Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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3. Abhaltung von äusseren Sinnesreizen,
besonders des Lichtes auf die Augen, allen
Geräusches und dadurch Beförderung eines
schlafsüchtigen Zustandes.
4. Unterdrückung der Geschlechtsverrich
tungen (Castration) und Einstellung der Milch
absonderung.
8. Die im Körper vorhandene Anlage zu
Stoffbildungen ist bedingt durch jugendliches
Alter, Kasse und Temperament.
Die hygienische Pflege der Zuchtthiere
wurzelt in der richtigen Auswahl der zur
Paarung bestimmten Thiere bezüglich der
Abstammung, des Gesundheitszustandes, der
Körperbeschaffenheit und des Alters zur Zucht,
der Futterverabreichung zur Paarungszeit, der
täglichen Futtergabe der trächtigen und säu
genden Mütter, wobei die Stall- und Körper
pflege auf das gewissenhafteste mit in Ver
bindung zu kommen hat etc. Futterbedarf
s. u. Fütterung.
Die Gesundheitspflege der Schafe, als der
jenigen Thiere, welche dem Menschen Fleisch
(Speise) und Wolle (Stoff zur Bekleidung)
liefern, erfordert eine den Nutzungsverhält
nissen angemessene Haltung und Behandlung
im Stalle und auf der Weide, was aber wieder
eine vollkommene Gesundheit voraussetzt, und
um diese zu erhalten und zu fördern, sind
innere und äussere Verhältnisse und Einflüsse
zu berücksichtigen, die theils im harmonisch
gut gebauten Körper, in vorteilhafter Consti
tution in den übereinstimmenden Lebensfunc
tionen und theils in gedeihlicher Nahrung und
Getränk, frischer, reiner Luft, zuträglicher
W arme, an gemessenen Witterungsverhältnissen,
gesunden 8tällen etc. ihre Grundlage haben.
Da der Hauptnutzen der Schafe auf die Woll-
und Fleischproduction sich stützt, so ist die
Ernährung dieser Thiere in den Vordergrund zu
stellen, und diese wird in zwei Hauptperioden,
die Winterfütterung im Stalle und die Sommer
fütterung auf der Weide eingetheilt.
a) Zum Winterfutter eignet sich gutes
Heu, Grummet, Kleeheu (dürrer Klee), das
Heu von Mengfutter (Wickhafer), Gerstenhafer,
Weizen- und Koggenstroh, das Erbsenstroh
und die getrockneten Blätter der Topinambur,
lang aufgesteckt oder zu Häckerling ge
schnitten, Kartoffeln, Runkelrüben, kleine Quan
titäten von Hafer, Treber und Branntwein
schlempe (Branntweinspülicht), Leinkuchen,
Kleien.
Ueberschwemmtes, modriges oder ver
schimmeltes Heu, dergleichen Grummet, Stroh
und sonst verdorbenes Futter darf den Schafen
niemals gefüttert werden.
b) Die Sommerfütterung erstreckt sich
bei den Schafen meistens auf die Weide, den
Weidegang, indem dieselben vom Frühjahr an
bis in den Winter hinein auf diese Weise im
Freien ernährt werden, was auch die wohl
feilste Haltung der Schafe selbst ist.
Wer viel und gute Weiden hat, der kann
auch die Schafzucht und Schafhaltung in
grösserem Massstabe betreiben, aber der Werth
der Weiden und ihre Benützungsweise kann
sehr verschieden sein. Alle trockenen Rasen

plätze kann man als natürliche Weide be
nützen, ferner alle sandigen und steinigen An
höhen, die sich zum Anbau nicht verwenden
lassen; beraste Flurwege, breite Raine, Baum
anlagen u. a. m. Je trockener die Weideplätze
für die Schafe sind, um so besser und zuträg
licher sind sie. Weiden auf feuchtem Boden
mit kräftigem Graswuchs passen mehr für
deutsche und grobe Bastardheerden sowie für
Mastschafe. Der grössere Reichthum an natür
lichen Weideplätzen bedingt eine einträglichere
Schafhaltung, und je einfacher die Wirthschafts
weise einer Oekonomie oder Flurmarkung ist,
umsomehr bietet sie Brachweide, was auch
von der Stoppelweide gilt. Bei der Zwei-,
Drei- und Vierfelderwirthschaft findet man
derartige Weiden mehr wie bei der Wechsel
wirthschaft, wozu auch noch kommt, dass,
wo eine dieser Wirthschaftsweisen getrieben
wird, nicht selten auch noch viele natürliche
Weiden zu finden sind, so dass unter diesen
Umständen der Boden bis zur Einführung
eines besseren Wirthschaftsbetriebes einzig und
allein durch die Weide mit der Schafhaltung
am besten verwerthet und ausgenützt werden
kann.
Da die Weide auf den Kleefeldern den
Schafen ein sehr nahrhaftes Futter bietet,
der Klee aber leicht Blähungen (Trommel
sucht) verursacht, so dürfen sie erst darauf
getrieben werden, wenn sie schon teilweise
gesättigt sind.
Bei dem Weidetrieb der Schafe sind fol
gende Regeln zu beobachten:
1. Die Heerden darf man niemals auf ver
dächtige Weideplätze treiben. Jene Stellen der
Weideplätze sind ungesund, wo kurz zuvor
Wasser zusammenlief und stehen blieb, und
ebenso können die zu üppigen Weideplätze
Nachtheile herbeiführen. In kurzer Zeit werden
auf solchen Stellen die Schafe verhütet, d. h.
das darauf gewachsene Futter erzeugt ver
schiedene Krankheitszustände, die sich aber
immer erst nach einiger Zeit zu erkennen
geben. Fäule, Egel- und Bleichsucht sind
meistens die Folgen davon.
2. Die Weiden dürfen mit Schafen nicht
übersetzt werden, weil sie sich sonst nicht
gehörig ernähren können.
3. Die Weideplätze müssen im Einzelnen
für trockene und nasse Witterung sowie für
die verschiedenen Tageszeiten entsprechend
eingetheilt werden. Bei trockenem Wetter lässt
man mehr die feuchten Weideplätze und bei
nassem die trockenen beweiden.
4. Bei dem Betriebe betauter, nasser,
ganz besonders aber bereifter Weiden und
solcher, die von Nachtfrösten gelitten haben,
muss man sehr vorsichtig sein; daher dürfen
die Heerden nie zü bald Morgens ausgetrieben
und zu spät Abends in den Stall oder Pferch
zurückgebracht werden.
8. Während der heissen Mittagszeit müssen
die Schafe die geeignete Mittagsruhe erhalten,
indem sie nach vorausgegangener 2—2%stün-
digerWeidezeit sich hinlänglich sättigen können
und nunmehr auch Zeit zum Wiederkauen be
dürfen.

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