Titel:
Entwicklungsgeschichte des Kaninchen-Eies
Personen:
Bischoff, Theodor Ludwig Wilhelm Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN669016810/13/
liehe Entstehung eines solchen Eies und Embryo’s in beträchtlichen Grössenverhältnissen
irgendwie erklären zu können. Die wenngleich sehr genauen Beobachtungen Cruikshank’s,
des Ersten, der die Eier des Kaninchen auf dem unbekanntesten Wege, - im Eileiter, be
stimmter auffand, vermochten gegen solche Autoritäten nichts, und standen auch zu isolirt und
zu wenig durch allgemeinere Kenntnisse der Entwicklungsgeschichte unterstützt da. Auch
die ersten Arbeiten unsers Jahrhunderts auf diesem Gebiete waren für die Hauptsache
nicht entscheidender. Prevost und Dumas förderten zwar den Gegenstand bedeutend.
Ihre Untersuchungen liessen zuerst die Idee möglich werden, dass doch einige Analogie
zwischen der Erzeugung und Bildung der Säugethiere und der Menschen, und der inzwi
schen genauer bekannt gewordenen anderer Thiere, stattfinde. Allein auch sie fanden das
Ei bei ihren Versuchen mit Hunden erst eine geraume Zeit nach der Begattung auf einmal
in einer Form, die aus dem Eierstock nicht abzuleiten war, und für sie selbst, wie für
Andere, blieb die wahrscheinliche flüchtige Beobachtung des Eies im Eierstock ohne Folgen
und unbemerkt.
Allein jetzt war auch der Mann gebildet, von welchem endlich der gordische Knoten,
der die Zeugung des Menschen und der Säugethiere gleichsam abgeschlossen erhielt, gelöset
wurde. Karl Ernst von Baer, unsterblich schon durch seine Leistungen in der Ent
wicklung-Geschichte des Vogels, entdeckte im Jahre 1827 das unbefruchtete Säugethierei
im Eierstocke und beschrieb dasselbe, so weit er es überhaupt kennen lernte, genau und
ausführlich. Ich lege auf diese Entdeckung ein sehr grosses Gewicht. Sie fiel zwar keines
wegs unvorbereitet vom Himmel herunter, allein sie war ebensowenig eine leichte und von
Jedermann zn machende. Wir finden zwar das Eichen jetzt leicht, weil wir wissen, dass
es da ist; allein man lasse es nur Jemanden, der es noch nie gesehen hat, trotz dieser
Sicherheit, zum ersten Male suchen, und man muss den ersten Finder gewiss schon in
dieser Hinsicht bewundern. Die Entdeckung ist aber noch wichtiger in ihren Folgen; denn
nimmermehr war eine Auffindung und Aufklärung des eben befruchteten und sich ent
wickelnden Eies möglich ohne jene Kenntniss desselben im Eierstocke, und nimmermehr
konnte man die späteren Veränderungen und Erscheinungen richtig interpretiern, wenn man
jene ersten nicht kannte. Doch v. B a er's Verdienste beschränken sich nicht allein auf
diese Entdeckung des Säugethiereies. Wir werden sehen, wie er auch die meisten und wich
tigsten Entwicklungsvorgänge desselben vollkommen richtig erkannte, und zwar bis jetzt er
ganz allein. In dem zweiten Bande seiner Entwicklungs - Geschichte liegt ein Schatz der
allervortrefflichsten und schwierigsten Untersuchungen begraben, den Wenige zu kennen
scheinen, weil er in sehr unscheinbarer Form aufgetragen ist. Auch ich habe ihn erst
kennen gelernt, als ich ihn gröfstentheils selbstständig gefunden, und freilich gehört das
auch zum Theil mit dazu, wenn man ihn hinlänglich verstehen will. v. Baer’s Leistungen
in diesem Werke sind um so grösser, da sie in eine Zeit fielen, wo er noch ziemlich allein
stand, und die Arbeiten Anderer ihn nicht erreichten.
Die ersten Jahre blieb v. Baer’s Entdeckung ziemlich unbeachtet; dann aber brach
sie die Bahn mit mächtigem Drange. Zuerst gerieth sie in die Hände von Loste, wel-
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