Titel:
Die Bein- und Hufleiden der Pferde
Personen:
Spohr, Peter Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN640114504/68/
Pferde, unter eben so naturgemäßer Beihülfe, wie sie in den folgenden
8 Kapiteln dargelegt wird, ausnahmslos geheilt.
Selbst viele Platthufe habe ich wesentlich gebessert, wenn ich sie auch
nicht habe in normale verwandeln können. Solche 25 jährigen Erfahrungen
an vielen Hunderten von Pferden möchten nun schon etwas beweisen!
Wenn dem gegenüber Andere ihre Erfahrungen zu Gunsten von Huf
schmiere geltend machen und dabei ein übermäßiges Gewicht auf momentanes
Weicherwerden von spröden Hufen nach Anwendung von Salben legen,
so ist dagegen schon von vomherein geltend zu machen, daß diese Erst
erfolge nichts beweisen, weil diese Eigenschaft vieler Fette, Homsubstanz
zunächst aufzuweichen, längst bekannt ist, aber ebenso, daß diese Weichheit
mit der Zeit vermehrter Sprödigkeit oder Fäulniß Platz macht. Wenn
z. B. gerühmt wird, daß nach Anwendung der sogenannten Vaselin
salbe ein Huf in 7* Jahren so weich geworden, daß er sich wie „Eidamer
Käse" schneiden ließ, so bin ich weit entfernt, dies als einen wünschens-
werthen Erfolg anzusehen. Ein so weicher Huf wird, wenn die Umstände
ihn zufällig (durch Verlieren eines Eisens und dgl.) auf Barfußgehen auf
hartem felsigen Boden anweisen, fast mit Sicherheit zu Schaden kommen.
Schlimmer aber, als dieser durch sorgfältige Ueberwachung des Be
schlages ja vielleicht zu vermeidende mechanische Nachtheil, scheint mir der
physiologisch-anatomische Schaden, welcher auf die Dauer durch Verwendung
von Hufsalben entsteht.
Wie wir oben (Anatomie des Hufes A) gesehen, werden die Horn
zellen und Fasern durch eine leimartige Substanz zusammengehalten,
und sind die unter sich mittelst formloser Homsubstanz verbundenen Horn
röhrchen mit einer markartigen Materie gefüllt, welche die natürliche
Fettung des Hufes besorgen.
Die Hornsubstanz selbst (nach Kolbe's organischer Chemie aus
51 7« Kohlenstoff, 6,8 7« Wasserstoff, 16,2 7, Stickstoff, 22,5 7, Sauer
stoff und 3,4 7« Schwefel bestehend) ist in Wasser (Alkohol und Aetherf
unlöslich und läßt sich durch anhaltendes „Einweichen in kaltem
und warmem Wasser wohl auflockern, nicht aber lösen."
Das Auflockem durch kaltes Wasser tritt erst nach längerer Zeit un
ausgesetzter Einwirkung desselben ein, wie dies z. B. bei anhaltendem
Marschiren auf aufgeweichten Wegen rc. bei nasser Wittemng vorkommen
kann, und bemht wesentlich auf der Einwirkung des Wassers auf den die
Homfasem verbindenden Hufleim.
Eine stark auflösende Wirkung, nicht nur auf diesen Leim, sondern
auch auf die Hornsubstanz haben dagegen Alkalien und Säuren.
So wirkt namentlich faulender, bereits amoniakhalttger Urin sehr schädlich
auf die Hufe ein.
Nun sind aber die meisten Fette ebenfalls alkalischer Natur und
werden an der Luft oder unter Zutritt von Wasser ranzig, d. h. sie bilden
Säuren.
Es liegt daher auf der Hand, daß jedes von Außen zugebrachte Huf
fett die Homsubstanz auf die Dauer sowohl direkt durch Auflockemng und
Auflösung des Leims und des Hornmarks schädigen muß, als auch indirekt
dadurch, daß allmälig selbst die Huflederhaut beeinflußt und zunächst die
Thättgkeit der Villopapillen gehemmt wird, endlich selbst in das Kapillar
gefäßnetz ftemde, also schädliche Stoffe eindringen.

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66