Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Erster Band (Aa - Brunot)
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nennen diese „Debalo“. Schaffleiscb und Fett
wird häufig und gern von den Abessiniern
genossen, und ebenso dient auch die Schaf
milch, aus welcher man an vielen Orten einen
wohlschmeckenden Käse fertigt, zur Ernährung
jener Völker. Frey tag.
Abessinische Ziegen (Hircus abyssinica)
(abessinisch: Tipi) kommen am oberen blauen
Nile in sehr schönen Exemplaren vor; sie
sind — nach R. Hartmann — mittelgross,
haben einen schwachkantigen Nasenrücken,
schmale, etwas nach aussen gerichtete Ohren,
lange, ziemlich glatte und ein- bis einein-
halbmal gewundene, nach aussen und hinten
gedrehte Hörner bei beiden Geschlechtern. Ihr
Rumpf ist gestreckt, mit schwachem Kiel
rücken versehen. Die Beine sind nicht lang,
aber kräftig. Der Schwanz ist nach oben ge
bogen. Haare sind lang und stehen dicht; am
Unterkiefer findet sich stets ein Bart. Ihre
Farbe ist dunkelbraun oder schwarz, zuweilen
sind sie auch grau gefärbt; es kommen auch
Schecken vor; Ohren, Augengegend und Fessel
gelenke ockergelb. Die Milchergiebigkeit ist
lobenswerth. Freytag.
Abfälle, thierische, im engeren Sinne die
unbrauchbaren Bestandtheile geschlachteter
Thiere. Es werden aber dazu gerechnet der
Inhalt des Magens und Darmes und der Harn
blase, die Hörner, Klauen, Hufe, Haare, der
Schwanz, Penis, Hoden, die weiblichen Ge
schlechtstheile, durch Krankheitsprocesse und
Parasiten entartete Eingeweide und Muskeln;
auch das Blut, der Harn und Mist, falls sie
nicht verwerthet werden, zählen bieher. Die
meisten derselben können aber zu technischen
Zwecken oder zu Dünger verarbeitet werden. Sr.
Abfallwasser. Diejenigen Stoffe, welche
in natürlich-überflüssiger Form die Fäcalien,
den Ham, das Küchen- und Wirthschafts
wasser, das Bade- und Waschwasser, die Fa
brik- und gewerblichen Effluvien, das Wasser
von den Strassen und Dächern und den Regen
in sich gemischt enthalten, bilden die Ab
fallwässer, und ist dieses Wasser in Städten
nur durch eine systematisch angelegte Cana-
lisation zu beseitigen, oder aber gesammelt
als Dünger auf Wiesen und Feldern zu ver
wenden. Dagegen wird jenes Abfallwasser in
der Haus- und Milchwirthschaft, als: Küchen
spülicht, Molken- und Käsewasser, sowie
Stärkewasser als Getränk, oder unter das Futter
gemischt für die Hausthiere verwendet. Abr.
Abfall wolle, s. Wolle.
Abführen, Abführmittel, s. Purgantia.
Abgerahmte Milch. Dieselbe, auch unter
den Bezeichnungen: abgeblasene Milch, blaue
Milch, Magermilch bekannt, wird nach den
gegenwärtigen Darstellungsmethoden im Mol
kereibetriebe entweder durch Stehenlassen gan
zer Milch nach Abnahme der nach einiger
Zeit (12—48 Stunden) oben angesammelten
Rahmschichte (s. Aufrahmungstheorie) oder
durch das Centrifugalverfahren (s. d.) gewon
nen. Sie unterscheidet sich schon äusserlich
leicht von ganzer oder Vollmilch durch mehr
bläuliche Farbe, grössere Durchsichtigkeit, auf
gehobene oder sehr geringgradige weitere

Rahmabscheidung und durch höheres specifi
sches Gewicht. Letzteres schwankt je nach dem
Charakter der Vollmilch, aus der sie erhalten,
und nach dem Ausrahmungsgrade zwischen
1 032 bis 1'OiO bei 15° C. und beträgt im
Mittel P036. Durch das Centrifugalverfahren
und eine richtig geleitete Abkühlaufrahmme-
thode erhält man sie in noch völlig süssem Zu
stande, während die alten Aufrahmsysteme ohne
Abkühlung und lange Aufrahmzeit in der Regel
neben säuerlichem Rahm auch mehr oder wenig
gesäuerte Magermilch, nicht selten sogar in
schon geronnenem Zustande liefern (s. Milch).
Eine in schon vorgeschrittener oder voll
endeter Säuerung begriffene Magermilch ist
für den Gebrauch als Nahrungsmittel und
zur Verfütterung an Thiere minderwerthiger
als süsse Magermilch, zuweilen sogar schäd
lich, wie die nach ihrem Genusse bei jungen
Absatzkälbern so häufig beobachteten Durch
fälle beweisen. Die im gewöhnlichen landwirt
schaftlichen Betriebe — bei 24stündiger Aus
rahmung — erhaltene abgerahmte Milch hat
im Durchschnitte 90'10% Wasser, 0'8—0‘7%
Fett, 3'l°/ 0 Käsestoff, 0’4% Eiweiss, 4'9 u / 0
Milchzucker und 0'8% Salze, woraus hervor
geht, dass dieselbe im Vergleiche mit Voll
milch einen höheren Wassergehalt und einen
stark verminderten Fettgehalt besitzt. Der
Wassergehalt nimmt um etwa ebensoviel zu,
als der Fettgehalt durch Rahmabnahme ver
mindert worden ist. Am fettärmsten und was
serreichsten ist daher die Centrifugenmilch,
die oft nur 0T% Fett enthält. Unterm Mi
kroskope erscheinen in der Magermilch viel
weniger Fettkügelchen als in der Vollmilch
und ausserdem fast nur die kleineren. Die
abgerahmte Milch verdient als Volksnahrungs
mittel viel mehr Beachtung als seither, denn
die darin enthaltenen Eiweissstoffe kosten
zur Zeit nur den fünften Theil von dem, was
man für die gleiche Menge in Form von Fleisch
bezahlen muss. Bei der Verfütterung von
Magermilch zum Zwecke der Kälbermästung
rechnet man im Durchschnitte einen Verbrauch
von 15—18 kg derselben zur Erzeugung
von 1 kg Lebendgewicht. Die Magermilch
kann durch Anwendung von Lab, sowie durch
freiwillige Säuerung zur Käsestoffgerinnung
gebracht werden und dient daher in der einen
oder anderen Verarbeitung auch zur Mager
käsebereitung. Feser.
Abgeschlagenheit, Torpor, ist gleich
bedeutend mit Abstumpfung der Sinnesnerven
und mangelhafter Reaction derselben. Sie
zeugt von einer allgemeinen Verstimmung des
Nervensystems und von einem ungewöhnlichen
Consum von Nervenkraft, ohne dass ein be
stimmtes Organ des Körpers erkrankt oder
eine bestimmte locale Affection zu eruiren ist.
Die Erregungs- und Leistungsfähigkeit des
Organismus ist vermindert. Wir finden die
Abgeschlagenheit als Vorboten aller fieber
haften Krankheiten oder in der Reconvalescenz,
dann auch nach Erkältungen und Ueber-
müdung, ferner bei Thieren, welche in star
kem Wachsthum, im Zahnen oder im Haar
wechsel begriffen sind, und welche ungenü-

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