Titel:
Wörterbuch der Thierheilkunde ; Zweiter Band von F bis K
Personen:
Hurtrel d'Arboval, Louis Henri Joseph Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN663995523/580/
578 Krankhafte Erscheinungen.
schenden dynamischen Verhältnisse des Lebens auf eine Art bezeichnen, die
meistens zuerst in's Auge fallt.
2) Wer aber überhaupt aus den willkürlichen Bewegungen, Stel
lungen, Lagen u. s. s. den Gesundheits- und Krankheitszustand der Thiere
beurtheilen soll, für den ist fteilich eine nothwendige Bedingung, die Haus
thiere sowohl in den Stallen, als auf der Waide, einzeln, wie in ganzen Heer-
den, bei'm Austriebe, und bei der Heirnkehr, im Stehen, Springen, Lie
gen, Grasen, Wiederkäuen, bei'm Harnen und Misten, im Begattungs
und Geburtsacte, bei'm Säugen rc. fleißig und aufmerksam zu beobach
ten, um die Thiere in allen diesen Verhältnissen ihres einfachen Le
bens kennen zu lernen. So soll der polizeiliche Arzt, der mit Seuchen zu
thun hat, ganze Heerden übersehen, um schon aus diesem Ueberblicke ir
gend ein vorläufiges Urtheil fallen zu können. Es wird, z. B., unter die
Merkmale einer gesunden Schaafheerde gehören, wenn nicht hier und da ein
zelne Stücke zurückbleiben; eine ganz gesunde Heerde wird bei'm Heraus
laufen aus den Ställen sehr munter sich zeigen, die Schaafe werden ha
stig hintereinander hervordrängen, und frisch über Gräben und Hecken
hinwegsetzen; ein abgefangenes Stück wird mächtig sich sträuben, und kräf
tigen, Widerstand leisten. Alle Merkmale dieser Art lassen sich besser durch
eigene Anschauung erkennen, als beschreiben.
3) Wichtig ist die Beobachtung jener willkürlichen Bewegungen,
welche als Reactionen gegen einen, auf was immer für empfindliche
Organe angebrachten Reiz ausgeübt werden. Man bringt solche Reize
absichtlich an, um aus den darauffolgenden Bewegungen auf die Ge
genwart oder Abwesenheit des thierischen Bewußtseyns zu schließen. So,
z. B., fährt man mit der Hand schnell vor dem Auge vorüber, ruft dem
Thiere laut zu, fährt mit dem Finger in das Innere der Ohrmuschel,
tritt mit dem Fuße auf die empfindliche zellig-adrige Krone des Hufes,
der Klauen u. s. f. Ze weniger hierauf irgend eine abwehrende willkür
liche Bewegung folgt, desto größer ist die Abstumpfung der Sinne, oder
desto geringer die sensible Thätigkeit überhaupt.
4) Dieser Torpor der Sinnesthätigkeit und des Gemeingefühles ist
gewöhnlich auch deutlich genug durch die Stellung des Thieres aus
gesprochen. Thiere, deren Sinnentbätigkeit frei und lebhaft wirkt, stehen
mit etwas aufgerichtetem Halse und Kopfe, sehen sich nach jedem fremden
Gegenstände um, bewegen ihr äußeres Ohr dahin, von wo ein Schall
herkommt, wittern u. dgl. m.^ Bei gefunkenem oder unterdrücktem Ge-
meingcfühle aber stehet das Thier ganz traurig und still, wechselt nur sel
ten seine Stellung und drückt dadurch ein Vergessen seiner selbst und
eine völlige Achtlosigkeit der Außendinge aus. Jede Stellung der Art
deutet demnach entweder auf ein besonderes Leiden des Cerebral-Nerven
systems, oder auf Unterdrückung der Lebensthätigkeit bin. Es ist daher
in höheren Graden des Entzündungssiebers ein Zeichen von weit gediehe
ner scheinbarer Schwäche, wenn die Thiere mit sehr tief herabgesunkenem
Kopfe und Halse traurig und vergessen dastehen; man bemerkt zugleich ein
sehr nahes Aneinanderstellen der Hinterfüße, so daß die Sprunggelcnke sich
berühren (kühfüßige Stellung', und wenn man die Thiere zur Bewe
gung zwingt, einen äußerst matten, schwankenden, trägen und schleppenden

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