Titel:
Der Milzbrand, eine unter dem Rindviehe, den Pferden und Schweinen häufig herrschende Seuche und deren sicherstes Heilmittel
Personen:
Weber, Georg Adolf Wikipedia
PURL:
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Nacht der im Stalle sich befindende Schweizer einen heftigen
Schrei von demselben Ochs, und als er zu ihm eilte, fand er
das Thier todt. — Besonders bemerke ich noch, daß die
furchtbare Krankheit in meiner Schafheerde ausgebrochen war,
und ich verlor bisweilen in einer Woche 18 Stück. Ich gab
auch jedem einzelnen Schafe von dem empfohlnen Heilmittel
ein zur Vorbauung, wie ich es won Ihnen tsörte, und seit der
Zeit habe ich unter den Schafen bis jetzt keine Spur dieser
bösartigen Krankheit gemerkt" * **)). —

Der Bürgermeister Ringshausen zu Nidda theilte folgen-
des Schreiben über den Erfolg des beim Milzbrand angewen-
deten Heilmittels, welches derselbe durch mich erhielt, mit,
aus welchem ich nur das Wesentliche hier mittheilen will.

95) Der Wittwe Christoph Wilhelm Orths erkrankte eine
Kuh am Milzbrände; dieselbe stand da mit gesträubtem Haar,
den Kopf bis zur Erde hängend, hatte trübe, sehr geröthete Au-
gen, kalte Ohren und Hörner, eiskalte, aber mit dickem Schleim
überzogene Nase, und gab, als sie gemolken werden sollte, keine
Milch; genug die Kuh verrieth alle Kennzeichen -des Milz-
brandes. Sie erhielt alle Viertelstunden eine Gabe des Heil-
mittels, jedoch dauerte es 2 Stunden, ehe sie sich wieder munter
umsah und besserte, so daß 8 Gaben nöthig wurden, während
welcher Zeit ich mich nicht von ihr entfernte, um genau beob-
achten zu können, wie ihr das Heilmittel bekäme. Nach Ver-
lauf von 2 Stunden sah sich das Thier auch nach dem Kalbe
um und zeigte auch wieder Freßlust. Da aber die Freßlust
nicht so wiederkehren wollte, wie früher, so befahl ich, dem
Thiere gestoßenen Schwefel zu geben, worauf die Kuh bis
zum andern Tage hergestellt war").—

96) Den 22. Mai kam Wilhelm Döpfer zu mir mit
der Anzeige, er habe eine kranke Kuh. Ich begab mich so-
gleich zu ihm und fand die Kuh ausgestreckt im Stalle lie-
gen mit allen Kennzeichen des Milzbrandes, welche Krankheit
mir recht wohl bekannt ist, da ich sie leider oft in meinem

*) Dies würde ebenfalls ein Beweis sein für meine Behauptung,
daß bei einem sorgfältigen Gebrauch des Anthracin's der Milzbrand zu
verhüten ist.

**) Dieses Beispiel beweist, wie wenig man sich auch selbst auf
die Verständigern unter den Menschen verlassen kann- Warum wurde
nicht Anthrax fortgegeben, alle 2 — 4 Stunden eine Gabe? Auf solche
eigenmächtige Eingriffe in meine angegebene Behandlungsart mag manch-
mal noch der Tod da erfolgen, wo bereits Rettung eingetreten war; —
oder es erfolgt gar keine Wirkung des Mittels ! —

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