Titel:
Die Bein- und Hufleiden der Pferde
Personen:
Spohr, Peter Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN640114504/19/
salben, Canthariden-, Bleizucker- und Mercurialsalben, rother
Blister, dessen Hauptbestandtheil rothes Quecksilberpräcipitat ist rc.
So wenig man die Haut eines lebenden Organismus gerben kann, oder
wenn das anginge, sie noch ferner ihre Functionen verrichten könnte, so
wenig ist die Idee, die Geschwulst zusammenzuziehen, irgend durch
führbar. Die sogenannten zusammenziehenden, meist gerbstoffhaltigen
Mittel wirken daher durch den Gerbstoff selbst nur störend auf die
Hautthütigkeit. Die damit erzielten rein äußerlichen und meist nur
vorübergehenden Erfolge bestehen in einer Verkleinerung der Geschwulst,
deren Rest dann in der Regel um so härter und hartnäckiger ist. Wenn
dagegen die schärferen, auf Austrocknung oder Zertheilung hinzielenden
Mittel, besonders Terpentin, Jod, Cantharidin oder Bleizucker- und
Quecksilberpräparate günstiger zu wirken scheinen, so beruht dies lediglich
auf deren zersetzenden Eigenschaften. Durch diese wird allerdings auch
die in der Geschwulst d. h. im Schleimbeutel angehäufte seröse Flüssigkeit
zum Theil ausgestoßen (so in Form von Ausschwitzung und Ausschlag
beim Cantharidin) bezw. resorbirt, d. h. aufgesogen (so bei den Metall
salben durch chemische Verbindung mit der metallischen Substanz), allein
stets unter höchst schädlicher Einwirkung auf die Haut, das darunter
liegende Bindegewebe und die serösen Häute des Schleimbeutels. Der
manchmal eintretende Erfolg des Kleinerwerdens der Piephacke wird stets
mit einer organischen Störung erkauft und hat eine baldige Grenze. Es
bleibt immer, auch im besten Falle, ein verhärteter Rest der Piephacke
zurück, und die Bewegung des Sprunggelenks ist durch die eingetriebenen
Fremdstoffe, welche durch Ausschwitzungen und Ausschlagsormen nur zum
kleinsten Theil wieder entfernt werden, weit mehr behindert, als während
der zuvor bestandenen stärkeren, aber lediglich organischen Anschwellung.
Die metallischen, Mercurial- rc. Salben aber haben den ferneren
großen Nachtheil, daß ihre Metalltheilchen sich bis in die Häute der
Gelenkknochen und in diese selbst niederschlagen und zu weiteren krank
haften Veränderungen, namentlich Spat der inneren Gelenkflächen,
Rheumatismus, Ueberbeinen u. s. w. Anlaß geben.
In vielen Fällen aber tritt nicht einmal ein Kleinerwerden der
Geschwulst nach Anwendung dieser Mittel ein, sondern diese Geschwulst
vergrößert sich noch und erlangt eine sehr abnorme Stärke. Es erklärt
sich dies dadurch, daß der Organismus, um sich gegen die zerstörende
Einwirkung der eindringenden Fremdstoffe zu schützen, zu deren Einkapselung
stets neue Säfte verwendet. Bei der wahrhaft staunenswerthen Resorptions-
(AufsaugungS-) Fähigkeit, welche die thierische Haut, das darunter liegende
Bindegewebe, wie die Muskeln selbst, namentlich für fette Substanzen
und für fein vertheilte Metall- (Blei-, Quecksilber-) Präparate besitzen,
werden oft große Mengen von Salben vom Organismus aufgenommen,
welche selbstverständlich nicht in den regulären Stoffwechsel eintreten,
sondern mechanisch in der Lederhaut, im Bindegewebe und zwischen den
Fasern der Muskelbündel festgehalten werden. Um den direct zerstörenden
Einfluß der metallischen Theilchen aufzuheben, überziehen sich diese mit
einem aus gallertartigen, organischen, wahrscheinlich den Lymphgefäßen
entstammenden Substanzen gebildeten, allmählig festere Consistenz er
langenden Ueberzuge. Im Großen kann man dieses z. B. an einem in
den Körper eingedrungenen Bleigeschoß beobachten, welches, nachdem es

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