Titel:
Wörterbuch der Thierheilkunde ; Zweiter Band von F bis K
Personen:
Hurtrel d'Arboval, Louis Henri Joseph Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN663995523/457/
die freie Luft bei dergleichen unglücklichen Veranlassungen selbst sehr wohlthä
tig und daß selbst ein bedeutender Kältegrad weniger schädlich wird, als
die vergiftete Atmosphäre der mit kranken Thieren überfüllten Ställe.
Fürchtet man übrigens die Nachtheile einer zu strengen Jahreszeit, so kann
man Schoppen benutzen, oder mit wenig Kosten Schirme von Brettern
oder St oh, oder Hütten von Lehm oder Holz aufführen, wobei man sich
ungleich besser stehen wird, als wenn man die Thiere in den verpesteten
Ställen laßt. Will man sich zu diesen wenig kostspieligen Bauten durch
aus nicht entschließen, und auch die Thiere nicht im Freien lassen, so hat
man wenigstens die ersten Paticuten nicht in einen andern Stall zu trans-
portiren, sondern man muß sie lieber lassen, wo sie sind, und die Thiere,
welche zwar mit den Kranken communicirt, aber noch keine Zeichen von
Ansteckung zu erkennen gegeben haben, der Ortsveränderung unterwerfen.
Hierauf hat man jede Art von directer oder indirecter Gemeinschaft zwi
schen den gesunden, verdächtigen und wirklich krnken Thieren zu vermei
den, und von den ersten alle Gegenstände zu entfernen, welche bei den andern
gebraucht werden, so wie man denn auch nicht einmal Futter aus den
kranken Ställen in die der gesunden Thiere transportiren darf. Eben so
wenig dürfen die Leute, welche das kranke Vieh zu besorgen haben, in die
Ställe des gesunden gehen.
Das Böse liegt indeß zuweilen auch hier dem Guten sehr nahe, und
wenn eine Epizootie in einer Gegend vollkommen ansgebrochen ist, so
dürfte, rucksichtlich des allgemeinen Interesses, wenig Vortheil dabei her
auskommen, wenn man die Individuen so vollkommen von einander ab
sonderte. Es ist gewiß, daß in allen Ställen, wo das Uebel Eingang
findet, nicht leicht ein einziges Thier, so" gut man es auch immer abge
sondert haben mag, verschont bleibt; man erlangt durch die Jsolirung fast
nichts, als daß die Krankheit etwas später eintritt. Wenn nun aber
durch die strengste Jsolirung kein anderes Resultat erreicht wird, als daß
die Krankheit später ausbricht, dieselbe aber nicht dadurch verhindert
wird, so scheint es uns keineswegs angemessen oder unbedenklich, die Dauer
einer Epizootie auf diese Art zu vermehren (Dieses könnte doch nur bei
ansteckenden Epizootie» der Fall seyn, bei welchen der vernünftige Tnier-
arzt die Separation nur insofern, als sie ohne drückende Maaßregeln mög
lich ist, anrathen wird, in welchen sie aber, wo nicht ganz zu unter
lassen, doch in den wenigsten Fällen rathsam seyn dürfte, weil die Erfah
rung uns lehrt, daß doch auch häufig Thiere von der Wirkung der epi
zootischen Einsiüsse ftei bleiben). Wäre es nicht besser, wenn man
gleich die sämmtlichen Thiere eines Stalles von dem Krankheitsstoss
durchdringen und sie dann m mehrere Stalle vertheilen ließe, wo sie die,
ihrer Genesung förderliche gesunde Luft funden (Das hieße bei impsba
ren Krankheiten die natürliche Ansteckung befördern, ein Verfahren, wo
durch ehemals bei den Schaafpocken viel Unheil angestiftet worden ist).
Man muß sich wohl hüten, das in diesem Falle so häufig angewandte
Verfahren, den Kranken mit Schütten Stroh oder langem Mist zu um
geben, und auf diese Art das arme Thier in einen Winkel abzusperren,
dessen Fenster und Thür man möglichst hermetisch schließt, in Ausübung
zu bringen,

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