und der weniger oder mehr genäßten Bandage) anhält.

Dieser Dünstungsprozeß, so kann man ihn füglich nennen, erhöht den
Stoffwechsel, auf welchem alle wirkliche Heilung bemht. Nachdem
die Leinwand des Verbandes nahezu oder ganz trocken geworden, muß der
Verband erneuert werden. Es ist jedoch dann eine Abfrischung der Haut
durch Waschung mit Wasser von 14 bis 15 0 R.*) zweckmäßig, wodurch in

*) R. bedeutet hier und in der Folge stets das 80theilige Thermometer nach
Reaumur.

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