Titel:
Wörterbuch der Thierheilkunde ; Zweiter Band von F bis K
Personen:
Hurtrel d'Arboval, Louis Henri Joseph Wikipedia
PURL:
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592 Krankheitsanlagen.
enden ist dar Rind zu ähnlichen Leiden disponirt, wie das Pferd, nur
daß diese Leiden, wegen der Spaltung des Hufes in zwei Klauen, theils
wilder werden, theils eine veränderte Gestalt gewinnen.
3) Im Vergleiche mit den übrigen Hausthieren giebt sich auch im
Normalzustände am Schaafe ein gewisser Grad von physischer Schwache zu
erkennen. Bei vorwaltender Verwendung der bildenden Lebensthätigkeit zur
Vegetation der Wolle, geringerer Energie der irritablen Organe, großer Em
pfindlichkeit gegen Hitze, Frost, Nasse, Futlerwechsel u. dgl. und geringer
Ausdauer in der Ortsbewegung sind diese Thiere vornehmlich geneigt zu
fauligen Krankheiten, zu wässeriger Dyscrasie der Blutmasse, zu Wurm
erzeugung und Afterbildungen und zu mannigfaltigen, sowohl hitzigen,
als chronischen Krankheiten der Haut, in welcher die Sensibilität verhalt-
nißmaßig mit der vegetativen Lebensthätigkeit höher als in andern Thieren
gesteigert ist.
4) Bedeutend abweichend von jener aller übrigen Hausthiere ist die
Art, wie das Leben im Schweine sich äußert. Ungeachtet dieses Thier
zwischen den fleisch - und pflanzenfressenden mitten inne steht, scheint
es sich doch, bei der geringfügigen Herrschaft des höhecn Nervensystems,
auf einer viel tiefern Stufe der Animalität zu beflnden, wie denn auch
die in ihm am sichtlichsten vorwaltende Reproduction am meisten auf Fett
bildung gerichtet ist. In der That ist die dicke Fettlage unter seiner
Haut ein so sehr von dem dynamischen Kreisläufe geschiedenes Secretions-
prvduct, und der Wechsel der Stoffe in derselben so geringfügig, daß auch
die sensible Thätigkeit der Haut darunter erliegt. Mit diesem Vorwal
ten einer die niedrigste Stufe des plastischen Lebens bezeichnenden Secre-
tion ist auch eine geringere Energie alles Reactionsvermögens verbunden,
und darin liegt auch der Grund der häufigen Afterbildungen und Wurm
erzeugung, die dem Schweine so eigen ist. Eben deßhalb neigen sich auch
seine entzündlichen Leiden zu schnellem Uebergange in den fauligen Zu
stand; eine besondere Neigung zu heftigen Leiden des Halses scheint in
dem Baue der engen Luftwege begründet zu seyn.
5) Die höchste Aeußerung der Animalität findet sich, wie in den fleisch-
stessenden Thieren überhaupt, so unter den Hausthieren zunächst im Hunde,
indem in diesem Thiere, außer der ungemeinen Regsamkeit aller irritablen
Systeme, auch die Sensibilität eine bedeutendere Herrschaft gewinnet, und
mit dem relativ größeren Uebergewichte des Hirnes und Rückenmarkes
auch eine viel bedeutendere Mannigfaltigkeit thierischer Gemüthsregungen her
vortritt. Daher ist der Einfluß heftiger Leidenschaften auf die Entste
hung mancher Krankheiten hier ungleich wirksamer als bei den übrigen
Hausthieren, und die, wenn auch entfernte, doch unverkennbare Aehnlich-
keit, welche zwischen so manchen Krankheiten des Menschen und dieses
seines Sclaven und Gefährten bestehet, kann auch nur einzig und allein
in der Organisation des Nervensystemes ihre Ursache haben, die bei'm
Hunde eine solche Regsamkeit des sensiblen Lebens begründet, wie sie nicht
leicht bei einem andern Hausthiere zu bemerken ist.
Darin beruhet auch die auffallende Anlage des Thieres zu mannig
faltigen nervösen Krankheiten, nicht selten in denselben Formen (Ehorea,
Epilepsie, Eonvulsionen u. s. f.), wie sie sich bei'm Menschen zeigen,

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