Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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röthlich und bräunlich. Es werden verschie
dene Arten desselben unterschieden: a) Gyps-
spath (Marienglas, Fraueneis), tafelartige kry
stallinische Massen mit blätteriger Textur,
in Steinsalz- und Braunkohlenlagern sehr
verbreitet; b) FasergypS, in Platten von fa
seriger Textur, besonders in der Formation
des Muschelkalkes vorkommend; c) körniger
Gyps von grob- und feinkörniger Textur
(Alabaster) und d) erdiger Gyps (Gypserde)
in pulverigen, theils zusammengebackenen
Massen vorkommend, durch Verwitterung
fester Gypsarten entstanden. Der Gyps wird
zu Schmucksachen, Perlen, Bildhauerarbeiten,
zur Stuccaturarbeit und zur Wiesendüngung,
auch als Polirmittel zum Putzen des Silbers
benützt. Loebisch.
Gypsbrei ist ein flüssiges Gemenge aus
einem Theil fein pulverisirten gebrannten
Gyps und aus 2—2'/, Theilen Wasser. Der
selbe wird in der Chirurgie zu Verbandzwecken,
von den Anatomen zur Füllung grösserer Ge-
fässe und von Gypsarbeitern zur Verfertigung
von Gypsfiguren n. s.w. verwendet. Bei seiner
Bereitung ist streng darauf zu achten, dass das
Gypspulver fast wasserfrei ist, was eventuell
durch längere Zeit hindurch fortgesetztes
massiges Erhitzen in ausreichendem Masse
erzielt werden kann. Das schnelle und feste
Erstarren des Gypsbreies wird lediglich da
durch bedingt, dass das zur Verwendung ge
kommene Gypspulver schnell und viel (Kry-
stallisations-) Wasser zu binden im Stande
ist. Ueber 204° erhitzter Gyps erhärtet mit
Wasser nicht mehr; ebenso erstarrt feuchtes
Gypspulver bei Zusatz von Wasser gar nicht
oder nur langsam und ungenügend. Pütz.
Gypsguss nennt man in der Chirurgie
die Umhüllung eines Körpertheiles mit Gyps
brei, der bald zu einer steinharten Masse
erstarrt. Derselbe wird im Ganzen selten, u. zw.
nur bei Knochenbrüchen grosser Hausthiere
unterhalb der Fusswurzel (oder zur Feststel
lung eines Gelenkes) verwendet; er wird in
folgender Weise applicirt: man macht ein
dem gebrochenen Knochen entsprechendes
metallenes oder hölzernes Modell, das der
Länge nach auseinandergeklappt werden
kann und 3—6 cm Zwischenraum rings um
die einzugiessende Stelle freilässt. Nachdem
hier die äussere Haut gut eingefettet ist,
wird das innen ebenfalls eingefettete Modell
angelegt, unten verstopft und demnach mit
Gypsbrei gefüllt. Nach IC—25 Minuten kann
die Hülse entfernt werden, worauf man mit
einem Messer die Ränder des Gypsgusses

glättet, resp. abrundet und diesen mit einer
Binde umwickelt, um sein Zerspringen zu
verhüten. Statt des genannten Modells kann
man auch einen oben und unten offenen Lein
wandbeutel benützen, der unten um die be
treffende Stelle zugeschnürt oder bis zum
Erstarren des Gypsbreies mit der Hand an
gedrückt werden muss (s. Fracturen). Pütz.
Gypstheer, s. Pix liquida.
Gypsum ustum, s. Calcium sulfuricum
ustum.
Gypsverband. Statt des schweren, durch
sein Gewicht und sein Volumen oft belästi
genden Gypsgusses wird meist ein Gypsver
band angelegt. Derselbe kann in verschie
dener Weise applicirt werden, indem man
eine leinene oder Gazebinde entweder mit
fein pulverisirtem gebrannten Gyps bestreut,
aufrollt und kurz vor ihrer Application in
Wasser legt, um dieselbe ganz zu durch
feuchten — oder indem man die Binde durch
frisch bereiteten Gypsbrei zieht, sofort auf
rollt und schnell auf einen entsprechenden
Unterverband lege artis applicirt. Eine Mo-
dification des einfachen Gypsverbandes ist
der sog. Gyps - Hanfschienenverband, wobei
etwa fingerdicke, entsprechend lange, lockere
Hanfbündel mit frisch bereitetem Gypsbrei
durchtränkt, dann leicht ausgedrückt auf die
vorher gut eingeölte Haut rings um die Bruch
stelle herum dicht neben einander gelegt und
danach mit einer Flanell- oder Leinwand
binde umwickelt werden. Ein derartiger Ver
band ist leichter und gelingt auch sicherer
als ein Gypsguss, da dieser nicht selten zer
springt und abbröckelt, bevor er ganz hart
geworden ist. Eine Verstärkung einfacher
Gypsverbände kann durch Aufträgen dickerer
Gypsbreirnassen auf die Aussenfläche des Ver
bandes leicht und im verschiedenen Grade
erzielt werden. — Gypshanfschienenverbände
sowie Gypsgüsse können, bevor sie ganz hart
geworden sind, mit einem Spatel oder Messer
in zwei gleiche Längshälften getheilt werden,
damit sie bequem abgenommen und eventuell
wieder applicirt werden können. Selbstver
ständlich müssen nach der Application beide
Hälften durch eine Binde zusammengehalten
werden. Pütz.
Gyratio (gyrare, im Kreise herumdrehen),
das Herumdrehen, das Kreisen; davon: die
Drehkrankheit. Schlampp.
Gyrus (yopo'?, rund, gerundet, gewunden),
die Windung; Gyrus cerebri, die Gehirn
windung. Schlampp.

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