Titel:
Die Bein- und Hufleiden der Pferde
Personen:
Spohr, Peter Wikipedia
PURL:
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schieden ab. Dasselbe ist nicht nur unnütz, da sich die Ausscheidung und
Ausheilung der Geschwüre stets ohne dasselbe viel einfacher und naturgemäßer
vollzieht, sondern es ist auch schon deshalb gefährlich, weil die Stellen, an
welchen am leichtesten durch den Schnitt einige Abhülfe zu schaffen ist,
sich selten deutlich markiren. Die erste derartige Operation zieht so nicht
selten die zweite und dritte nach sich, und es kommt dann wohl zur Dienst
unbrauchbarkeit des Thieres, ja zum Abstehen desselben, sei es durch Starr
krampf (Tetanus), sei es durch eintretende Blutvergiftung, Wundfieber u. f. w.
Giebt ungewöhnliche Schmerzhaftigkeit und Schwellung des Hufes
in der Gegend der Krone, des Strahls oder der Sohle zu der Vermuthung
eines Hufgeschwüres Veranlassung oder zeigt sich schon Eiter am Kronen
saum oder in der Sohle, der weißen Linie rc., so lasse ich zunächst den
leidenden Huf nach sofortiger Entfernung des etwa vorhandenen Eisens
in Wasser von 22° R. eine Stunde lang baden und denselben dann incl.
Unterschenkel in die mehrfach geschilderten feuchten Wickelungen, wozu das
Wasser zu 18 °R. genommen wird, mit wollener Ueberdeckung einschlagen.
Im Entzündungs-Stadium muß darauf geachtet werden, sobald das Thier
die steigende Hitze der Einwicklung durch Unruhe, Stöhnen rc. zu
erkennen giebt, sofort wieder ein '/,stündiges Bad, wie oben, ein
treten zu lassen, worauf wieder Wickelung u. s. w. folgt. In der Regel
ist nach 1, 2—3 Tagen die Eiterung im Gange. Der Eiter aber bricht
sich dort Bahn, wo das Organ sich seiner am leichtesten entledigen kann,
bei tiefer sitzenden Geschwüren durch den Strahl oder die weiße Linie,
bei höher sitzenden durch die Ballen oder die Krone.
Die Behandlung besteht von da ab nur in 3 maliger täglicher Er
neuerung der feuchten Packungen mit Wasser von 18 bis allmälig 16 ° R.
herab und nachfolgenden kurzen Bädem (im Stadium der Eiterung von
20—18" R.) Etwaige Wucherungen werden durch Abspritzungen mit
brunnenkaltem Wasser (7—8"R.) und kühlere Wickelungen (14—12" R.)
leicht beseitigt.
Diese ganze Eiterung geht vollständig unschädlich auf diesem Wege
von Statten, und meist nimmt die gesammte Behandlung bis zur Heilung
8—14 Tage in Anspruch. Ich habe mich aber durch Vergleiche mit
andersartiger Behandlung überzeugen können, daß dieser Weg, ganz ab
gesehen von seiner Sicherheit, indem er stets zur Heilung führt, auch der
relntiv kürzeste selbst in denjenigen Fällen ist, wo die Heilung eine
längere Zeit in Anspruch nimmt. Die längste Behandlung einer inner
lichen Hufvereitemng, die mir jemals vorgekommen, betraf ein Arbeits
pferd des Artillerie-Depots Mainz. Diese Pferde werden bekanntlich aus
ausrangirten Truppenpferden ergänzt. Gegen Ende September 1875 erlitt
das damals 14jährige Pferd Kaffer eine so starke Beschädigung der Krone,
(Trennung der ganzen äußeren Wand von der Fleischkrone her), daß nach
wenigen Tagen der Behandlung die Abnahme der äußeren Wand des
Hufes, deren Erhaltung nicht wahrscheinlich war, vorgeschlagen wurde. Ob
das Thier diese Operation mit der sich daran weiter knüpfenden Behandlung
der großen offenen Wunde mittelst verdünnter Karbolsäure rc. überstanden
haben würde, hielt ich für fraglich, zumal auch noch vermuthet wurde, daß
ein nicht unbeträchtlicher fremder Körper, Glasscherbe oder Nagel rc. in
den Huf eingedrungen sei. Ich ließ daher die Wasserbehandlung (wie
oben) unbeirrt fortsetzen, unter deren Einfluß bei baldigem Nachlaß der

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