Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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d. h. dass das betreffende Wild erlegt ist. Des
halb sagt man auch in der Jägersprache, das
Wild, z. B. der Puchs ist Halali gemacht. Gn.
Haibach J. P. G., war 1819—1826 Repe
titor an der Berliner Thierarzneischule, dann
Oberthierarzt im königlichen Marstall und
leitete später die Pferdeklinik an der Berliner
Schule. Koch.
Halbblut wird in der Thierzuchtlehre
jedes Individuum genannt, welches aus der
Paarung (Kreuzung) von Vollblut- oder Rasse
thieren mit Thieren gewöhnlichen Schlages
oder rasselosen Geschöpfen entstanden ist.
Eigentlich sollte diese Bezeichnung nur für
diejenigen Thiere in Anwendung kommen,
welche aus der Paarung von anerkanntem
Vollblut, z. B. den englischen Vollblutrenn
pferden oder den Arabern, mit gemeinen,
unveredelten Thieren hervorgegangen sind;
allein es werden jetzt auch häufig von den
Hippologen als Halbblutpferde (oder Rassen)
diejenigen bezeichnet, welche aus früherer
oder späterer Kreuzung von englischem Voll
blut mit irgendwelchen anderen Rassen ent
standen sind, gleichmütig ob der Grad ihrer
Veredlung ein hoher oder niedriger ist. Wenn
man für das Vollblutthier das Werthmal „100“,
für das gemeine Thier „0“ in Ansatz bringt
und annimmt, dass beide Thiere in gleicher
Weise oder gleicher Höhe vererben, so
müsste der Nachzucht ein Werth von „50“
(100 X 0 : 2 = 50) zntheil werden. Die weitere
Paarung eines Halbblutthieres mit einem Voll
blut würde Dreiviertelblut, und die fernere
Paarung eines solchen mit Vollblut das Sieben
achtelblutthier liefern, und so könnte man
weiter 1S / 16 -, ai / 32 -Blutthiere bilden, wenn man
zu den bereits veredelten Individuen immer
wieder Vollblutthiere führte und solche zur
Paarung benützte; allein die Praxis hat
gezeigt, dass eine solche Steigerung — in
Zahlen ausgedrückt — nicht immer statt
findet, jedenfalls nicht in Zahlen ausgedrückt
werden kann. Die Vererbung der Eigenschaften
und Leistungen des Elternpaares auf die
Nachzucht geht durchaus nicht immer gleich
mässig vor sich, sondern wir bemerken in
der Thierzucht gar nicht selten, dass ein sog.
Halbblutthier seine lobenswerthen Eigen
schaften oftmals besser vererbt als das Drei
viertel- oder Siebenachtelblutthier.
Halbblut wird zuweilen auch als gleich
bedeutend mit „halbveredelt“ angenommen
und einfach als Gegensatz von Vollblut oder
Hochedel hingestellt. Halbblut mit Halbblut
gepaart, gibt wieder Halbblut, d. h. wenn
beide Thiere ein und derselben Rasse an
gehören. Unsere hervorragendsten Zootech
niker sind bezüglich des Werthes von sog.
Blut- oder Vollblutthieren nicht gleicher Mei
nung, im Gegentheil gibt es solche, welche
den Werth des Vollblutes sehr hoch, und
andere wieder, welche denselben nur massig
schätzen. Settegast glaubt durch seine Unter
suchungen die Ansicht widerlegt zu haben,
dass aus reiner Rasse entsprossenen Individuen
in potencirtem Grade die Fähigkeit der Ver
erbung beizumessen sei. Es sollen dessen I

Untersuchungen ergeben haben, dass die
Uebertragungsfähigkeit der Eigenschaften von
Eltern auf die Kinder weder mit dem Alter
der Rasse noch mit der Blutqualität in
irgend welcher Beziehung stände. Settegast
stellt hienach als Regel auf, dass allen zeu-
gungs- und fortpflanzungsfähigen Individuen
die Fähigkeit der Vererbung in gleichem
Grade eigen ist und ihre Abstammung auf
das Mass dieser Eigenschaft — die Ver
erbungskraft — keinen Einfluss hat. Ferner
sagt derselbe Forscher, dass man nicht über
sehen dürfe, wie das Zuchtthier seiner Nach
zucht immer nur das geben könne, was es
selbst besitzt. Ein Halbblutthier ver
mag nicht das zu vererben, was ein
Vollblutthier seinen Kindern ver
leiht, denn seine Eigenschaften sind eben
andere. Und so hat jede Stufe der Blut
mischung noch ihr Besonderes, das sie einer
seits von dem Vollblut, andererseits von dem
Reinblut unterscheidet. Unter den deutschen
Züchtern, welchen die Gelegenheit geboten
wurde, die Erfolge der Verwendung von Kreu-
zungsproducten (sog. Halbblutthieren) für
Züchtungszwecke zu beobachten, stellt Sette
gast den verstorbenen H. v. Nathusius-Hundis-
burg obenan. Die Erfahrungen dieses nam
haften Züchters haben für uns um so höheren
Werth, als er sie im eigenen Zuchtbetriebe
gemacht hat und ihm eine scharfe Beob
achtungsgabe niemand bestreiten wird. Aus
seinen Mittheilungen sind in Settegast’s
Werke über Thierzucht diejenigen Sätze,
welche für die Beurtheilung des Gegenstandes
unwesentlich sind, fortgelassen, und dasselbe
findet auch hier statt. H. v. Nathusius sagt:
„Ich habe Cotswold- und Southdownblut ge
mischt; die aus dieser Kreuzung hervor
gegangenen Böcke sind nicht allein so zuver
lässig und sicher in der Vererbung ihrer
Eigenschaften gewesen, sondern auch djese
Eigenschaften selbst meinen Verhältnissen
und Ansprüchen so zusagend, dass ich die
mancherlei Versuche früherer Jahre nach und
nach abgeschlossen habe und dieses Blut
(d. h. Halbblut) vorzugsweise für meine grös
sere Heerde verwende, u. zw. auch in der Art,
dass ich die Halbblutschafe von langwolligen
Vätern und Merinos-Müttern durch Southdown-
Böcke habe belegen lassen. Diese letzte bunte
Mischung hat nun zu meiner grössten Ueber-
raschung ein so günstiges Resultat in Bezug
auf Eigenschaften und Gonstanz gegeben, dass
ich mit gleichem Resultate die Southdown-
Merinosschafe mit jenen Oxfordshiredown-
Böcken belegen liess und so auf zwei ver
schiedenen Wegen zu demselben Ziele kam,
nämlich zu einem Stamme, welcher % South-
down-, % langwolliges und 4 / 4 Merinosblut
enthält. Ich habe diese Thiere entstehen
sehen, ohne ein Vorurtheil für sie zu haben,
und erst nachdem gute und gut vererbende
Thiere auf diese Art entstanden waren, habe
ich ihnen einen Vorzug vor vielen anderen
Kreuzungen gegeben. Ich mache noch einmal
darauf aufmerksam, dass die Factoren, welche
hier thätig waren, alle drei reine, constante

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