Titel:
Die Bein- und Hufleiden der Pferde
Personen:
Spohr, Peter Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN640114504/69/
Wenn nun ein solcher mit Fremdstoffen imprägnirter, in seiner natür
lichen Ernähmng gehemmter Huf in kalter Jahreszeit Bäche und Gebirgs-
wasser durchwaten, wenn er Tagemärsche im Schnee zurücklegen, vielleicht,
wie dies in militärischm Verhältnissen, namentlich im Kriege unausbleiblich,
auf windumwehter Stelle stundenlang stehen muß, ist es da zu ver
wundern, wenn Hufentzündungen, Rehe, Kronenentzündungen, Rheu-
matismus, Strahlfäule u. s. w. eintritt, während an Hufen, die durch
naturgemäße Pflege gesund erhalten wurden, dergleichen Strapazen spurlos
vorübergehen?
Daß so unnatürlich gehaltene Hufe auch auf mechanische Verletzungen,
Nagel- und Kronentritte rc. ganz anders reagiren, als völlig normale
Hufe, ist ebenfalls nahe liegend. — Endlich wird sicherlich auch ein so
künstlich aufgeweichter und desorganisirter Huf bei andauernden Märschen
im aufgeweichten Terrain eher ausschuhen, als ein naturgemäß gepflegter
und hartgehaltener.
Nun soll aber die Vas elinsalbe besondere Vorzüge besitzen: „ Vaselin",
bis jetzt noH ein Geheimmittel, von dem man indessen doch weiß, daß es
im Wesentlichen aus einer gelatinirenden, durch ein neues Verfahren
geruchlos gemachten Lösung von pensylvanischem Petroleumparaffin besteht,
hat den Vorzug vor anderen pflanzlichen und animalischen Fetten, daß
es nicht ranzig wird. Dagegen scheint es alkalischer Natur zu sein.
Wenigstens, daß es den Huf weich macht, also den Hufleim mehr oder
weniger löst, rühmen ihm ja die eigenen Verehrer nach. Und damit
enthebt es also die Marksubstanz der Hornröhrchen ihrer Funktion.
Organe aber, die ihrer Funktion enthoben werden, verkümmern,
das ist eine unbestrittene Thatsache, von welcher Ausnahmen in der Natur
nicht vorkommen.
Das würde also auch gegen die Substanz „Vaselin" sprechen; da
dieselbe aber in der „Vaselinsalbe" wahrscheinlich mit anderen Fetten
verbunden ist, so dürfte es auch bei ihr an Säurebildung nicht fehlen.
Man sieht danach leicht ein, was die neuerliche Theorie, „man müsse
dem Huf zunächst durch Waschungen, Bäder rc. Feuchtigkeit zuführen
und ihm dann durchs Einfetten dieselbe erhalten", werth ist.
Indem man die Natur zu bevormunden sucht, überhebt man sich
offenbar, eine bessere Fett- und Nährsubstanz, als sie der Organismus
durch seine Werkzeuge, die Nerven, Blutgefäße und Zottendrüsen, erzeugt,
ihm direkt liefern zu können.
Dem gegenüber halte ich daran fest, daß ein gesunder Huf, um
gesund zu bleiben, neben tüchtiger Bewegung und dem dafür erforderlichen
Schutz gegen Verletzung und Abnutzung mittelst eines rationellen Beschlages,
nichts weiter bedarf, als Reinlichkeit mittelst kühler Waschungen und eine
trockene, weiche Streu im Zustande der Ruhe. Daß aber die Waschungen
und Massirungen der Unterschenkel (von welchen die Haupt-Nerven und
zuführenden Blutgefäße der Hufe ausgehen), indem sie letztere naturgemäß
erfrischen und kräftigen, ebenfalls das ihrige zur Huftonservirung bei
tragen, liegt zu nahe, als daß es noch eines näheren Beweises bedürfte.
In Nr. 3 des „Hufschmied" Dresden 1883 S. 43 wird eine Geschichte
von 2 Rittmeistern ein und desselben Kavallerie-Regiments angeführt,
von welchem der Eine die Hufe der 130 Pferde seiner Schwadron das
ganze Jahr hindurch nie schmieren, der Andere dagegen die der seinen

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