Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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tretenden Theil des Haares über, der bei un-
yerschnittenem Haare wenigstens mittelst der
Spitze abschliesst. Den Axentheil des Haares
nimmt das Haarmark ein, ein von einer oder
mehreren nebeneinanderliegenden Reihen poly
gonaler bis flacher Zellen gebildeter Cylinder,
der sich gegen die Spitze verliert und über
haupt keinen constanten Bestandtheil des
Haares bildet, indem er den Flaum- und Woll-
haaren und dem Borstenschafte des Schweines
fehlt. Im Bereich der Wurzel rein zeitigen
Aufbaues tritt in dem Schaftmarke zwischen
und in dessen Elementen Luft in Form feiner
Striche oder Bläschen auf. Die Hauptmasse des
Haares macht die die Axe als ein Hohlcylinder
umscheidende Haarrinde aus, die durch
völlig verhornte, spindelförmige, in der Längen
richtung gestellte, theils noch kernhaltige
Rindenzellen aufgebaut wird. Dieselben, viel
fach in feine Fäserchen, Hornfibrillen
(Waldeyer) zerlegbar, sind theils mit gelöstem
Farbstoff imbibirt, theils enthalten sie ein
.dunkelschwarzbraunes Pigment von körniger
Beschaffenheit, das auch zwischen ihnen Platz
greift. Die Menge des angehäuften Pigmentes
bedingt die Haarfarbe, der Luftgehalt der inter-
cellulären Spalten der Haarrinde und des
Markes ist jedoch daran nicht unbetheiligt.
Dachziegelartig mit ihren Rändern über ein
ander greifende flache Schüppchen endlich
bilden in einschichtiger Lage die Cuticula
(Epidermicula) des Haares; sie geben dem
selben ein oberflächlich sehr fein netzadriges
Aussehen, das durch die Zellenumrisse erzeugt
wird; den Rand des Haares lassen sie wegen
der dachziegelartigen Uebereinanderlagerung
der Schüppchen fein gezähnt erscheinen (zwei
wichtige Merkmale für die Unterscheidung der
Wolle in Kleiderstoffen von Baumwolle und
anderen Verunreinigungen). Je mehr sich die
Oberhautzellen an ihrem freien Rande von
einander abheben, umsomehr Luft kann zwischen
sie eintreten, ein Umstand, der das eigenartige
Aussehen besonders von Katzen-, Kaninchen
haaren erklärt, die einer Kette von quer
gestellten hellen und dunklen Gliedern ver
gleichbar erscheinen.
Den Wurzeltheil des Haares umlagert,
zwischen Haar und innere Haarbalgfläche sich
einschiebend, als scheidenartige Hülse die mehr
schichtige Wurzelscheide. Dem Haare zu
nächst als eigenartige, noch der Haarpapille
entstammende innere oder Haarwurzel
scheide, umgibt sie das Haar direct mit einer
äusserst feinen, der Cuticula desselben gleich
gebauten Lage (Epidermicula der Wurzel-
scheide), deren Zellen aber in umgekehrter
Richtung, d. i. von oben nach unten sich
dachziegelartig decken. Von den weiteren zwei
Schichten der Haarwurzelscheide besteht die
nächstfolgende Henle’sche aus länglich-lan-
zettlichen, kernlosen, durch Ansammlung von
Keratohyalin (Waldeyer) vollkommen homo
genen Zellen mit intercellulären Spalträumen,
und die äussere Huxley’sche ein- bis dreifache
Lage aus polygonalen kernhaltigen Bildungen.
Die äusser e Wurz eis che i de, Unna’s Stachel
schichte des Haarbalges, dagegen zeigt sich

den tieferen Lagen der Epidermis (cubische
Basal- und Stachelzellen) identisch.
Wie oben erwähnt, steckt das Haar in
einer Einsenkung der Cutis, der Haartasche,
dem Haarbalge, Folliculus pili. Es ist das
eine cylindrische oder massig bauchig er
weiterte „ameiseneiförmige“, im oberen Dritt-
theil aber halsartig eingeschnürte Tasche,
aus deren Grund die kegel- oder zwiebelge-
staltige Haarpapille, Pulpa pili, hervor
tritt. Sie setzt sich aus einer äusseren längs
faserigen, bindegewebigen und muskulösen,
einer mittleren, circulären, organisch-musku
lösen (Bonnet) und einer inneren homogenen
(Glashaut) Lage zusammen. Zwischen der
äusseren und mittleren Lage verbreiten sich
die Gefässe. Sie bilden hier bei den asinuösen
Haaren ein zartes, massig dichtmaschiges
Capillarnetz, bei den sinuösen oder schwell
körperhaltigen Haarbälgen stellen sie dagegen
einen Schwellkörper her, der die beiden Lagen
von einander drängt und nur durch ihn durch
setzende Spannfasern in Connex treten lässt
(s. a. Fühlhaare).
Mit dem Haarbalge treten regelmässig
die in der Haut befindlichen acinösen Talg
drüsen (daherHaarbalgdrüsen), zuweilen auch
die geknäuelton Schweissdrüsen in Verbin
dung. Das gegenseitige Verhältniss von Haar
balg und Haarbalgdrüse ist ein verschiedenes,
insofern als die grösseren asinuösen Haare
die Talgdrüsen als Anhangsgebilde tragen,
während die kleineren Flaumhaare der nackten
Körperoberfläche in den den Talgdrüsenaus
führungsgängen als seitliche Anhänge ange
fügten Haarbälgen getragen werden; in den
Sinushaaren sind die Talgdrüsen nur wenig
entwickelte, dem oberen Haarbalgabschnitte
(Trichter) eingelagerte acinöse Gebilde, welche
oberhalb der sog. Wurzelscheidenanschwel
lung ihre Ausmündung nehmen. Die innigen
Beziehungen zwischen Haarbalg und Haar
fördern die für das Haar so wichtige Ein
fettung mit dem Secrete der Haarbalgdrüsen.
Nahrungs- und Bildungsmaterial er
halten Haarbalg und Haar durch Gefässe,
die sich zwischen der äusseren und mittleren
Haarbalglage verzweigen, sowie durch die in
der Papille eine einfache Schlinge oder ein
kleines Schlingennetz bildenden Capillarge-
fässe; den Schwellkörper der Sinushaare
speisen sowohl die Gefässe der äusseren
Balglage wie jene, welche mittelst der Tra
bekel der inneren Balglage zugeführt werden,
um dort sich in Capillarnetze aufzulösen;
kleine Venen, die nächst dem Haartaschen
halse entspringen, ergiessen sich in die sub
papillären Venenstämmchen der Haut. Das
Haar besitzt einen grossen Nervenreich
thum; aber nicht, wie früher oft vermuthet,
die Papille ist der Sitz desselben, sondern
diesem Zwecke dient ein eigener Terminal
apparat, der ziemlich dicht unter der Talg
drüsenregion in dem Haarbalge angebracht
ist. Für die asinuösen Haare ähnelt er in
seinem Aussehen einem feinen Flechtwerke,
dessen circulare, in Falten der Glashaut ein
gebettete Endausläufer wenigstens zum Theil

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