Titel:
Die Bein- und Hufleiden der Pferde
Personen:
Spohr, Peter Wikipedia
PURL:
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Schmerzen und unter flottem Fortgange der Eiterung sich zunächst die
äußere, später auch die innere Hornwand allmälich ablöste, während von
der Krone her schon neues normales Horn sich bildete. Ein fremder
Körper wurde nicht ausgestoßen, obgleich die lang andauernde profuse
Eiterung auch bei mir zeitweise die Vermuthung, daß ein solcher im
Innern des Hufes vorhanden sei, hervorrief. Die ganze Behandlung
dauerte bis Anfang Mai 1876, also etwas über 7 Monate, wobei sich
der Huf total erneuerte und ganz normal wurde. Das Thier that dann
noch bis zum September 1879 seinen schweren Dienst beim Depot und
wurde 18 jährig ausrangirt, weil es im Ziehen nachließ.
Ich glaube, daß die im September 1875 vorgeschlagene Operation auch
im besten Falle, da die ganze Wand von der Krone her sich auch dann
hätte erneuem müssew, schwerlich ein gleich schnelles Resultat bei
dem 14jährigen Thier erreicht haben würde.

XX. Lose Wan-, hohle Wan- (getrennte Wände).
Lose oder hohle Wand nennt man die Trennung der Horuwand
von der Sohle in der weißen Linie.
Dieser Fehler hängt stets mit dem Beschlag zusammen, sei es, daß
die Trennung der Wand durch den Versuch, Zwanghus auf mechanischem
Wege (s. XIV) zu beseitigen, herbeigeführt, sei es, daß die weiße Linie
durch zu viele und zu starke Nägel in größerer Ausdehnung gestört ist,
sei es endlich, daß die Eisen zu breit gerichtet wurden oder zu lange liegen
blieben. Im letzten Falle giebt das sogenannte Ueberwachsen der Wand
über den äußeren Rand des Eisens oft zu solchen Trennungen Veranlassung.
Die Kur ist einfach und besteht im Wegschneiden des getrennten
Wandtheils möglichst bis dahin, wo die Verbindung der Wand wieder
gut ist. Es ist günstig, unterhalb dieser weggeschnittenen Stelle das
Eisen etwas breiter zu machen und den äußeren Sohlenrand mäßig am
Tragen Theil nehmen zu lassen. Auch Barfußgehen erweist sich, falls
der Huf sonst dazu geeignet, als günstig.
Zur Beförderung des Hufwachsthums dienen feuchte Wickelungen und
Bäder, welche sich auch hier am besten auf die Unterschenkel mit erstrecken.
Auf diese Weise wächst der Huf bald nach, und bildet sich dann wieder
ganz feste Wand.
Fehlerhast ist das so oft geübte Einlegen von in Theer oder künst
licher Hufmasse getränkten Wergbauschen, das Ausschmieren der Risse
mit derartiger Masse u. s. w. Alle diese Einlagen verhärten sich und
wirken dann als sprengende Keile. Ich habe sehr bedeutende Trennungen
auf diese Weise entstehen sehen. Bei einem Pferde des Oberstlieutenant V.
in M. hatte sich nach längerer derartiger fehlerhafter Behandlung im
Jahre 1878 an einem Vorderfuß die gesammte Tracht der äußeren Wand
in einer bis 2 em unterhalb der Krone reichenden Höhe losgetrennt. Ich
ließ die Wand bis zu dieser Höhe wegschneiden, das Pferd einige Zeit
bei feuchten Wickelungen rc. auf weicher Streu stehen, später barfuß an
der Hand bewegen, wobei natürlich an der äußeren Seite des betreffenden
Hufes vorwiegend die Sohle trug.

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