Titel:
Wörterbuch der Thierheilkunde ; Zweiter Band von F bis K
Personen:
Hurtrel d'Arboval, Louis Henri Joseph Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN663995523/3/
Falere; eine den Schlafen eigenthümliche Krankheit. DaS Wort
ist catalonischen Ursprunges, und bedeutet Geschwindigkeit, Behendigkeit.
Man bezeichnet damit in Frankreich eine Krankheit, an welcher die Schaafe
ungemein geschwind sterben. Sie wurde bis jetzt nur im mittäglichen
Frankreich, und besonders im Departement der östlichen Pyrenäen beob
achtet, wo sie enzootisch herrscht, und jährlich große Verheerungen anrich
tet. Tessier hat dieselbe an Ort und Stelle beobachtet, und berichtet
darüber Folgendes:
Die Falere hat so schnelle Wirkung, daß das davon befallene Thier
ohne allen sichtbaren Uebergang von dem Zustande der Gesundheit tödt-
lich erkrankt, und nach 1—2 Stunden stirbt. Nur in wenigen Mona
ten des Jahres hört diese Landplage auf, den Heerde» Abbruch zu
thun; die schlimmsten Jahreszeiten sind aber Frühling und Herbst, wah
rend der Winter gefährlicher ist, als der Sommer. Die Merinos wer
den so gut davon befallen, wie die Landschaafe, die Böcke so gut, wie
die Schaafe; kein Alter bleibt verschont. Die Falere ist auf den Ber
gen nicht einheimisch und kömmt in Roussillon, am häufigsten in dem
Küstenstrich La Salamanque vor, wo jedoch einige Gemeinden frei da
von sind. Sobald die Thiere aus dieser Gegend in eine andere geschafft
werden, bleiben sie von der Krankheit frei, was darauf hinzudeuten scheint,
daß sie durch eine plötzlich eintretende und ganz an die Lokalität gebun
dene Ursache herbeigeführt werde. Contagiös ist sie nicht.
Die Thiere gerathen bei'm Erkranken plötzlich in einen Zustand
von Betäubung, halten den Kopf niedrig, wanken, stolpern, versuchen manch
mal zu harnen, fallen auf die Kniee und stehen wieder auf, um von
Neuem hinzutaumeln. Sie sehen und hören nicht mehr und haben hef
tige Convulsioncn in Augen und im Kopf. Sie fletschen die Zähne, und
das Athcmholcn wird sehr mühselig; der Leib schwillt auf; ein zuweilen
schaumiger Schleim fließt zum Maule heraus; durch de» Aster gehe i
flüssige und grünliche Exkremente ab; das^Thier verendet bald, meist nach
1 Stunde, öfters nach 2, höchstens 6 «stunden. Die Auftreibung des
Leibes macht noch nach dem Tode Fortschritte.
Worte-buch der Thierheilkuiire II. Bd.

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