Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Erster Band (Aa - Brunot)
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so viel wie: er setzt sich in Uebereinstimmung
mit der Aussenwelt. Ein an ein bestimmtes
Klima, oder an einen bestimmten Roden oder eine
bestimmte Debensweise angepasster Organis
mus, sei dies eine Pflanze oder ein Thier, hat
sich gewöhnt an die Einflüsse der Aussen
welt, mit welchen er in Berührung kommt.
Die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen und
Thiere ist eine Folge der Abänderungsfähig
keit (s. Abänderung). Die Anpassung des
Organismus oder einzelner Organe ist ent
weder functioneil (vorübergehend) oder habi
tuell (dauernd). Die functioneile Anpassung
ist die Wirkung einer vorübergehenden Ab
änderungsursache oder eines zeitweiligen Rei
zes, so z. B. passt sich das Auge an helleres
Licht an durch Verengerung der Pupille, an
dunkleres Licht durch Erweiterung derselben;
das Sehen bald ferner, bald naher Gegenstände
geschieht durch Anpassung der Linse des
Auges, indem sie bald abgeflacht (für Fern
sicht), bald vorgewölbt (für Nahsicht) wird;
das Gehörorgan passt sich an starken und
schwachen Schall an, indem das Paukenseil
bald schwächer, bald stärker angespannt
wird u. s. w. Wenn aber die Abänderungs
ursache eine beständige, oder der Reiz ein
dauernder ist, dann wird auch die Form und
Leistung der Organe und des ganzen Orga
nismus dauernd abgeändert und dem Reize
(dem Einflüsse der Aussenwelt) angepasst,
bezw. mit demselben in Uebereinstimmung
gesetzt. Man sagt dann, die Organismen —
Pflanzen und Thiere — haben sich gewöhnt
an das Klima (Acclimatisation), an den
Boden, an die Nahrung und Lebensweise. Die
habituelle Anpassung eines Organes oder des
ganzen Organismus kann vererbt werden;
die abgeänderte und angepasste Form erhält
sich in den Nachkommen um so sicherer,
je ähnlicher die Lebensverhältnisse der letz
teren denen der Eltern sind. Ein Organ oder
ein Organismus ist stets um so leistungsfähi
ger, je mehr seine Form und Leistung in
Uebereinstimmung gesetzt ist mit der Aussen
welt, bezw. je höher der Grad der Anpassung
ist. Die an ein bestimmtes Klima oder einen
bestimmten Boden angepassten Pflanzen und
Thiere vererben die durch Anpassung erwor
benen Eigenschaften um so sicherer, je länger
der Einfluss der Aussenwelt auf den Organis
mus gedauert und je mehr sich dieser mit
jener in Uebereinstimmung gesetzt, bezw. an
die Aussenwelt gewöhnt hat. Darauf beruht
der relativ grössere Werth der einheimischen
Pflanzen- und Thierrassen vor denen eines
fremden Landes. Erst wenn die Rassen eines
fremden Landes den Lebensverhältnissen einer
neuen Heimat angepasst sind, können sie ihre
volje Leistungsfähigkeit entfalten. Aber häufig
gering verändern sich die an eine bestimmte
Aussenwelt (der Heimat) angepassten Formen
und Leistungen in einem anderen Lande, so
dass der ursprüngliche Werth der aus der
Heimat in ein neues Land versetzten Pflanzen
nnd Thiere vermindert wird. Die Anpassung
an eine neue Aussenwelt, insbesonders die
Anpassung an Klima und Boden, geschieht

| um so leichter, je geringer die Verschieden
heiten sind zwischen Klima und Boden der
alten und der neuen Heimat. Auf dem Wege der
Anpassung kann der Züchter neue Formen
von Pflanzen und Thieren gewinnen. Durch
die Fähigkeit, sich veränderten Lebensbedin
gungen anzupassen, werden die Formen und
Leistungen der Pflanzen und Thiere in natür
licher Weise vervollkommnet (natürliche Züch
tung). Indem der Mensch einerseits die Ein
wirkungen der Aussenwelt auf Pflanzen und
Thiere und andererseits deren Anpassung
an jene regelt, bedient er sich der Anpas
sung bezw. Anpassungsfähigkeit der Cultur-
pflanzen und Hausthiere als Mittel für die
Zwecke der künstlichen Züchtung. Wilckens.
Anreiten im engeren Sinne bezeichnet die
zumeist schnelle Bewegung, welche der Reiter
mit dem Pferde gegen ein Hinderniss oder bei
dem Militär gegen den Feind ausführt; im
weiteren und uneigentlichen Sinne das Moment
des Beginnes der Bewegung des Pferdes unter
dem Reiter. Lechner.
Ansäe (ansa, Griff von schleifenartiger Ge
stalt, auch die Oese), Schleifen, nennt der Ana
tom die Verbindungen, Anastomosen, zwischen
benachbarten Nerven. Es werden durch dieselben
Fasern aus der Bahn eines Nerven in die eines
anderen Stammes hineingeleitet, ohne dass es
dabei zum Eintritt einer Nervenfaser (im histo
logischen Sinne) in eine andere käme. Auf
diese Weise entstehen auch die sog. Geflechte,
Plexus, welchen vielfach mikro- oder makrosko
pische Ganglien (s. d.) eingelagert sind. Sf.
Ansätze heissen ganz allgemein die Be
festigungsstellen der Muskeln und Bänder an
den zugehörigen Knochen etc. Im Speciellen
versteht man unter Ansatz eines Muskels wohl
auch nur dessen Insertion, also die Befestigung
an dem bei der Thätigkeit des Muskels in der
Regel bewegten Theile (vgl. ausserdem Epi
physen). Sussdorf.
Ansatz, Aufsatz, s. Kopfansatz, Halsaufsatz.
Ansbacher Rindvieh. Ein Viehschlag im
bayerischen Kreise Mittelsranken (auch Tries-
dorfer Schlag genannt) mit vorherrschend
weisser und dunkelroth gesprenkelter Haar
farbe; doch kommen auch roth- und schwarz
scheckige Thiere vor. Das Ansbacher Vieh
ist entstanden durch Kreuzung von friesischen
und Berner Rindern, die zuerst vorgenommen
wurde auf der markgräflichen Musterwirth
schaft zu Triesdorf. Gegenwärtig enthält das
Ansbach-Triesdorler Vieh vorwiegend Berner
Blut. Dasselbe zeichnet sich hauptsächlich
durch Zugleistung aus. Wilckens.
Anspannung des Rindes. Die zur Arbeit
verwendeten Rinder (Ochsen, Stiere und
Kühe) ziehen das Arbeitsgerät)! oder Fahr
zeug entweder am Joch oder am Kummet.
Das Joch besteht aus einem meistens gepol
sterten Holzstücke, das einfach oder doppelt
(als Doppeljoch für zwei Rinder) entweder
der Stirn oder dem Nacken aufliegt. Man
unterscheidet also einfache und doppelte Stirn-
und Nackenjoche. Die einfachen Joche, welche
einem einzelnen Thiere angepasst sind, sind

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