Titel:
Wörterbuch der Thierheilkunde ; Zweiter Band von F bis K
Personen:
Hurtrel d'Arboval, Louis Henri Joseph Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN663995523/493/
Klauenwurm der Schaafe. 49 t
keine entschiedene Desorganisation eingetreten ist, und man gleich bei'm
Eintritte der Krankheit die Behandlung ansangt. Uebrigens nimmt diese
20 — 30 Tage, ja oft noch mehr Zeit in Anspruch. Hat man jedoch
den günstigen Augenblick vorbeigelassen, so macht das Uebel unaufhaltsam
Fortschritte; selbst wenn es gelingt, die Entzündung zu mildern, bleiben doch
der Schmerz und die Harte und Röthung um die Oeffnung des Canals
her, die fressende, stinkende, lymph - oder eiterartige Materie, welche daraus her
vorkömmt, beweisen hinlänglich, daß ein Geschwür vorhanden ist. In
diesem Falle ist eine Operation unumgänglich nöthig, welche in der Aus
schneidung des fraglichen Behälters besteht, und keine andere Vorsicht er
forderlich macht, als daß man die Geschwulst der Theile vorher hebt. Um
diese Operation nach der bei der königlichen Vetcrinarschule zu Alfort üblichen
Methode vorzunehmen, fangt man damit an, daß man einen Längseinschnitt
macht, der an der Oeffnung des Canals beginnt, und sich mehr oder we
niger hoch erstreckt. Man laßt alsdann die beiden Klauen weit ausein
anderhalten, drückt das Ende des Scalpclstiels zwischen die Kronenbeine,
um das über dem auszuziehenden Körper liegende Zellgewebe zu zerrei
ßen, und ergreift, sobald der Sack sichtbar ist, denselben mit -dem Ausheber
(erigne) oder der Pincette, zieht ihn heraus, schlägt ihn nach Außen um, und
schneidet ihn an dem Puncte ab, wo sich die Haut umbiegt, um ihn zu
bilden. Sobald die Ursache des Uebels aufhört, beschrankt sich die Ent
zündung auf diejenige, welche von der einfachen frischen Wunde herrührt.
Sie hat demnach auch einen günstigen Verlauf, und schon nach wenigen
Tagen hinkt und leidet das operirte Schaaf weit weniger als vorher.
Es wird nicht nur vollständig geheilt, sondern auch durch die Exstirpation
des Organs vor jedem Rückfall gesichert.
Ist das Uebel mit der Klauenseuche, mit dem Losgehen eines Theils
des 'Hornschuhs, und mit Vereiterung der unter dem Hornschuh liegenden
Theile complicirt, so ist die Sache mit der Ausreißung jenes Canals nicht
abgethan, sondern man muß alsdann aus die im Artikel Klauenseuche an
gegebene Weise das ganze Stück der Hornwand, welches sich losgegeben
hat, amputiren und die vereiterten Stellen mit Höllenstein ätzen.
Mag nun die Operation einfach oder complicirt seyn, so legt man
immer den ersten Verband an, ohne das Innere der Wunden zu rei
nigen, und trocknet nur das Blut ab, welches sich über die benachbarten
Theile verbreitet, haben dürfte. Auf die Einschnitte legt man graduirte,
und mit Branntwein getränkte Bäuschchen, und bedeckt den Rest des Fu
ßes mit Compressen, die mit gesalzenem und mit Weinessig gesäuertem
Wasser befeuchtet sind. Dann legt man eine Werchschicht auf, und halt
diese mittelst eines Lappens nieder, den man lieber mit einigen Nadelsti
chen, als mit Bindfaden oder einer andern Ligatur befestigt; weil die
letztere den Theil so zuschnüren dürfte, daß Brand entstehen
könnte.
Uebrigens muß das operirte Thier sorgfältig und regelmäßig verbun
den, mäßig gefüttert, mit reinem Wasser getränkt, und so lange im Stalle
gehalten werden, bis es sich des kranken Fußes gehörig bedient. Auch
sind Clystire und Tranke von lauem Wasser mit Weinessig versetzt an
gezeigt.

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