Titel:
Die Bein- und Hufleiden der Pferde
Personen:
Spohr, Peter Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN640114504/20/
Jahre lang dort gelagert, endlich herausgeschnitten, mit einem weißlichen
Ueberzuge versehen erscheint, der in warmem Wasser sich auflöst und eine
gallertartige Masse bildet.
Es liegt auf der Hand, daß diese Fremdstoffe (Fette, Metalle rc.)
weitere Stömngen im Organismus anrichten müssen, welche am öftesten
als sogenannte rheumatische, sodann aber auch in der Form von Balg-
geschwulsten (Verhärtungen), im vorliegenden Falle bei Piephacken namentlich
in der Sehnenscheide der großen Streck- und Sprungsehne als Auswüchse,
Auftreibungen der Knochenhaut, Spat rc. auftreten.
Fragt man, warum solche Folgen nicht immer statt haben, sondern
zuweilen auch eine Verkleinerung und einfache Verhärtung der Geschwulst
nach derartigen Mitteln eintritt, so glaube ich nach meiner Erfahrung
darauf die Antwort geben zu können, daß letzteres meist nur da der Fall
ist, wo die Geschwulst schon in der Rückbildung begriffen war, als die
Arznei-Behandlung eintrat und — wenn letztere sehr sorgsam mit
geringen Dosen der betreffenden Mittel gehandhabt wurde.
In diesem Falle wird dann oft die seröse Flüssigkeit der Geschwulst
lediglich zur Einkapselung der Fremdstoffe verbraucht, die Geschwulst
verkleinert sich und verhärtet, eine völlige Heilung aber tritt
niemals ein, es sei denn, daß eine Eiterung erfolgte und man dieser
ihren naturgemäßen Verlauf läßt.
Wird aber durch ein, wenn auch nur geringes, zu Viel der erwähnten
Einreibungen der Organismus gezwungen, zur Abwehr derselben neue
Stoffe heranzuziehen, wie dies meist der Fall, so nimmt die Geschwulst
zu statt ab, und der Krankheitsprozeß geht fort, bis das Thier entweder
völlig unbrauchbar geworden oder der Mensch, am Erfolge verzweifelnd,
von der Kur absteht und es der Natur überläßt, sich so gut es noch gehen
will, selbst (auf dem Wege des durch Nahrung, Athmung und Bewegung
unterhaltenen Stoffwechsels) zu helfen.— Eine völlige Heilung aber
tritt dann ohne Kunsthilfe nie mehr ein.
Letztere aber vermag nicht die Chirurgie, sondern nur die natur
gemäße Behandlung noch zu leisten. Ueber erstere brauche ich mich
nicht weiter zu verbreiten, da sie selbst vom Schneiden oder Brennen bei
Piephacken gänzlich zurückgekommen ist, indem dadurch eine größere oder
geringere Zerstörung des Schleimbeutels selbst, oft auch Beschädigungen
der Sprungsehne oder des Gelenks erfolgt und damit die völlige Unbrauch
barkeit des letzteren eingeleitet wird. Die naturgemäße Behandlung auch
der chronischen (also meist durch arzneiliche Mißhandlung entstandenen)
Piephacke gelingt aber fast immer, wenn der Fehler nicht bereits sehr
(Jahre lang) veraltet bezw. das Thier selbst nicht zu alt (über
20 Jahr) ist.
Eine lediglich durch Mangel aller Behandlung chronisch gewordene
Piephacke läßt sich binnen 8—14 Tagen, höchstens 3 Wochen mittelst des
oben zur Behandlung der akuten Piephacken geschilderten Verfahrens
(3 mal täglich erneuerter frischer wollüberdeckter Leinwandverband, Abbaden
und Trockenftottiren) in den akuten Zustand und aus diesem zur völligen
Heilung überführen.
Anders verhält es sich bei der durch Behandlung mit Medika
menten chronisch gewordenen Piephacke. Hier gilt es zunächst die fettigen
Substanzen der Salben rc. zu entfernen, um die Wirkung des Wasser-

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