Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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15. Das Melken oder die Milchabson
derung entzieht dem Körper ein bestimmtes
Mass von Nährstoffen und Kraft, u. zw. um
somehr, je grösser die Menge und ihr Gehalt
an Fett und Käsestoff ist. Bleibt diese Milch
entziehung in den naturgemäßen Schranken,
so greift es die Mutterthiere nur verhältniss-
mässig wenig an, wenn nebenbei die ent
sprechende vermehrte Futterabgabe und Buhe
gewährt wird. Ja selbst die vermehrte Milch
absonderung durch künstliche Zuchtwahl,
milchtreibende Nahrungsmittel und Melken,
welches längere Zeit unterhalten wird, scha
det nichts, wenn die gehörigen Vorsichts
und gesundheitsbedingenden Massregeln ein
gehalten werden.
Wenn die Milchabsonderung aber auf
Kosten der anderen Bildungen und Lebens
vorgänge unterhalten wird, so kann sie auch
schädlich werden. Die Thiere bleiben dann
immer auf einem geringen, selbst dürftigen
Ernährungszustände stehen. Dauert dieses
längere Zeit an und treten dazwischen noch
knappe Futterzeiten ein, dann leidet die Ge
sundheit. Die Thiere entkräften, werden
schwach, hinfällig, verfallen in ein Siechthum
und zuletzt in Abzehrungskrankheiten, wobei
besonders die Brustorgane betroffen werden,
z. B. Lungenschwindsucht (Tuberculose) stellt
sich ein.
Beim Melken der Kühe ist Folgendes zu
beobachten:
a) Vor Allem ist eine wohlwollende Be
handlung der Melkkühe zu bethätigen, damit
sie sich gerne melken lassen.
b) Das Euter der Kuh muss vor dem
Melken gehörig gereinigt werden, damit die
Milch nicht verunreinigt wird. Fleißiges Ein
streuen und Ausmisten tragen sehr viel zur
Peinlichkeit bei.
c) Zur Peinlichkeit gehört ferner auch,
dass die melkenden Personen sich vor dem
Melken die Hände waschen.
Die Fleischnutzung oder Mästung beruht
in der Erzeugung von überflüssigen Nähr
stoffen im Thierkörper, welche theils in das
Zellgewebe abgelagert, theils zur Bildung von
Fleisch und Fett verwendet werden. Damit
erfolgt eine Massenzunahme, welche sich
aber nur auf gewisse Gebilde erstreckt. Die
edleren Organe und alle festharten Theile
(Knochen, Sehnen) nehmen keinen Theil
daran.
1. Die Fettmast, wo das Fett in vorwal
tender Menge erzeugt wird, lässt sich bei
der Mehrzahl der Thiere erreichen. Sie be
ruht in der Fähigkeit des Thierkörpers, ohne
weitere besondere Bedingnisse Fett zu er
zeugen und in sich aufzustapeln.
2. Die Fleischmast, bei der Fleisch und
Fett in einem richtigen Verhältniß zu ein
ander stehen und ein sog. durchwachsenes
Fleisch gebildet wird, ist dagegen an beson
dere Bedingungen geknüpft. Sie ist nur mög
lich bei jungen Thieren und solchen, die
eine entsprechende Bewegung haben, und
wenn die Mästung nicht zu weit getrieben
wird (halbe Mast).

3. Bei der Kernmast walten überall in
den flüssigen wie in den festen Theilen die
festen, gerinnbaren Stoffe gegenüber den
wässerigen vor; es ist ein festes Fleisch in
entsprechender Menge vorhanden.
4. Bei der aufschwemmenden Mast da
gegen verhält sich Alles umgekehrt. Statt
der bildsamen festen Stoffe enthalten die
Zwischengewebsräume mehr wässerige Be
standtheile und das Fett hat eine weit flüs
sigere Beschaffenheit. Das Fleisch von Kern
mast quillt auf beim Kochen, ist saftig,
schmackhaft, kräftig und gibt eine kräftige
Suppe. Bei der aufschwemmenden Mast
schrumpft das Fleisch zusammen, und wenn
es auch zart ist, ist es doch weniger schmack
haft, gehaltlos und liefert eine kraftlose Suppe.
Alles magere Fleisch ist reicher an Wasser
und ärmer an Proteinstoffen als das von ge
mästeten Thieren.
Je schneller die Mast (s. d.) beendet
wird, desto besser ist es, weil man durch die
Abkürzung der Zeit das tägliche Erhaltungs
futter erspart. Beim Beginn der Mast schreitet
die Stoffablagerung und Körpergewichtszu
nahme am schnellsten vor, zuletzt immer
langsamer und schwieriger, wobei durch Ver
zögerung die Mästung immer kostspieliger
wird.
Bei der Verabreichung des Futters ist
Folgendes zu beachten:
1. Wie das Futter, so die Mast.
2. Stets ist reichlich zu füttern.
3. Die Verabreichung muss nach den be
stimmten Futterzeiten und mit grösster Regel
mässigkeit geschehen.
4. Muss nach allen Beziehungen die grösste
Reinlichkeit eingehalten werden, namentlich
da, wo gekochtes oder sonst zubereitetes Futter
verabreicht wird.
5. Nach jeder Mahlzeit ist volle Ruhe
zu gönnen.
6. Tritt Appetitlosigkeit ein oder werden
andere Verdauungsstörungen beobachtet, so
muss die Futtermenge sofort vermindert und
mit Salz nachgeholfen werden.
7. Soweit es zulässig, ist alle flüssige
und zubereitete Nahrung sowie das künstlich
zubereitete Getränk lauwarm zu verabreichen.
Die weitere Pflege des Mastviehes ver
langt:
a) einen reinen, gelüfteten, trockenen und
mit angemessener Wärme erfüllten Stall;
b) das Lager soll weich, reinlich und
einladend sein;
c) die nothwendige Hautpflege soll nie
mals versäumt werden;
d) Salzfütterung ist immer von Vortheil.
Um die Mast zu begünstigen und die
Gesundheit der Thiere zu erhalten, sind fol
gende Regeln zu beobachten:
1. Ist ein reichliches und viele Nährstoffe
enthaltendes Futter zu geben.
2. Viel Ruhe und Rast (Ruhe und Rast
ist die halbe Mast). Dieses wird bezweckt
durch Einschränkung der Bewegung, einen
stillen, ruhigen Aufenthalt und Herstellung
eines bequemen Lagerplatzes.

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