Titel:
Entwicklungsgeschichte des Kaninchen-Eies
Personen:
Bischoff, Theodor Ludwig Wilhelm Wikipedia
PURL:
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Geheimniss gehüllt sey, und es ist vielleicht kein Gegenstand so oft als Beweis und Merk
mal der Schwäche menschliche*' Forschung und Erkenntniss benutzt worden, als dieser. Es
mussten erst grosse Vorarbeiten gemacht und die Untersuchungen der Naturforscher erst
einen ganz andern Gang angenommen haben, ehe sie vorbereitet seyn konnten, auf die
hier stattfindenden Vorgänge in ihrer äussersten Zartheit und Kleinheit, und doch entschei
denden Wichtigkeit aufmerksam zu seyn. Die Frucht wurde aber reif, und wie es denn
oft zu gehen pflegt, es finden sich dann gleichzeitig Mehrere mit dem gleichen Streben, sie
zu brechen. Es wäre sehr zu wünschen, dass ein so schwer und spät erreichtes Ziel so
gleich zu einem sichern Besitze der Wissenschaft werden möchte, und es War einer der
Hauptbestimmungsgründe des Verfassers, seine Arbeit unmittelbar dem Urtheile hochbe
währter Männer zu unterwerfen, um wo möglich einen solchen sicheren Besitz zu erzielen,
als es sonst in der Regel die Arbeit eines Einzelnen, im Widerspruch mit der anderer
Einzelner, zu erreichen vermag.
Der Verfasser hält es aber für passend, hier zur Einleitung den historischen Stand
punkt hervorzuheben, auf welchem seine Untersuchungen sich bewegen, und durch dessen
Beleuchtung nach seinen allgemeineren Bedingungen das eben Gesagte näher erläutert wird,
während das speciellere Eingehen in die Arbeiten der Vorgänger, der specielleren Unter
suchung vorbehalten bleibt.
Eine Entwicklungsgeschichte des Säugethier- und Menscheneies können wir nicht wohl
weiter als bis zu Regner De Gr aas datiren, da das, was man früher von den Eihüllen
und den Embryonen derselben wusste und kannte, kaum so genannt werden kann, auch
nur allein Zeiten betrifft, in welchen das Wesentliche und Wichtigste längst abgelau
fen war. De Gr aas legte in seiner Abhandlung »De Mulierum organis« durch genauere
Beschreibung der nach ihm genannten Bläschen der Eierstöcke und durch erfahrungsmä-
fsige Nachweisung, dass von ihnen das weibliche Zeugungsmaterial geliefert werde, nicht
nur überhaupt den Grund zu dem unentbehrlichen Ausgangspunkte aller hierhin gehörigen
Untersuchungen, sondern wir finden ihn auch sogleich selbst mit solchem Glücke auf der
eröffneten Bahn thätig, dass man fast behaupten kann, es fehlten ihm nur wenige unent
behrliche Hülfsmitttel, um Hauptfragepunkte auch sogleich zur Entscheidung gebracht zu
haben. So aber blieben gar zu wichtige Zweifel übrig. Hatte er gleich dargethan, dass
die Eierstöcke und die in ihnen bemerkbaren Bläschen den weiblichen Zeugungsstoff ent
halten, so wollten doch seine eigenen Untersuchungen, bei welchen er das sich entwickelnde
Ei kleiner fand, als jene Bläschen des Eierstocks, sich nicht damit in Uebereinstimmung
bringen lassen, dass jene Bläschen die weiblichen Eier seyen. Seine Gegner, namentlich
Leeuwenhoek und Valisneri, brachten es bald dabin, dass man seine Lehre von einem
Eie der Säugethiere und des Menschen vor der Befruchtung ausgab, und als endlich Haller
und sein Schüler Kuhlemann durch viele und sorgfältige Versuche zu demselben Resul
tate kamen, da wurde die Lehre immer sicherer, dass in diesen höchsten Sphären der
thierischen Organisation das Ei und der Embryo erst nach der Befruchtung aus dem formlos
Flüssigen hervorgehe, und immer mehr entfernte man sich von der Möglichkeit, die plötz-

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